Vorige Seite Nächste Seite
Seite 2 von 10
Eine Kurzgeschichte von

Matthew Maxwell

„Wir benutzen einen PPO – einen pathogenetisch-prionischen Organismus. Der PPO infiziert den Hydralisken und veranlasst den Wirt auf genetischem Wege dazu, einen neuen Gehirnlappen auszubilden. Dieser Lappen ermöglicht dann über mein System die Kontrolle von außen. Das steht alles im ...“

„Bockmist“, sagte er abwertend. „Absoluter Bockmist. Diesen Traum wollte auch das VED mit dem Projekt „Black Flag“ realisieren und hat uns fast alle umgebracht. Vielleicht haben Sie zu viel über Ihren Büchern gehangen, um das mitzubekommen?“

„Das ist kein ‚Bockmist‘, aber bei Black Flag ging alles schief.“

Frustriert ließ sie ihre Konsole auf den Stahltisch fallen. „Das VED hat versucht, Organismen, die sich seit vielleicht Millionen von Jahren dahin gehend entwickelt haben, ihrem eigenen Schwarm zu gehorchen, von oben ein neues hierarchisches Kontrollschema aufzuzwingen. Aber um dieses Problem zu lösen, benötigt man einen völlig anderen Ansatz.

„Ich habe eine von unten ansetzende Methode vorgeschlagen, um die Zerg dort zu treffen, wo sie am verwundbarsten sind: auf der Ebene des Individuums.“

Ihr Ärger ließ sie sogar die Manieren vergessen. „Lassen Sie es mich Ihnen so einfach wie möglich erklären.“

Als mürrische Antwort leuchtete über ihr die Glut der Zigarre auf.

Ihre Finger tanzten auf der Konsole und das Monster rollte sich vom Tisch – nicht mit einem unfreiwilligen Ruck, sondern mit einer fast schon abstoßend wirkenden anmutigen und fließenden Bewegung.

„Auf seine Königin hört er nicht. Aber er macht, was ich ihm sage!“

Dennis nahm eine hockende Position neben Dr. Loew ein, überragte sie aber immer noch. Mit herangezogenen Armen wartete er in Angriffsstellung.

Die Personen auf der Galerie fuhren bei diesem Anblick zusammen und protestierten im Schatten. Der Fragesteller blieb sitzen und zog an seiner Zigarre.

Dr. Loew gab einen Befehl in ihre Konsole ein.

Dennis Körper spannte sich an. Seine Arme schnellten nach außen und wieder zurück. Er war bereit zum Sprung

„Dr. Loew, wir sind alle ...“

„Jetzt keine Fragen!“, brüllte sie.

Die Bewegung war mit dem menschlichen Auge nicht zu erfassen. Eine Woge umbrabraun glitzernder Haut huschte durchs Licht, während Dennis vom Boden zum Beobachtungsfenster auf der anderen Seite des Raums sprang.

Mit der Kraft eines LKW prallte er gegen das Fenster. Knochige Sensenklingen kratzten wie wild an der Barriere. Dennis lehnte sich zurück und schlug erneut gegen das Glas, das nun zerbrach.

Von den Zuschauern kamen Schreie. Keine Fragen. Keine Zurechtweisungen. Nur Schreie. Vielleicht würden sie nun verstehen, wie sehr sie ihn unter Kontrolle hatte.

„Ziel ausschalten“, sagte der Fragesteller.

Hinter ihr war das Klappern von Metallstiefeln zu hören. Vier Space-Marines stürmten den Vorführraum und zogen sofort ihre Waffen. Dennis wäre tot, bevor er sich zu ihnen umdrehen könnte.

„Nein!“, kreischte Loew hemmungslos. „Sie vernichten Jahre der Forschung!“ Sie schrie, stellte sich jedoch nicht in die Schusslinie.

„Rufen Sie ihn zurück“, sagte die Stimme.

Sie nickte stumm und gab einen Befehl.

Dennis stieß sich mit den Armen ab, sprang zurück und landete mit einem lauten Klatschen. Er rollte nach hinten und stellte sich neben Loew.

Von oben war das raschelnde Geräusch von Hosen und Jacken zu hören. Eine Tür wurde zugeschlagen.

„Gutes Timing, Männer“, sagte die Stimme.

Die Space-Marines nahmen ihre Waffen nicht herunter.

Dr. Loew war vollkommen aufgelöst. Sie versuchte, ihr schnelles Atmen zu verbergen und zumindest den Anschein von Fassung zurückzuerlangen. Sie hatte die Kontrolle über die Vorführung an sich gerissen und dabei die Kontrolle über sich selbst verloren.

„Er hätte Sie nicht verletzt“, erklärte sie. „Das war nur eine Vorführung. Sehen Sie.“

Sie zog eine chirurgische Sonde aus ihrem Laborkittel und steckte sie in das offene Loch in Dennis‘ Schädel.

„Ich könnte sein Gehirn zu Brei verwandeln, ohne das er zucken würde.“ Sie berührte mit der Sonde fast sein freiliegendes Gehirn.

Danach steckte sie das Instrument wieder ein und drehte sich von der Kreatur weg. Nach einem weiteren Wischen auf der Konsole entspannte sich Dennis, als hätte man die Luft aus ihm abgelassen.

„Er ist keine Gefahr mehr, solange er keine entsprechenden Befehle erhält.“

Die Zigarre des Fragestellers flackerte und verschwand in der Dunkelheit. „Ich habe genug gesehen. Entfernen Sie Ihr Haustier und geben Sie meinen Assistenten etwas Zeit, um ihre Kleidung zu wechseln.“ Das orangefarbene Glühen wurde heller, als er einen starken Zug nahm. „Danach unterhalten wir uns.“

Vorige Seite Nächste Seite
Seite 2 von 10

Lade Kommentare ...

Ein Fehler ist beim laden der Kommentare aufgetreten.