Thema [RP-Geschichte] Die Sterne über Dalaran
Solean
Kult der Verdammten
Solean
90, Blutelf, Todesritter
12450
1.11
Zweiter Abend

„Ylaria, wo steckst du denn?“ Verians durchdringende Stimme riss sie aus ihrem leichten Halbschlaf, in den sie gefallen war, nachdem sie sich nach dem anstrengenden Morgen und dem ebenso anstrengenden Nachmittag hingelegt hatte. Mühsam öffnete sie die Augen, blinzelte. Verian rüttelte erneut am Griff der Tür ihrer Kammer, und schlug mit der Faust gegen die Tür. „Ylaria, bei der Sonne.. Wills du zu spät zu Feuerblüte kommen?“
Kerzengerade fuhr Ylaria aus dem Bett auf. Feuerblüte. Die Besprechung. Ihre Bitte, zu ihnen zu kommen. „Ich will dich ja nicht stressen, Ylaria, aber wir haben noch genau fünf Minuten, also schwing dein Hinterteil aus dem Bett, und steh endlich auf.“ Ylaria sprang aus dem Bett, rief „Komme“, und blickte im Raum umher, ob sie etwas Anziehbares fand. Sie seufzte, als sie mit einem Kamm zweimal durch die kurzen blonden Haare fuhr, so dass sie wenigstens einigermassen nach Frisur aussahen. Sie konnte nur hoffen, dass man dachte, sie hatte Stunden gebraucht um die Haare so gekonnt zu arrangieren, dass sie aussahen, als käme sie direkt aus dem Bett. Was sie normalerweise tat. Schnell griff sie nach einem Oberteil und einer einfachen Schwarzen Hose, und schlüpfte hinein, rieb sich über das Gesicht und trat dann zur Tür, um sie zu öffnen.
Verian und Leireth schlüpften in die enge Kammer, beide trugen ihre prunkvollsten Anziehsachen, und hatten den Wams des Silberbunds übergestreift.
„Herrjeh, Ylaria, was machst du denn?“, sagte Verian. Leireth schmunzelte nur, und öffnete Ylarias Schrank, wühlte darin herum. Ylaria wurde leicht rot, und murmelte etwas von „Übungsstunde“ und „war so müde“, ehe sie verstummte, als Ylaria ihr die königsblaue Robe vor den Körper hielt, sie prüfend musterte. „Nein, bitte nicht, Leireth“, ächzte Ylaria. „Ylaria, wir werden vermutlich auf einige höhere Silberbundler treffen. Du kannst doch nicht in Lumpen dort auftauchen, auch wenn ich weiss, dass du lieber Hosen trägst. Also..“ Sie drückte ihr den Kleiderbügel mit dem einzigen Kleid, welches Ylaria besass, in die Hände, und befahl Verian mit einem Handzeichen, das Zimmer zu verlassen. Dieser grummelte und schlug die Tür im Hinausgehen hinter sich zu.
„Ausziehen“, sagte Leireth. „Komm schon, sie hat doch nichts davon gesagt, dass es irgendwas Festliches wird“, wehrte Ylaria sich schwach. „Sicher nicht. Das hätte sie niemals. Das ist doch auch wieder so eine Art Test. Aber weisst du, wenn man ab und zu über seinen eigenen Horizont hinausschauen würde, und sich auch mit anderen Wesen als bloss Elfen unterhalten würde, hätte man vielleicht vernommen, dass heute Abend ein Fest ansteht.“ Gehorsam zog Ylaria sich aus, bis sie nur noch in der Unterwäsche da stand, und schlüpfte in das Kleid. Leireth trat hinter sie, und begann es zuzuschnüren, zog dabei etwas stärker an der Schnürung, als notwendig gewesen wäre. „Ein Fest?“ „Exakt, ein Fest. Oder eher ein kleines Dinner für die ganz hohen Tiere.“ „und wie kommt du darauf, dass wir dort teilnehmen werden?“, fragte Ylaria, eine Augenbraue kritisch hochgezogen. „Keine Ahnung, aber es könnte sein. Vor allem da Feuerblüte und Tyballin daran teilnehmen. Windläufer auch, samt Kind und Kegel.“ Ylarias Mund klappte auf. „Heiliges Licht.“ „Genau.“ Leireth musste schmunzeln, und zupfte das Kleid zurecht, so dass es korrekt sass. „Kann nie schaden, einen guten Eindruck zu machen“, sprach sie dann. „Jetzt noch Schuhe.. Besitzt du überhaupt etwas anderes als Lederstiefel?“ Ihre Nase kräuselte sich, als Ylaria lachte. „Natürlich, wär ja nicht mein erstes Dinner, Bankett oder sonstwas.“ „Dann beeil dich, wir haben sowieso schon Verspätung. Und wisch dir gefälligst die Augen aus, in deinen Augenwinkeln klebt noch der Schlaf.“ Leireth rauschte hinaus, und Ylaria folgte ihr, sobald sie in die feinen Damenschuhe geschlüpft war, die sie nur so selten trug.
Es war nicht so, dass Ylaria keinen Sinn und Geschmack für Mode hatte. Ihre Stoffrüstung pflegte sie akkurat und gewissenhaft, und sorgte stets für einen perfekten Sitz. Ihr Gesicht war meistens dezent geschminkt, und ihre Haare einigermassen zurechtgemacht. Dennoch war es ein Unterschied, ob man in edlen Roben herumstolzierte, oder ob man Hosen und Blusen trug, die Ylaria eindeutig bevorzugte. So war sie definitiv auch froh gewesen, als es Mode wurde auf Roben zu verzichten, selbst unter den reinen Magiern, die nicht auf körperliche Kampftechniken zurückgriffen.
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Während sie durch die Gänge gingen, mit angemessener Eile aber nicht hastig, schweiften Ylarias Gedanken ab zu dem ereignisreichen Vormittag. Sie hoffte, Leyan Sonnenhoffnung erneut zu treffen, denn sie spürte, dass das einfache Kampftraining sehr wirkungsvoll war, und sie von dem gut aussehenden Elfen einiges lernen konnte, was das Kämpfen mit Schwertern anging. Auf jeden Fall schien er zuverlässiger zu sein als Verian. Kurz schweifte ihr Blick zu ihrem besten Freund, der seine Augen natürlich auf Leireth hatte, die in ihrer Robe, die ihr gewiss auf den Leib geschneidert worden war, sehr weiblich wirkte. Sie seufzte kurz, und liess sich einen Schritt zurückzufallen, um diesen Blick nicht mehr sehen zu müssen. In diesem Moment hätte sie Verian verfluchen können.

Das Dreiertrüppchen passierte noch einen Flur, stiegen eine Treppe hoch zu den höher liegenden Gemächern, erreichten auch bald schon die Gemächer von Arkanist Tyballin. Vor der Tür standen zwei Wachen, die etwas pikiert dreinblickten, als die drei einmal nicht dienstlich da waren, sondern als geladene Gäste. Stimmengewirr drang durch die Tür, als sie eingelassen wurden. Ungefähr 15 Leute standen um einen schön gedeckten Tisch, hielten vereinzelt langstielige Gläser mit einer hellen Flüssigkeit angefüllt in der Hand, und unterhielten sich in Grüppchen. Sie erkannte mindestens drei Menschen unter ihnen, allesamt in den Roben der Kirin Tor gekleidet.
Kurz blieben die drei stehen, um sich zu orientieren, als auch schon Imenia Feuerblüte, ihr Leutnant, vor sie trat, und breit strahlend lächelte. Sie trug selber eine Robe aus einem türkis gefärbten, fein fallenden Stoff, von dem Ylaria vermutet, dass er Seide war. „Guten Abend ihr drei.“, sprach sie. „Habt ihr also auch hingefunden. Ich denke, Arkanist Melodir Tyballin kennt ihr bereits, hm?“ Tyballin war hinter sie getreten und musterte die drei Neuankömmlinge, schenkte ihnen ein höfliches Nicken. „Guten Abend, möge das Licht euch gnädig sein“, sprach Ylaria, und fand auf einmal ihre Haltung, die sie tausendmal eingeübt hatte, damals, als sie noch eine der Hauptattraktionen der Familie Silbersang gewesen war, damals, in ihrem verlorenen Leben in der ewigen Stadt.
„Amüsiert euch gut, wir werden uns später unterhalten.“ Imenia lächelte erneut, dann hakte sie sich bei Tyballin unter, und schlenderte mit ihm davon.
Ylaria nutzte die Gelegenheit und blickte sich im Raum um. Dann trafen ihre Augen auf Leyan.

XXXX
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12450
1.12
Dairean erblickte sie sofort in der Menge. Das Kleid in einem königsblauen Farbton, welches einfach geschnitten war, stand ihr hervorragend. Er schmunzelte. Er selber war in unscheinbare Grautöne gehüllt, das Beste, was sein Kleiderschrank herzugeben hatte, um seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen. Rot und Gold waren definitiv nicht Farben, die ein Quel’dorei tragen würde, was ihm ein prüfender Blick in den Raum bereits zu Beginn des Abends sofort verraten hatte. Einzelne Verzierungen zeigten sich in der Farbe des Blutes, aber sie waren nicht die hauptsächlich vorzufindende Farbe, wie man dagegen auf einem Ball der Sin’dorei erwarten hätte können.
Er stand in einer Ausbuchtung eines Fensters, etwas abseits vom Trubel, und hielt ein Glas mit einer weiter nicht definierten Flüssigkeit in den Händen, vermutlich Wein. Man hatte es ihm gereicht, er hatte ein paar Mal offensichtlich daran genippt, wobei natürlich nichts über seine Lippen gekommen war, dann hatte er es nur noch zur Tarnung benutzt. Er hob es leicht, und prostete Ylaria über den Raum hinweg zu, schmunzelte leicht. Er sah, wie sie gerade ansetzte, sich zu ihm zu gesellen, als sie von ihren zwei Begleitern in Beschlag genommen wurde.
„Herr Sonnenhoffnung?“, sprach Imenia Feuerblüte, die sich zusammen mit dem Arkanisten wiederum genähert hatte. „Verzeiht, ich musste einige Leute begrüssen. Wollen wir das Gespräch fortsetzen?“ Sie lächelte ihn an. Dairean erwiderte das Lächeln, und wurde wieder zu seinem eigenen Zwilling.
„Aber natürlich, Lady Feuerblüte. Wo waren wir stehengeblieben in unserer Unterhaltung?“
Dairean schob sich etwas mehr in die viereckige Ausbuchtung in der Wand, die links und rechts zwei kleine Sitzbänke hatte. Diese Art, die Fenster gleichzeitig zu geschützten Oasen zu machen, stammte von der massiven Bauweise der Menschen. In ihren Burgen gab es viele derartiger Erker, in denen vor allem die Damen des Adels und ihre Bediensteten ganze Nachmittage lang sassen, stickend, häkelnd und tratschend.
„Nun, wir waren bei dem Schreiben, welches ihr überbracht habt.“ Imenia zog ein gefaltetes Stück Papier aus ihrem Ausschnitt, betont langsam. Er liess seinen Blick einen Moment auf ihrem Dekolletee ruhen, um ihr die gebührende Aufmerksamkeit zu gewähren, die sie wohl auch erwartete, dann nutzte er den Raum und setzte sich ganz links in die Ecke, blickte kurz einmal aus dem Fenster, doch er erkannte im Dunkeln nichts. Imenia nahm neben ihm Platz, Tyballin setzte sich gegenüber hin, und schwieg weiterhin. Er musste sich vor dem Arkanisten in Acht nehmen, denn er war sich nicht wirklich sicher, ob dieser seine Tarnung vielleicht doch durchschaut hatte. Dairean unterdrückte den Drang, seine Augen zu reiben, zu tasten, ob der Illusionszauber noch intakt war. Einer der ersten Fehler, die man als ungeübter Spion begehen konnte, war es, den Sitz seiner Verkleidung, Tarnung, oder in seinem Falle der Illusion ständig zu prüfen.
Er nickte. „Ja, das Schreiben von Arkanist Taelis. Ich hoffe, es war aufschlussreich.“ Zu seinem Aufgabenbereich hatte auch gehört, heikle Dinge unbemerkt zu entwenden. Und so war es ihm natürlich nicht schwergefallen, während seinem Aufenthalt auf dem noch immer chaotischen Turnierplatz an einige Dinge zu kommen. Vermutlich würde Arkanist Taelis niemals begreifen, dass seine persönliche Habe, die er sich hatte nachschicken lassen, wegen Dairean nicht ganz vollständig gewesen war. Da dieser aber geschickt war, hatte er neben dem wichtigen Siegelring und dem Stempel auch noch diverse andere wertvolle Habseligkeiten an sich genommen und sie bei einem niederen Bediensteten deponiert. Taelis würde gar nicht merken, dass jemand in seinem Name Briefe für ihn verfasste. < Einen Brief >, korrigierte Dairean seinen Gedankengang. Er hatte nur einen einzigen Brief gefälscht.
„Nun, es gibt euch sicherlich hervorragende Referenzen. Dennoch wissen wir nicht genau, warum ihr euch an uns gewandt habt.“, fragte ihn Imenia. Des Arkanisten Blick lag weiterhin ruhig auf ihm.
Dairean lächelte, und nippte erneut an seinem Glas Wein. „Es ist so, dass ich selten in Dalaran war, bisher. Mir war nicht klar, an wen ich mich am besten wenden sollte, und der Name Tyballin fiel einige Male, als ich am Turnier stationiert war. Taelis befahl mir dann auch, ich sollte euch das Schreiben überbringen.“
Imenia nickte, und wechselte einen Blick mit Arkanist Tyballin. Der nickte nur. „Der Inhalt des Briefes ist euch nicht bekannt, so schliesse ich daraus.“ Dairean nickte. Imenia fuhr fort zu sprechen. „Aber tatsächlich hat Taelis mitgedacht. Wir können einen von eurer Sorte gebrauchen.“
„Einen meiner Sorte?“, sprach Dairean mit einem belustigten Unterton in der Stimme. Imenia grinste leicht, ebenso wie Tyballin.
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„Nun, Taelis spricht von einem Späher, einem Fährtenleser, aber noch viel eher von einem Haudrauf, der in jeder Situation mindestens drei Lösungen zur Hand hat.“, sprach Imenia, und wedelte mit dem Stück Papier. „Wie schmeichelhaft“, Dairean entfuhr nun wirklich ein Lachen. „Ja, nicht wahr?“, grinste Imenia.
Dairean schaute dann aber wieder ernst: „Ich nehme jede Mission an, Lady Feuerblüte.“
Imenia nickte. „Taelis hat auch eure Einsatzgebiete und Missionen kurz aufgeführt. Ist es korrekt, dass ihr eine Zeitlang in der Drachenöde gedient habt?“
„So ist es. Ich war dort eine Zeitlang in der Feste stationiert, hatte aber vor allem Späh- und Kuriermissionen. Mit meinem Drachenfalken habe viele Male die Lüfte im Norden durchflogen.“
Imenia nickte und strich sich eine der dunkelbraunen Strähne in das geflochtene und zu einer kunstvollen Frisur aufgetürmte Haar zurück. Dairean konnte nur raten, wie lange das Ganze gedauert und wie viel Nerven es ihre Kammerzofe kostet haben musste. Er hatte gar nicht gewusst, dass sich diese Hochelfen immer noch so prunkvoll herrichteten, obwohl sie dies doch gar so verachteten, aber vermutlich färbten die Gewohnheiten der Menschen, die den Elfen immer schon nachgeeifert hatten, auch auf die Silberbundler ab, die doch in Kontakt mit ihnen traten.
Fast hätte er die folgenden Worte von Imenia überhört, als er fasziniert versuchte zu entschlüsseln, wie eine dunkelblaue Glasperle in ihrem Haar befestigt worden war.
„Seid ihr also auch fähig, die Landschaften unter euch zu identifizieren und mit Karten zu vergleichen? Die Tatsache ist, dass wir einen Navigator brauchen. Jemand, der unsere Eskorte zum richtigen Ziel bringen kann. Wir gedenken nämlich zu fliegen, da die Fussreise zu beschwerlich ist, und wir zu lange brauchen würden.“
Dairean zog eine Augenbraue hoch, und nickte dann. Das konnte interessant werden. „Natürlich. Nicht in allen Gebieten kenne ich mich aus, aber in den meisten. Darf man fragen, wohin es euch verschlägt?“
In Imenias Gesicht trat ein Strahlen, als sie laut und klar sprach: „Zum Wyrmruhtempel.“
Dairean reagierte angemessen verblüfft. Für die beiden Quel´dorei musste es so aussehen, als wäre er erstaunt, dass man die Drachen besuchte. „Zu den.. Drachen?“, stammelte er gekonnt. Imenia nickte, weiterhin strahlend. Und Dairean wusste, dass er sofort Magister Hathorel sprechen musste. Er war sich nicht ganz sicher, aber diese Neuigkeit konnte eigentlich nur bedeuten, dass der Silberbund tatsächlich annahm, dass dieses Relikt etwas mit den Schwesterklingen zu tun hatte.
„Ja, wir bemühen uns um eine Audienz bei einem der Drachen, bevorzugt ein Rotdrache. Aber alles Weitere müssen wir euch leider vorerst verschweigen, denn es ist geheim. Ihr habt euch nur um die sichere Führung zu kümmern, und zu sehen, dass wir alle gut versorgt sind.“
Dairean besann sich, und legte einen Finger an die Lippen. „Aber natürlich, Lady Feuerblüte. Ich schätze, wenn wir gut ausgebildete Greifen oder Drachenfalken nehmen, dauert die Reise ungefähr drei bis vier Tage.“
„So lang?“ Imenia schürzte die Lippen.
„Ihr könntet natürlich auch ein Portal öffnen, dann bräuchtet ihr keine Reisezeit“, gab Dairean schnippisch zur Antwort. „Ihr seid doch eine Magierin, oder?“
Imenia kräuselte die Lippen. „Wir haben selbstverständlich Reagenzien dabei, die es für diesen teuren und kraftaufwendigen Zauber braucht, sollte es notwendig sein, dass wir ihn einsetzen müssen. Doch es ist nicht so, dass wir Magier uns ständig und überall hin teleportieren. Wir würden zugrundegehen, wenn wir dies täten. Ausserdem könnte der Feind auf uns aufmerksam werden.“
Dairean nickte. „Es gibt mehrere Möglichkeiten zu reisen. Entweder wir folgen dem zerstörten Pfad der Titanen, der vom Kristallsangwald direkt zum Wyrmruhtempel führt, oder wir nehmen einen Umweg Das Problem ist, dass er die Tiere meistens etwas nervös macht. Der andere Weg würde über die Feste Wintergarde führen. Wir könnten natürlich auch im Osten entlang fliegen, aber dort ist die Horde stärker vertreten.“
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Imenia musterte ihn prüfend, dann sprach sie. „Und was empfehlt ihr?“
„Nun, mit dem Weg über die Titanenstrasse könnten wir einen Tag einsparen, doch wir werden keiner bewohnten Siedlung begegnen, und unsere Zelte im Freien aufschlagen müssen. Die Frage ist, ob ihr euch dies zumuten wollt. Bei der andern Route können wir einmal in Windläufers Warte im Kristallsangwald und einmal in der Feste selbst nächtigen, und nur einmal in der Wildnis.“
„Hm.. bei der zweiten Route, wieso denn einmal in der Wildnis?“
„Nun seht.. leider habe ich keine Karte dabei gerade. Aber wenn ihr die Tiere über den Gebirgszug zwingt, werden sie auf der anderen Seite zu müde sein, um noch die drei, vier Stunden bis zur Feste weiterzufliegen. Oder ihr hättet einen Ruhetag, den ihr in der Feste einplanen müsstet, was ärgerlich wäre.“
Imenia nickte daraufhin und seufzte. „Ich sehe, die Entscheidung hängt an mir. Aber ihr habt euch durchaus bewährt, Leyan Sonnenhoffnung. Ihr werdet uns auf unserer Expedition begleiten.“
„Vielen Dank, Lady Feuerblüte.“
„Ach, dankt mir erst, wenn ihr blaue Zehen habt und erfroren seid“, grinste diese, bevor sie wieder Ernst wurde. „Ich möchte übermorgen starten. Bitte bringt mir eine Liste mit den Dingen, die notwendig sind, und die man auf 6 Flugtiere packen kann. Ihr habt euer eigenes, nehme ich an?“
„Sechs Flugtiere? Wer begleitet uns denn noch?“
„Das werdet ihr dann sehen. Morgen, zur zehnten Stunde des Tages, im Aufenthaltsraum. Man wird euch den Weg weisen. Und nun verzeiht uns. Wir müssen noch mit einigen hier sprechen. Ihr könnt euch ja etwas amüsieren.“ Imenia stand auf, und Tyballin, der bisher noch nichts gesagt hatte, sprach in einem ruhigen Ton: „Möge das Licht euch leiten.“ Dairean verbeugte sich tief, und unterdrückte die aufsteigende Galle, als er die Antwort sprach: „Euch ebenso, Lady Feuerblüte, Arkanist Tyballin.“ Erneut spürte er den Drang, seine Illusion zu prüfen, als er Tyballins starren Blick auf ihm spürte. Er liess sich nichts anmerken, lächelte tapfer. Als die beiden sich schliesslich abwandten, und durch das Gedränge sich wieder zu Ylaria, Verian und Leireth gesellten, die irgendwie leicht deplatziert unter der Schar illustren Gäste wirkten, fühlte er sich dennoch erleichtert. Er würde Hathorel morgen um einen doppelt starken Illusorischen Zauber bitten, und er würde sich auch eine Erklärung zurechtlegen, warum man eventuelle Reste von Felenergie an ihm spüren konnte. Falls etwas schiefging. Falls.
Es durfte nichts schief gehen, doch er wollte auf alles vorbereitet sein. Und notfalls hatte er immer noch seine Dolche.

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Solean
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1.13
Ylaria genehmigte sich noch einen Schlucken des köstlich perlenden Gebräus, welches sich in dem langstieligen Glas befand, das ihr gereicht worden war. Sie hatte sich sagen lassen, es wäre so genannter Schaumwein, kultiviert in den Weinhügel im Wald von Elwynn. So weit war er hierhergeschafft worden, nur um die illustre Gesellschaft zu beeindrucken und zu verwöhnen.
Dann seufzte sie. Sie waren zwar begrüsst worden, aber Imenia und der Arkanist hatten es nicht für notwendig befunden, irgendwas zu erklären, und waren sehr zu ihrem Erstaunen in die Fensternische verschwunden, in der sie Leyan erspäht hatte. Was hatte der hübsche Elf denn hier verloren? War er am Ende so etwas wie ein hochrangiger Diplomat, oder irgendein anderes hohes Tier? Ylaria biss sich einmal auf die Lippen, als sie sich in der Überlegung verlor, dass sie einen wichtigen Quel’dorei beleidigt hatte mit ihrem profanen Wunsch nach Unterricht in der Schwertkunst. Dann zuckte sie mit den Schultern, und beobachtete aus dem Augenwinkel, wie Verian in ein Gespräch mit Leireth und einem Menschen vertieft war. Für einmal wirkte er nicht wie ein verliebter 50-jähriger, sondern durchaus erwachsen, als er über die Benutzung der Leylinien unter Dalaran sprach. Ganz sein Fachgebiet.
Sie beobachtete die drei eine Weile, und musste erstaunt feststellen, das Leireth offenbar ihre Meinung geändert hatte. Wo sie sich früher ständig fernhielt von Verian, um dessen Narretei nicht noch zu verstärken, hing sie nun an seinen Lippen. Ylaria genehmigte sich noch einen Schluck, und leerte damit das Glas, dann biss sie sich auf die Innenseite der Wange, wie sie es manchmal tat, wenn sie nachdenken musste. Es konnte natürlich sein, dass sie das alles hier falsch interpretierte und Leireth nur interessiert am Fachthema war, dennoch versetzte der Anblick, der sich ihr bot, ihr einen erneuten Stich im Herzen.
Sie blickte sich im Raum um, entdeckte einen Bediensteten mit einem Tablett voller weiterer gefüllter Gläser mit der prickelnden Flüssigkeit, und entschloss sich dazu, sich von dem turtelnden Pärchen abzuwenden, und Nachschub zu holen.
Kaum hatte sie zwei Meter zurückgelegt, kam der Kellner ihr auch schon entgegen, und wechselte mit einem charmanten Lächeln das Glas aus, wovon sie erneut einen Schluck nahm. Von ihrer Position fast mitten im Raum, die sie nun eingenommen hatte, konnte sie die drei Elfen in der Fensternische besser beobachten, wie sie sich angeregt unterhielten. Oder zumindest sah sie Leyan und Imenia sprechen. Der Arkanist war entgegen seiner üblichen Laune anscheinend nicht besonders gesprächsfreudig, und schwieg den grössten Teil der Unterhaltung. Ylaria seufzte, und gesellte sich wieder zu Verian, Leireth und dem ihr unbekannten Menschlichen Magier, der ihr als Anthony McLauren vorgestellt wurde.

Sie schätzte, es vergingen ungefähr 15 Minuten, bis die Unterhaltung in der Fensternische vergangen war. Sie hatte mittlerweile das zweite Glas ausgetrunken und spähte schon nach einem neuen, als ihre Befehlshaberin und der Arkanist zu ihnen traten. Imenias Gesicht zierte ein zufriedenes Lächeln, der Arkanist sah aus, als würde er jeden Moment jemanden anbrummen und die Augen verdrehen.
„Sooo, da sind wir. Verzeiht, wir waren gerade mitten in einem Gespräch als ihr kamt. Oh, guten Abend McLauren.“ Imenia verbeugte sich leicht, der Mensch tat es ihr gleich und versuchte sich an einem so tiefen Bückling, dass er fast stolpern musste.
Ylaria unterdrückte ein Kichern, und blickte Verian an, dem es nicht anders ging.
„Sehr erfreut Madame, schön, dass ihr auch hier seid, ehm...“, stotterte der Mensch.
„Ich bin ebenso erfreut. Wisst ihr, es wäre mir eine Ehre, wenn wir zu gegebener Zeit unser Gespräch weiterführen würden, das über die Benutzung von Transmutation in der Alchemie, aber nun müsst ihr uns kurz entschuldigen. Ich habe mit den dreien hier eine kurze Unterredung zu führen.“ Sie schenkte dem Menschen ihr charmantestes Lächeln, und man konnte fast sehen, wie dieser vor ihr schmolz vor Anbetung. Dann nickte er gehorsam und entfernte sich.
Schlagartig verlor sich Imenias Lächeln und sie wandte sich an ihre drei ihr untergebenen Magierwachen. „So. Jetzt können wir auch endlich zum Punkt kommen. Ich wollte euch nicht so lange festhalten.“ Sie strich sich eine Strähne zurecht, die sich im Verlauf des Abends einige Male aus ihrer prunkvollen Frisur gelöst hatte. „Ich wollte euch darüber informieren, dass wir im Verlauf der nächsten Tage, vermutlich übermorgen in der Früh, aufbrechen zu einer Reise. Eine Eskorte. Deswegen liess ich euch alle üben.“
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Kurz liess sie die Worte wirken, ehe sie nachsetzte. „Was genau wir als Ziel haben, wen wir eskortieren, das werdet ihr alle morgen früh erfahren. Dann werde ich euch genauer informieren.“
„Zu Befehl, Magistrix Feuerblüte“, sagten die drei wie aus einem Munde. Ylarias Herz begann schneller zu klopfen. Eine Mission! Kurz tauschte sie einen Blick aus mit Verian, und lächelte leicht. Dieser erwiderte die Geste, lächelte breit.
„Allerdings.. war ich mir etwas unsicher, was die Anzahl und die Tüchtigkeit der Wachen angeht, die uns begleiten. Zuerst wollte ich nur euch zwei mitnehmen.“ Sie deutete zuerst auf Ylaria und Verian. „Doch dann begriff ich, dass ihr drei zusammenarbeiten könnt, und dass drei einen besseren Schutz abgeben als zwei.“ Ylaria spürte, wie ihre Wangen leicht rot wurden, und biss sich wieder auf die Innenseite der Wange.
„Wie dem auch sei.. Morgen früh. Begleiten wird uns ein Späher und eine Priesterin des Lichts, desweiteren auch ein gepanzerter Offizier des Sturmwinder Heeres, einfach zu unserem Schutze. Morgen erfahrt ihr mehr. Und nun.. amüsiert euch. Das Dinner wird in wenigen Minuten serviert, am unteren Tischende findet ihr drei Plätze auf euren Namen.“ Sie lächelte gutmütig, und sah, wie drei Augenpaare simultan anfangen zu leuchten.
„Danke, Madame Feuerblüte“, sprach Verian schliesslich, und senkte den Kopf tief, legte die Hände zusammen dabei. „Es ist uns eine grosse Ehre, und wir werden unsere Aufgabe gut erfüllen.“
„Das erwarte ich von euch. Das, und nichts anderes.“ Mit diesen Worten ging Imenia davon. Der Arkanist folgte ihr auf dem Fusse. Kaum war sie drei Meter weg, entfuhr Leireth ein kleiner Jubelschrei. Verian und Ylaria grinsten breit. Dann fassten sich die drei Kameraden an den Schultern, umarmten sich, und lachten gemeinsam. Es war zwar nicht der erste Auftrag, den sie bekamen, aber besser als hier Wache zu stehen allemal.
Ylaria sah nicht, wie Leyan verschwand. Als sich ihr Blick während dem Dinner noch einmal auf die Fensternische richtete, konnte sie niemanden erkennen. Schade drum. Sie hätte den Elfen mit den fransigen rotbraunen Haaren gerne noch einmal getroffen, zumindest um ihm zu danken für seinen Unterricht.

XXXXX
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1.14
Dairean stand einfach still. Einzig seine Augen folgten dem Magister, welcher sich über die Schläfen rieb und unruhig im Zimmer auf und ab ging. Magister Hathorel rieb sich mit einer Hand stetig über das Kinn, die andere lag auf dem Rücken. Es schien, als wolle er einen Pfad in den steinernen Boden treten. Dairean grinste bei dem Gedanken daran, doch das Lächeln verlor sich sogleich, als er Hathorels Blick auf sich spürte. Der Magister hatte nach einem Weinglas gegriffen, einen Schluck getrunken, und ihn dann gemustert. Ausgerechnet in dem Moment, wo er gelacht hatte. Dairean liess sich nichts anmerken, und erwiderte den Blick.
„Grinst nicht so, Sonnenhoffnung. Ich glaube, ihr unterschätzt die Lage“, blaffte der ihn prompt an, und nahm noch einen Schluck aus dem Weinglas. Dairean seufzte innerlich. Hathorel war eigentlich ein relativ umgänglicher Zeitgenosse, aber er konnte Stresssituationen nur schwer aushalten, ohne ziemlich angriffslustig zu werden. „Sicherlich nicht, Magister. Die Lage ist ernst. Aber ich bin mir sicher, ihr werdet eine gute Lösung finden, ebenso wie ihr mir passende Befehle erteilen werdet. Ich kenne euch gut genug, Magister.“ Er lächelte versöhnlich, und prompt sprang der Magister drauf an, und lächelte ebenfalls. „Vielen Dank, Sonnenhoffnung. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Silberbund uns um Längen voraus ist.“ Hathorel seufzte und stellte das Glas zur Seite. „Ich wünschte, ich hätte früher davon erfahren, um dies alles besser zu planen. Aber ich fürchte, es bleibt uns keine andere Wahl, als euch zu schicken.“
„Ich hätte es euch gerne früher gesagt, aber ich konnte mich erst jetzt zu den notwendigen Informationen vorarbeiten. Ich bin eine Weile auf dem Holzweg gelaufen, da ich nicht wusste, in wessen Obhut man das Paket gegeben hatte.“
„Ich weiss, ich weiss, Sonnenhoffnung. Das lässt sich jetzt auch nicht mehr ändern. Also.. Zeigt mir doch noch einmal, wo diese Magistrix Feuerblüte ihre Routen zog.“ Hathorel trat zu dem runden Tisch in seinem Arbeitszimmer, auf welchem einiges an Material lag, kostbare Bücher, verschiedene Dokumente, Siegel. Alles relativ achtlos hingeworfen, und genauso achtlos schob Hathorel einfach eine Menge Dinge über die Tischkante, um Platz zu schaffen für eine Pergamentrolle, die fast den ganzen Tisch an Platz einnahm. Dairean trat neben Hathorel, und erkannte die Umrisse der Drachenöde. Es war die aktuellste aller aktuellen Ausgaben, ergänzt mit den Berichten der Postreiter, die in den Landen verkehrten, wilde und unbeugsame, unabhängige Gesellen, die Wind und Wetter zum Trotze mit ihren Flugtieren, zumeist mit wetterfesten Windreitern, ihre Aufgaben erledigten.
Hathorel befestigte die Karte an jeder Ecke mit einem speziell dafür vorhergesehenen Magnetischen Stein, damit sie nicht in sich zusammenrollte. Dann griff er in einen Behälter, und holte eine Handvoll roter und blauer runder Holzchips hervor, legte sie an den Rand der Karte. Dann griff er sich einen blauen und einen roten, legte beide nach Dalaran.
„Also.. Wo würde ihre erste Route hindurchführen, sagtet ihr?“
Einige Zeit verging, in der sich Dairean Sonnenhoffnung und Jorith Hathorel mit bunten Spielsteinen und der Karte über Taktiken, Strategien und allen möglichen und unmöglichen Reiseverzögerungen unterhielten.
Schliesslich rieb sich Hathorel die Stirn und richtete sich wieder gerade auf, blickte Dairean an. „Ich weiss nicht so recht. Beide Routen nehmen sich nichts.“ „Mit Verlaub, sind den die Routen wirklich wichtig? Was soll ich überhaupt tun? Wollt ihr, dass ich das Artefakt entwende?“
Hathorel hielt eine Weile inne. „Das steht tatsächlich zur Debatte. Aethan hat mir hierbei völlig freie Hand gelassen. Sein Auftrag ist jedoch klar: In Besitz bringen des betreffenden Relikts, sofern es sich als wertvoll erweist oder aber, den Silberbund in Verruf bringen...“ „Wenn es sich als Fälschung herausstellt“, beendete Dairean Hathorels Satz. Er hatte ihn schon öfters gehört. „Ich weiss, ja.“ Hathorel nickte. „Es stellt sich allerdings die Frage, ob es tatsächlich wertvoll ist. Und da der Silberbund diese Frage auch nicht ausreichend klären konnte, schlage ich folgendes Vorgehen vor.“ Fast unmittelbar wurde Hathorels Stimme noch etwas leiser, so als fürchte er Lauscher in seinem Quartier. „Bleibt im Hintergrund, solange bis die Echtheit des Relikts bestätigt oder abgelehnt worden ist. Bis der Wissensstand des Bunds grösser ist als der bisherige.“ Dairean nickte wortlos. „In diesem Falle also geleitet ihr die Gruppe auf dem schnellsten Wege in Richtung des Wyrmruhtempels, um selbst zu erfahren, was ihnen dort mitgeteilt wird. Vielleicht schafft ihr es ja sogar, dabei zu sein, wenn sie die Audienz haben.“
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„Davon dürfen wir aber nicht ausgehen“, sprach Dairean. „Nein, wahrlich nicht. Aber ihr habt sicherlich eure Methoden, um an die Informationen zu kommen“, erwiderte Hathorel und grinste leicht. Daireans Mundwinkel bogen sich leicht nach oben. „Aber sicherlich, Magister Hathorel.“ „Gut. Falls sich das Artefakt als echt erweist, falls der unmögliche Fall eintritt, dass Dämmersuchers Klinge gefunden wurde, dann lautet der Befehl, es unverzüglich in eure Gewalt zu bringen, koste es, was es wolle. Ich schlage euch vor, dann den schwierigeren Weg zu nehmen, der einige Gefahren birgt, die man auch inszenieren kann.“ Dairean nickte ein weiteres Mal, wie er es schon unzählige Male an diesem Abend getan hatte. Hathorel entfernte sich von dem Tisch, auf dem noch immer die blauen und roten Holzchips auf der Karte lagen, und ging zu einem Schrank, kramte darin herum, während er leise murmelte: „Ich gebe euch noch .. Ja.. hier sollte es irgendwo sein.. sehr nützlich..“
Dairean schaute derweil noch einmal auf die roten und blauen Chips, und er ertappte sich dabei, wie er einen blauen Chip von der gruppe entfernte, und ihn zu dem einzigen roten Chip legte, der ihn selber darstellen sollte.
Nur wenige Minuten später wischte Hathorel die Chips beiseite, und legte ein rundes Objekt auf die Tischplatte, direkt auf die Karte. „So, ich habe es noch gefunden.“ „Magister, was ist das?“ „Das ist ein magiebetriebenes arkanes Kommunikationsgerät.“ „Ein.. was?“ „Eine wunderbare Erfindung, seht her.“ Hathorel drückte einen Knopf und sprach eine Formel für einen einfachen Illusionszauber, und drückte dann die Fingerspitzen in zehn kaum sichtbare Mulden an der Seite des ovalen bronzenen Gerätes. „Hiermit binde ich dieses Kommunikationsgerät an mich.“, sprach er dann, und schliesslich drückte er es Dairean in die Hände. „Wenn ihr einfache Illusionsmagie darauf wirkt – da solltet ihr selbst dazu imstande sein – dann wird es aktiviert, und ich werde einen Zauber meinerseits wirken, und ein kleines Abbild wird auf der oberen Fläche erscheinen. Ihr werdet so mit mir kommunizieren können. Natürlich nur begrenzt, es kostet recht viel Kraft, die Illusion aufrecht zu erhalten, denn es ist quasi eine teilweise Teleportation. Also benutzt es nur im Notfall.“ „Aber Magister, das ist doch relativ gefährlich“, sprach Dairean. „Wenn sie mich durchsuchen oder so, und herausfinden, was es ist..“ Hathorel unterbrach ihn. „Dann werden sie mit Grossmutter Sonnenhoffnung in Sturmwind reden.“ „Grossmutter Sonnenhoffnung?“, gluckste Dairean amüsiert. „Ja. Ich habe meine Möglichkeiten zu sehen, wer den Zauber wirkt. Ich kenne eure magischen Strukturen gut genug, um sie von anderen zu unterscheiden. In diesem unwahrscheinlichen Falle würde ich natürlich eine andere Illusion erscheinen lassen, die den Anschein erweckt, ihr habt bloss Heimweh.“ Dairean nickte, und betastete das Gerät noch eine Weile. Das war tatsächlich etwas sehr praktisches, und würde ihm wohl sehr nützlich sein bei der Expedition.

Es war fast Morgengrauen, als sich Dairean schliesslich nach einer langen Unterredung aus dem Quartier des Magisters stahl, um noch einige Stunden Schlaf in seiner Silberbundschen Kammer, die ihm zugewiesen worden war, zu erhaschen, bevor er ausgeschlafen zu dem geplanten Treffen erscheinen musste.

XXXX
Solean
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1.15
Zum dritten Male an diesem jungen Morgen schlug Verian ihr auf die Finger. Ylaria seufzte, als sie aufhörte, an den Nägeln zu knabbern. Diese Unsitte hatte sie eigentlich seit ungefähr einem Jahrhundert abgelegt, doch heute war alles anders. Sie spürte, dass ihnen etwas bevorstand, was weitaus grösser war, als es den Anschein hatte. Leireth, sie und Verian warteten bereits seit einer halben Stunde im Aufenthaltsraum. Vor der Tür stand ein bulliger Mensch in einer Plattenrüstung offenbar Wache – denn er hatte niemanden einlassen wollen ausser den drei Magierwachen. Die anderen der Einheit mussten ihr Frühstück woanders einnehmen, was sie denn auch murrend und widerstrebend getan hatten.
Die Tür öffnete sich ein weiteres Mal und eine Menschenfrau trat ein. Sie lächelte den drei Elfen zu, und verbeugte sich dann. Ylaria musterte die Frau, die in eine einfache, aber gut schützende Robe gekleidet war, wie gemacht für den harten Winter, aus wärmender Wolle. Darüber prangte ein Wams in den Farben der Allianz. Die Kapuze war nach hinten geklappt, und sie trug einen kleinen Streitkolben und ein Buch um ihre Hüften geschlungen, ebenso wie einige Phiolen und auch einen Dolch. „Möge das Licht euch segnen, verehrte Anwesende.“, sprach sie den traditionellen Gruss, den die Elfen erwiderten. Sie musste eine Priesterin sein, eine Kräuterkundige der grossen Kathedrale von Sturmwind. „Mein Name ist Brionna Tallys, Priesterin der Kirche des Lichts“, sprach sie mit einer weichen und sanften Stimme, die ihrer etwas pummeligen Figur durchaus entsprach. Noch bevor sich Brionna setzen konnte, oder sich die Elfen vorstellen konnte, trat Imenia Feuerblüte durch die Tür, nahm die menschliche Wache sogleich mit rein. Ein weiterer Elf trat hinter ihr in den Raum, drehte der kleinen Gesellschaft aber sogleich den Rücken zu, um die Tür zu schliessen. Ylaria wollte den Blick gerade abwenden, als er sich wieder ihr zuwandte, und ihr ein gewinnendes Lächeln schenkte. „Leyan?“, entfuhr es ihr. „Was tut ihr denn hier?“ Kurz starrte sie ihn an, bevor sie sich besann, dass dies tatsächlich sehr unhöflich war, und sie beschämt die Augen abwandte. „Ehm.. verzeiht.“
Leyan schmunzelte, und setzte sich flugs neben sie an den Tisch. „Ja, das ist gut, setzt euch. Wir haben einiges vor uns, glaubt mir. Also, setzt euch hin, so gut es geht. Ja, ich weiss, dass ihr euch nicht setzen könnt mit Rüstung, Hammerschmied.“ Magistrix Feuerblüte warf dem Menschen einen kurzen amüsanten Blick zu. Der jedoch brummte nur etwas in seinen mausbraunen Bart. Tallys nahm neben Imenia Platz, dies ich ebenso auf einen der Stühle setzte. Der Mensch, der als Hammerschmied angesprochen worden war, stellte sich direkt an den Tisch, neben Verian und Leireth.
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„Ihr wisst alle, warum ihr hier seid. Wir haben einen Auftrag. Und wir werden alle zusammenarbeiten, dass dies schon einmal klar ist.“ Feuerblüte blickte nach und nach ein jedem in die Augen. „Wir haben hier drei hervorragende Magister. Ylaria Silbersang, Verian Himmelswispern und Leireth Himmelsflamme.“ Sie deutete nach und nach auf die Angesprochenen, während der Mensch einmal amüsiert etwas von „heissen ja alle gleich“ brummelte, und prompt dafür einen scharfen Blick kassierte. „Connell Hammerschmied, vergesst nicht, dass ihr hierfür bezahlt werdet. Also hütet eure Zunge.“ „Ja doch M’lady. Verzeiht“, brummte er. Imenia wandte sich wieder zu den anderen. „Der Herr hier heisst Connell Hammerschmied und er ist unser Mann fürs Grobe. Er versteht sich hervorragend darauf, Dinge zu schützen, und ist ein Meister der Kriegskunst. Er wird uns ebenso auf unserer Expedition begleiten wie die heilende Hand Brionna Tallys, die für unser Seelenheil sorgen wird.“ Brionna lächelte milde. „Und um eure Wunden, aber wir wollen beim Licht beten, dass derartiges nicht notwendig sein wird“, ergänzte sie Imenias Worte, die nur nickte. „Schliesslich haben wir hier Leyan Sonnenhoffnung. Er hat sich bereit erklärt, uns auf unserer Expedition zu leiten. Er kennt die Drachenöde wie kein zweiter, ist aber um einiges verlässlicher als die unabhängigen Kurierreiter, die nur aufs Geld aus sind.“ Leyan nickte, und lüftete einen imaginären Hut zum Grusse, immer noch an der Tür stehend. Doch dies fiel kaum mehr jemandem auf. Sie waren alle still und blickten, nein starrten Imenia an. „Die Drachenöde?“, wagte schliesslich Verian zu fragen. „Was verschlägt uns dorthin?“ „Mh.. zu vieles werde ich euch nicht verraten, aber wisset dies: Wir brauchen Informationen über etwas, was wir gefunden haben. Es könnte eine mächtige Waffe sein, wenn sie in die Hände der richtigen – oder auch der falschen – Personen gerät, aber es könnte genauso gut nichts weiter erwähnenswertes sein.“ Synchron nickten die drei Elfen, Brionna sprach ein Gebet und faltete die Hände zusammen. „Nun, ich möchte, dass ihr für einige Tage packt. Das wichtigste sind warme Kleider. Die Drachenöde ist eines der kältesten Gebiete in Nordend, obwohl mancherorts auch seltsame Magie vorherrscht.“ Imenia formte in ihrer Hand einen kleinen Eiskristall und hielt ihn den anderen wie zur Darstellung hin. „Mh, dann sollten wir noch einmal die Frostschutzzauber üben“, sprach Leireth und blickte kurz zu ihren beiden Freunden links und rechts, die ihr sofort beipflichteten. „So ist es. Die allerhöchste Priorität liegt allerdings auf dem Artefakt, welches ich auf mir transportieren werde. Ich bin somit das am besten zu schützende Ziel. Aber vermutlich werden wir sowieso nicht auf viel mehr als Eis, Frost, Regen oder eine Kombination aller drei treffen. In der Drachenöde gibt es kaum Aktivität – die der Geissel mal ausgenommen. In unseren Stützpunkten ist man mit dem Kampf beschäftigt, ebenso ergeht es der Horde. Der Scharlachrote Kreuzzug hat einiges an Stärke gewonnen im Süden. Wir werden kaum grosse Mühe haben, zum Wyrmruhtempel vorzudringen.“ Imenia stand auf. „Packt genügend Proviant ein für die nächsten Tage. Wir werden einiges dabeihaben, aber was ihr persönlich präferiert, müsst ihr selber besorgen. Zelte und dergleichen obliegen mir zu organisieren. Ich will, dass ihr euch nun ausruht, und fit seid. Morgen früh zur siebten Stunde brechen wir auf.“ Sie blickte einen nach dem anderen an. „Hat noch jemand Fragen?“
Alle schüttelten den Kopf. Leyan hatte ein leichtes Grinsen auf den Lippen, wie Ylaria bemerkte. Er musste schon vorher gewusst haben, wohin die Reise ging. Der Wyrmruhtempel. Ylaria fühlte eine ungeahnte Art Kribbeln in sich aufsteigen. Es war kindisch, es war töricht, es war unelfisch – aber sie freute sich wie ein kleines Kind auf das Abenteuer, welches ihnen bevorstand.
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Zweiter Abschnitt

2.1
Erster Tag der Reise

Ylaria drehte den Kopf leicht zur Seite, als Leyan ihr zuzwinkerte. Sie hatte gerade neben ihren üblichen Waffen auch eine Schwertscheide an die Halterung geschnürt, die das Gepäck sicher auf dem Greifen hielt. Viel hatte sie sonst nicht mitgenommen, so fiel dies wohl auf. Das Lederband, welches als eines von mehreren das Gepäck an Ort und Stelle auf dem Tier halten würde, wurde von ihr stramm angezogen, fast etwas zu stramm, und sie bemühte sich den Eindruck zu erwecken, dass sie sein Grinsen nicht gesehen hatte. Leider hielt ihn das nicht davon ab, zu ihr zu kommen. Immer noch das spitzbübische Lächeln auf den Lippen trat er nahe zu ihr an die Seite des Greifen, und legte eine Hand auf den Sattel. „Guten Morgen, Ylaria. Ich sehe, ihr habt vor, eure Kampfkünste auf der Reise zu vertiefen?“ Sie wandte sich zu ihm um, stemmte eine Hand in die Hüfte und versuchte möglichst ungerührt zurück zu lächeln. „Nun, wer wäre ich, wenn ich die Gelegenheit nicht nutzen würde, wenn ihr uns schon überraschenderweise auf dieser Reise begleitet, Meister Sonnenhoffnung.“
Leyan lachte melodisch, als er nach dem Schwertgriff langte, die Waffe leicht aus der Scheide zog, und sie begutachtete. „Immerhin habt ihr solides Werkzeug mitgebracht. Damit werden wir arbeiten können. Und bevor ihr fragt, natürlich wäre es mir ein Vergnügen, euch weiterhin zu unterrichten. Ihr lernt schnell“, sprach er. Seine himmelblau schimmernden Augen lagen direkt auf ihr, und Ylaria fühlte erneut die Röte in sich aufsteigen. Schnell blickte sie um sich.
Verian hatte seinen Greifen bereits mit dem Notwendigsten bepackt, und hielt ihn am Zügel fest. Das Tier war ihm offenbar nicht ganz geheuer, denn er blickte es ab und zu skeptisch an. Ylaria musste schmunzeln. „Verian mag die Greifen nicht.. Das kann ja heiter werden“, sagte sie, mehr zu sich selbst. Leyan folgte ihrem Blick. „Er bevorzugt Drachenfalken nehme ich an?“ „Ja, dem ist so. Das tun wir eigentlich alle. Aber die wenigsten sind widerstandsfähig genug für diese Kälte. Wir haben nicht genug.“ Leyan nickte nur.
Derweil ertönte aus Leireths Richtung ein Schimpfen. Sie versuchte gerade erfolglos mit Hilfe des Menschen ihr Gepäck zu verstauen, doch war es definitiv zu viel des Guten. Als ein Beutel erneut herunterfiel, seufzte Leireth, und wischte sich über die Stirn. Verian rief ihr etwas zu, was klang wie „Ich nehm das“, und eilte zu ihr hin, wobei er die Zügel des Greifen losliess.
„Oh je“, flüsterte Ylaria, als sie sah, wie Verians Greif sich langsam entfernte, und schon die Flügel streckte. Die Tiere waren eigentlich gut erzogen, dennoch testeten sie regelmässig bei neuen oder ihnen unbekannten Reitern ihre Freiheiten und Grenzen aus. Sie konnte die Zügel ihres eigenen Greifen nicht loslassen, denn sonst wäre dieser ebenso weggetrippelt wie Verians. Sie wollte schon etwas rufen, als sie Leyan sah, der mit grosser Geschwindigkeit zu dem flüchtigen Tier spurtete, und im letzten Moment die Zügel ergriff, bevor es in die Luft abhob.
Erneut setzte Ylaria an, etwas zu sagen, als ein einfaches Klatschen die morgendliche Stille auf dem Lande- und Flugplatz Dalarans durchbrach. Leyan hatte es geschafft, sein Kunststückchen genau dann vorzuführen, als Imenia Feuerblüte beschlossen hatte, ebendiesen Platz zu betreten. Imenia klatschte ein paar M al in die Hände, und würdigte so das Kunststückchen Leyans mit einem leichten Grinsen. Der verbeugte sich spielerisch, und grinste zurück, tippte sich an den nicht vorhandenen Hut zum Grusse.
< Wie kann man nur soviel Glück haben >, schoss es Ylaria durch die Gedanken, als sie neben ihrem Greifen in Stellung ging, und ihrer Anführerin salutierte. Nur aus den Augenwinkeln sah sie, wie Verian zu seinem Greifen hastete, und ebenfalls Position annahm. Sie sah auch nicht, wie der stämmige Mensch eher nachlässig salutierte, und sich dann hinter die Priesterin schwang, die mit ihm einen Greifen teilte, da sie den Wunsch geäussert hatte, nicht allein fliegen zu müssen.
Ylaria baute sich vor dem Trupp auf, und blickte sie einzeln an. „Guten Morgen. Ich sehe, der Grossteil der Vorbereitungen für die Reise ist getroffen.“ Ylaria, Verian und Leireth sagten wie aus einem Munde die gleichen Worte: „Ja, Madame“, und salutierten zackig, während die anderen drei Teilnehmer der Expedition eine Mischung aus teilnahmslosen Blicken, Schmunzeln und mildem Lächeln zeigten. „Wunderbar. Wir starten in wenigen Augenblicken. Sonnenhoffnung?“, Imenia wandte sich an Leyan. „Ja?“, antwortete dieser. „Ist mein Reittier bepackt und bereit?“, fragte sie ihn, und blickte ihn unverwandt an. Der senkte den Kopf leicht, und nickte. „Aber sicher, M´lady“, erklang seine Stimme. Er deutete auf einen Greifen, der etwas an der Seite stand, dessen Zügel von einem jungen Erwachsenen Menschen gehalten wurden, kaum 15 Winter alt. Imenia nickte. „Gut“, sagte sie, und wandte sich dann wieder an den Trupp.
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„Ich habe mich entschieden, dass wir den sichereren Weg durch den Kristallsangwald fliegen. Unser heutiges Tagesziel ist der Aussenposten des Silberbunds, die Windläufers Warte, wo wir heute Abend erwartet werden. Die reine Flugzeit wird ungefähr vier bis fünf Stunden betragen, mehr ist den Greifen nicht zuzumuten. Zwischendurch werden wir einmal rasten, vermutlich am Fusse der Kristallschlucht.“ Während Imenia sprach, ging sie leicht auf und ab, die Hände hinter dem Rücken ineinander verschränkt. Sie hatte ihr kurzes Haar so gut es ging zurückgebunden, manche Strähnen fielen ihr dennoch in die Stirn, und gaben ihr ein verwegenes Aussehen. Als sie ihre Ansprache beendet hatte, blieb sie in der Mitte stehen, und zog die Kapuze hoch, die ihren Kopf gegen die kalte Luft wärmen würde. „Sitzt auf. Wir werten nun mit der Reise starten.“
Auf den Befehl hin schwangen sich die drei Magierwachen auf ihre Greifen, ebenso trat Imenia selber zu ihrem Greif, doch sie erklomm den Greifen nicht sofort, sondern winkte jemanden zu sich. Während sich Arkanist Tyballin mit einer einfachen, viereckigen hölzernen Schatulle näherte, die durch ein Schloss gesichert war, hob Leyan die Hand zum Mund, und pfiff auf zwei Fingern zwei Töne, einer hoch, einer etwas tiefer. Und in dem Erstaunen des Trupps darüber, dass ein rotgolden schimmernder Drachenfalke sich den Weg von einem etwas höher gelegenen Platz innerhalb der Schwebenden Stadt direkt zu Leyan bahnte, indem er mit den kräftigen Flügeln schlug, und sich schliesslich in der Luft schwebend vor Dairean bewegte, verstaute Imenia Feuerblüte, Magistrix des Silberbundes, fast ungesehen das ominöse Relikt in der Seitentasche, die am Sattel des Greifen befestigt war.
Dairean schwang sich in den Sattel des Drachenfalken, dem die Kälte offenbar nichts auszumachen schien, beinahe zeitgleich wie Imenia sich auf ihren Greifen bequemte. Mit einem leisen „Ho“, gab er dem Drachenfalken einen kleinen Befehl und flügelschlagend erhob sich dieser in die eisigen Lüfte des Kristallsangwaldes. „Auf geht’s“, sprach er lauter, und dann erhob sich nach und nach ein Greif nach dem anderen in die Lüfte. Ylaria schlug ihre Kapuze zurück und drückte die Fersen in die Steigbügel, als ihr Greif die mächtigen Flügel ausstreckte, und schliesslich mit einem Satz vom Boden abhob. Sie nahmen ihren Kurs gen Westen auf.

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2.2
Dairean raffte die Zügel zusammen und knotete sie gekonnt an den Knauf des Sattels, auf dem er sass. Dann griff er nach dem kleinen, ledernen Beutel, der als einer der wenigen nicht festgezurrten Teile seiner Ausrüstung lose umher baumelte, öffnete ihn freihändig, und griff sich eine Prise des braunen Pulvers, welches sich darin befand. Obwohl sich unter ihm der Kristallsangwald auftat, und er in freiem Fall ungefähr 400 Meter gestürzt wäre, schien es ihn nicht gross zu kümmern. Sein Körper bewegte sich wohl von langen Übungen mit den geschmeidigen Bewegungen seines Drachenfalkens mit, und er konnte sich diese Aktion erlauben. Er war von sich selbst überzeugt. Selbst wenn er stürzen würde, Phönix – so hatte er den Drachenfalken getauft – war klug genug, um seinen Reiter aufzufangen, sollte er wider Erwarten doch herunterfallen.
Er entschied sich dafür, das geriebene Pulver aus getrockneten Blutdisteln die Nase hochzuziehen, sein Zahnfleisch war schon bräunlich genug. Langsam fiel ihm nämlich keine Erklärung mehr dafür ein ausser schlechten Zähnen, die er aber nicht hatte. Er zog an der Schnur, und verstaute den Beutel wieder dort, wo er hingehörte, nahm die Zügel erneut in die Hand.
Als die Blutdistel zu wirken begann und ein angenehm prickelndes Gefühl von seinem Mund aus in seinen Körper steig, signalisierte die Reiterin hinter ihm auch schon mit einer Geste, dass sie landen wollte. Dairean orientierte sich kurz am Sonnenstand, und schätzte, dass es ungefähr eine Stunde vor dem Höchststand war. Es war also bald Mittag. Und wie vorgesehen kam auch schon bald die Kristallschlucht ins Blickfeld.
Nur wenige Minuten später landeten sie auf einer kreisrunden Lichtung zwischen wenigen der kargen Bäume auf dem gelblichgrünen Gras. Dairean liess sich elegant von Phönix´ Sattel gleiten, und verknotete die Zügel erneut. Phönix würde sich nicht weit entfernen, denn er war gut erzogen. Bei den nach und nach landenden Greifen war er sich da nicht so sicher. Gerade der Greif von Himmelswispern machte offenbar Probleme, und fast schon wäre der Elf ohne sie weitergeflogen.
„Eh, Verian, machst du immer eine Ehrenrunde?“, rief Ylaria spöttisch. Ihr Blick ruhte auf dem Elfen, der nach der endlich erfolgreichen Landung sich ziemlich unelegant im Steigbügel verhedderte, und fast auf den Boden fiel. In letzter Sekunde konnte er sich noch retten, strich sie die Haare in einer bemühten Geste zurück, und straffte sich etwas.
Dairean schmunzelte, und wandte sich ab. Die Elfe hatte ihre Blicke sowieso nicht auf ihm, was er etwas bedauerlich fand. Es war immer gut, in den Feinden eine Verbündete zu haben. Freundschaften zu schliessen, natürlich gespielt, halfen einem guten Spion, zu Informationen oder zu Hilfestellungen zu kommen. Er hatte sie erkoren, ihm eine Freundin zu werden. Doch vorerst musste er sich um etwas anderes kümmern. Er hatte schliesslich einen Auftrag im Auftrag.
„Lady Feuerblüte?“ Er trat zu der Anführerin des kleinen Trupps hin, und schenkte ihr ein gewinnendes Lächeln. „Späher Sonnenhoffnung“, erwiderte sie knapp und lächelte. „Wollt ihr hier länger rasten? Dann werde ich ein Feuer anzünden, und wir wollen etwas zu essen kochen.“
„Nun, bald naht die Mittagsstunde. Ich dachte, dass wir die Hitze – wenn man es so nennen kann – ausnutzen, und dann zur Mittagsstunde wieder weiterfliegen. Wie lange schätzt ihr haben wir denn noch bis zur Zuflucht?“ Sie verstaute irgendetwas in einer Satteltasche, und drehte sich ihm dann ganz zu. Mit einer Hand schlug sie die Kapuze zurück und löste den Knoten im Haar, der ihr das wilde Aussehen gab, strich sich alles zurecht. < Madame ist wohl eitel>, dachte er. Dann räusperte er sich, schlug die Augen höflich nieder. „Das ist eine gute Idee, Lady Feuerblüte. Ich muss wohl noch einmal mit Phönix in die Luft, aber ich denke, wenn ich es richtig im Kopf habe, dauert es noch ungefähr 3 Flugstunden, bis wir ankommen. Dann wären wir heute fünfeinhalb Stunden unterwegs gewesen. Eine Aufwärmübung für die Greifen. Morgen wird es dann anstrengender, wenn wir die Höhen erklimmen.“ Imenia nickte. „Nun denn. Lasst uns etwas Verpflegung zu uns nehmen.“
Sie ging an ihm vorbei, und trat in den Kreis der Abenteurer, die bereits auf dem Boden Platz genommen hatten, wobei ein jeder auf einer Decke, dem Umhang oder gleich dem Sattel seines Tieres sass. Obwohl der Mensch roh und unhöflich schien, war er doch einigermassen gewandter im Umgang mit den massigen Tieren, auf denen sie ritten.
Dairean schmunzelte, wandte sich ab und begann, z wischen den Bäumen Holz aufzuklauben.

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Das Hochgefühl, welches ihm die Prise Blutdistelstaub beschert hatte, hielt noch ein Weilchen an. Vor allem liess es ihn die Kälte besser vergessen. Er war sich der Kälte noch immer bewusst, doch war es nicht mehr der vorherrschende Gedanke in seinem Kopf. Stattdessen strich er hier und da herum, sammelte einen verdorrten Ast nach dem anderen. Getreu seiner Prinzipien immer noch wachsam, erlaubte er sich jedoch mit einem Teil seines Geistes etwas umherzuschweifen, dies und das zu denken. Einmal glaubte er ein hohes Lachen zu vernehmen, vom Lager her, und einmal kreischte auch Phönix nach ihm.

Als er wieder in die Runde zurücktrat, und wortlos einen Haufen Brennbares Material in die Mitte legte, schienen die anwesenden gerade in eine eifrige Diskussion vertieft. Während er das Holz zerkleinerte, und in dem aus Steinen geformten Ring aufschichtete, den wohl jemand klugerweise angelegt haben musste, tat er so, als bekäme er nichts mit.

„Wie kannst du sowas nur sagen“, ereiferte sich Verian. „Tu nicht so, als ob du die Einzige wärst, die Familie verloren hat, Ylaria.“
„Das hab ich doch gar nicht gesagt,“ erklang Ylarias hitzige Antwort. Leireth stocherte derweil mit einem Stock in der Erde herum. „Ich sagte nur, dass du ja noch Familie hast, du müsstest sie bloss überzeugen.“
„Überzeugen.. Wovon? Du denkst doch nicht allen Ernstes, dass mein Vater sich überzeugen liesse. Er hat dieses Teufelszeug schliesslich auch konsumiert.“
„Himmelswispern, ein jeder ist fähig zu erkennen, welch Verderbnis unsere Brüder und Schwestern eingegangen sind“. Die Stimme Imenias erklang ruhig.

Tatsächlich aber hörte er jedes einzelne Wort klar und deutlich, spürte Nuancen nach, erforschte den Klang der Stimmen und verglich sie mit den Aussagen. Er konnte sich eines Schmunzelns nicht verwehren. Er hatte bisher nie das Vergnügen gehabt, verbliebenen Hochelfen zuzuhören, wie sie über seinesgleichen redeten.

„Aber sie selber. Weigern sie sich nicht, zu erkennen?“ Verian blickte seine Anführerin an. Diese nickte bedächtig. „Ich komme öfters in Kontakt mit den verlorenen, die sich nun Sin´dorei nennen. Kinder des Blutes.“
Brionna Tallys, die Menschenfrau, mischte sich ein, während sie die Hände aneinander rieb. „Gebt die Hoffnung nicht auf, Verian. Noch viel schlimmere Sünder haben zurück zum Licht gefunden. Und das Licht in seiner unendlichen Gnade wird ihnen verzeihen, und sie auf den rechten Pfad weisen.“ Fast schon simultan nickten Connell und Brionna. „Wahr gesprochen“, erklang die sonore Bassstimme des Menschen. Brionna lächelte ihn an.
Verian seufzte lang gezogen. „Ich wünschte mir bloss, ich wüsste genau, was aus ihnen allen geworden ist. Ich habe nur Kenntnis, dass mein Vater überlebt hat. Was aus meinen drei Brüdern geworden ist, mag nur das Licht wissen. Aber ich vermute, dass zumindest der jüngste überlebt hat. Der Taugenichts war ja nicht mal im Militär.“
„Dann lohnt es sich aber nicht für ihn zu beten“, sagte Ylaria trocken, und hauchte sich in die Hände.
„Es lohnt sich für alle zu hoffen, dass sie ihren grossen Fehler erkennen. Dass sie sehen, in welch falsche Hände sie geraten sind. Sie sollten sich und die ewige Stadt von alleine ausliefern und kapitulieren vor der Allianz.“, erklang da die Stimme von Leireth, die sich das erste Mal in die Diskussion einmischte. Verian wandte sich ihr sofort zu und lächelte sie strahlend an.
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Während das Feuer langsam hochloderte, bemerkte Dairean erneut den wehmütigen Blick in Ylarias Augen. Verians Körperhaltung war Leireth zugewandt, die neben ihm sass, und er schien Ylaria zu ignorieren. Wäre die Wirkung der Blutdistel nicht langsam abgeklungen, hätte er vermutlich laut gelacht. So jedoch grinste er nur leicht, und stocherte in den Flammen herum. Eine klassische Dreiecksbeziehung. Elfe liebt Elf, der eine andere Elfe liebt. Na, wenn sich daraus nichts machen liesse.
„Da hast du allerdings Recht, Leireth.“ Verian versuchte den Worten mehr Gewicht zu geben, und sprach betont langsam. Je deutlicher Leireths Lächeln auf diese Bemerkung hin wurde, desto griesgrämiger blickte Ylaria.
„Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass sie Verräter sind.“, warf schliesslich Imenia ein. Brionna fragte: „Verräter? Oh ja, das sind sie. Marschall Garithos hat gewusst, was er tat, als er sie einkerkerte. Man konnte ihnen von Anfang an nicht vertrauen, diesen Hoch..Ich meine.. Nun ja.. Ich meine diesem Sonnenwandererprinzen.“ Als sie ihren Fauxpas bemerkt hatte, wurde sie leicht rot. „Verzeiht, ich wollte niemanden beleidigen.“

Dairean liess das Feuer Feuer sein, und erhob sich, lief zwei Schritte und setzte sich demonstrativ neben Ylaria. Er schenkte ihr ein – so wie er hoffte – freundliches Lächeln. Wie zufällig berührte sein Knie ihren Oberschenkel, als er die Beine zu einem Schneidersitz faltete. Ylaria erwiderte das Lächeln kurz, doch es war nur ein gespieltes. Der Blick und wohl auch ihre Aufmerksamkeit lagen immer noch auf Verian.

„Nun, wie ihr wisst hatten wir auch unsere Schwierigkeiten, nachdem der Sonnenbrunnen zerstört worden war. Selbst die wir in Sturmwind ansässig waren, spürten sofort, dass uns etwas fehlte“, sagte Imenia zu der übereifrigen Priesterin, die immer noch rote Wangen hatte. < Ob die Kälte ihre Wangen zusätzlich rosig färbt?>. Dairean schüttelte ob des absurden Gedankens den Kopf.
„Ja, dies sah ich. Ich behandelte einige im Hospital, die kaum mehr einen vernünftigen Gedanken fassen konnten, oder die pure Schmerzen erleiden mussten.“ „Ich bestreite nicht, dass wir Hochelfen von der Magie in gewisser Weise abhängig sind. Sie durchtränkt uns, sie nährt uns, und sie macht einen Teil unseres Wesens aus. Dennoch waren wir nie so korrupt, dass wir..“, Imenia wurde von Leireth unterbrochen. „.. auf diese verfluchte dämonische Magie angewiesen waren“. Leireths Stimme klang bitter und gleichzeitig sehr wütend. „Verräter. Allesamt. Pack. Wie konnten sie uns alle bloss so betrügen? Und dann..“. Es war schon fast beeindruckend, die Verwandlung mit anzusehen. Offenbar war von allen Anwesenden hier Leireth die Fanatischste. Ausgerechnet. Dairean musste sich eingestehen, dass er sie unterschätzt hatte. Er hatte diese Rolle eher der Anführerin zugedacht gehabt, doch nun präsentierte sich Situation ganz anders. Leireth redete sich in Rage. „Und dann schliessen sie auch noch diese unheiligen Allianzen! Diesen Pakt mit.. Mit dem Verderben. Mit den Naga.. Wie kann man nur.. Unsere Vorfahren würden sich im Grab umdrehen, wüssten sie´s. Wie der Prinz das Andenken seiner Dynastie beschmutzte und mit den Füssen trat. Eine Schande! Verräter allesamt!“ Schnaufend beendete sie die Rede, während sie die Hand wieder in den Schoss legte, die in ihrem Monolog immer wieder wütende Kreise geformt, mit dem Zeigefinger gedeutet und die Faust geballt hatte.
„Sagt ihr eigentlich nichts dazu, Herr Sonnenhoffnung?“, fragte sie Dairean dann direkt, blickte ihm in die Augen, die Wangen immer noch gerötet.
Alle Blicke richteten sich auf ihn.

XXXX
Elou
Kult der Verdammten
Elou
85, Blutelfe, Paladin
5630
Solean,

lange musstest du auf meinen Post warten, immer wieder hab ich dich vertröstet, aber hier ist er. Ich liebe deine Geschichte. Ich mag Geschichten, die detailliert erzählt/geschrieben werden. Du sagtest mal, du fändest irgendeinen Abschnitt wohl etwas "langweilig" - seh' ich anders. Eine gute Geschichte ist abwechslungsreich, hat wohl durchdachte Charaktere, einen roten Faden an dem sie sich entlangzieht und viele kleinere Geschichten innerhalb der Großen. Ich finde, das ist dir wunderbar gelungen. Ich freue mich schon auf die nächsten Kapitel.

/highfive
Elou
Solean
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12450
OOC: Vielen Dank Elou. *knutsch*

2.3
Ylaria wandte nach Leireths Frage ebenfalls den Kopf zu Leyan. Sie ärgerte sich sowieso über Verian, und beschloss spontan, den Elfen von nun an mit Nichtbeachtung zu strafen. Sie strich sich eine Strähne des Haares hinters Ohr, natürlich vergebens, denn es rutschte sofort wieder nach vorne. Sie seufzte leicht in die Stille hinein, die sich breit machte.
„Nun“, setzte der Angesprochene an, nachdem er mit dem Stück Holz, welches er in der Hand hielt, noch einmal im Feuer rumgestochert hatte. Ylaria drehte auch den Körper nun gegen ihn, und wurde leicht rot, als sie unbeabsichtigt ihren Oberschenkel an sein Knie drückte. Er schmunzelte ihr kurz zu, dann fuhr er sich mit zwei Fingern über das Kinn, leicht reibend.
„Verrat haben unsere Brüder und Schwestern begangen, das ist unbestritten. Töricht ist es, denen zu folgen, die nur Verrat und Leiden bringen können. Wir müssen uns auf die eigene Stärke verlassen können, wir müssen zusehen, dass wir uns wieder aufraffen, anstatt liegenzubleiben und zu jammern, dass wir verraten wurden.“ Er hob den Kopf leicht an, und bald erklangen die Worte mit einer entschlossenen Überzeugung. Er blickte jedem der Anwesenden einmal in die Augen. Auch Ylaria spürte zuletzt seinen Blick auf ihr, und kurz verharrten sie so. Sein Schmunzeln verwandelte sich in ein Lächeln. Ylaria wurde leicht rot, und brach den Blickkontakt als Erste ab.
„Aber was macht es für einen Sinn zu debattieren. Wir sollten lieber versuchen, die Abtrünnigen zu überzeugen davon, was das Wahre, das Einzige Gute ist, für uns Elfen. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Wir können nicht leugnen, dass der wiederbelebte Sonnenbrunnen uns wieder Kraft gibt. Zumindest.. ich spüre es. Schliesslich sind wir ein Volk, und wir haben genug gelitten. Die Abtrünnigen sollten sich uns wieder anschliessen.“ Die letzten Worte sprach er etwas leiser, und fast wirkte er nachdenklich. Stille legte sich wieder über den kleinen Kreis an Kampfgefährten, ehe Leireth schliesslich in die Hände klatschte, und lächelte. „Ihr habt es so schön poetisch formuliert, Her Sonnenhoffnung, da habt ihr Recht. Die törichten Blutelfen werden sich uns wieder anschliessen! Oder sie werden sterben, sterben bei dem Versuch, sich bei diesen Wilden gut zu stellen, und schliesslich sterben unter dem Ansturm der glorreichen Allianz!“ Imenia nickte, und sagte: „So soll es sein.“
Leyan kommentierte die letzte Aussage nicht, liess das Schmunzeln erneut in seine Miene wandern, und stocherte wieder mit dem Ast im Feuer herum.
„Könnt ihr das Gequatsche nicht mal lassen?“, maulte Connell. „Ich bin hungrig. Dafür haben wir doch einen Halt gemacht, oder?“ Ylaria musste lachen. „Wo ihr Recht habt, Herr Hammerschmied“, sagte sie, stand auf, und ging zu einem der Transportgreifen, holte für alle Brot und Käse heraus, und fing an, die Lebensmittel gerecht zu verteilen. Connell brummelte noch irgendetwas darüber, dass es nichts Warmes gäbe, doch dann gab er sich seinem Schicksal hin, und verschlang seine Ration in mehreren grossen Bissen, ohne grossartig zu kauen.
Ylaria setzte sich schliesslich wieder neben Leyan und reichte ihm seine Portion. „Danke“, sagte er, und ihr schien, als würde er sich etwas entspannen. Das war merkwürdig, befand sie, denn warum hätte er angespannt sein sollen? Sie beugte sich etwas zu ihm, und flüsterte leise: „Droht uns eine Gefahr?“
Leyan zog eine Augenbraue hoch. „Eigentlich nicht. Habt ihr etwas Verdächtiges bemerkt?“ Ylaria schüttelte den Kopf und biss etwas von dem Käse ab. „Nein, eigentlich nicht, doch ich dachte mir gerade, dass ihr doch etwas arg angespannt wirktet.“ „Ich bin immer wachsam, M´lady“. Er schmunzelte. „Aber tatsächlich war ich etwas angespannt.“
Ylaria verzog leicht das Gesicht, als sie den pappigen Käse herunterschluckte. Er war nicht gerade von bester Qualität. Vor allem war er viel zu fade, wenn es nach ihr ging. Er würde zwar dem Gaumen der menschlichen Gefährten munden, doch für elfische Geschmacksknospen war er zu wenig speziell.
Sie spülte den Bissen mit einem Schluck aus der Feldflasche herunter.
„Aber warum denn?“, fragte sie schliesslich.
„Ich bin kein guter Redner. Ich bin Kämpfer und Kurier. Kein Redner.“ Auch Leyan biss vom Käse ab, der ihm wohl besser schmeckte als ihr, denn er nahm sogleich einen zweiten Happen.
„Ach, das bin ich doch auch nicht. Aber darum geht es doch nicht unbedingt, oder? Sind ja keine politischen Reden oder so.“
„Nein.. Wahrlich nicht.“, erwiderte er wortkarg und zerriss das Brot in zwei Stücke.

Ylaria versuchte noch ein paar Mal, das Gespräch auf irgendwelche banalen Themen zu lenken, doch weder Leyan noch der Rest des Trupps hatten scheinbar Interesse daran, sich zu unterhalten. So rückte sie etwas näher zum Feuer, und wärmte sich die Hände.

XXXX
Adrasteius
Kult der Verdammten
Adrasteius
85, Blutelf, Paladin
2060
Eine tolle Geschichte freue mich auf die nächsten Kapitel :)
Solean
Kult der Verdammten
Solean
90, Blutelf, Todesritter
12450
OOC: Vielen Dank Adrasteius

2.4
„Nehmt sofort eure dreckigen Finger von mir!“ Die sonst so sanfte Stimme der Priesterin klang energisch und wütend, während sie erbost einige Schritte Abstand von Connell nahm. Der hob leicht die Hände, beschwichtigend. „Aber..“ „Sagt jetzt nichts!“, fuhr sie ihm sofort ins Wort, und stapfte zu Imenia, die einen Moment vor ihnen gelandet war, baute sich vor ihr auf, und stemmte die Hände in die Hüften.
„Madame Feuerblüte, ich beantrage auf einem anderen Reittier zu reisen. Nicht mehr mit diesem.. Barbaren!“ Imenia zog eine Augenbraue hoch, und schlug die wetterfeste Kapuze zurück. „Verzeihung?“, sagte sie, und blickte die Priesterin an. „Ich verstehe nicht...“
Anklagend deutete Brionna auf den Krieger, der neben dem Greifen stand. „Er hat mich angefasst.“ „Er hat euch angefasst?“ Imenias Blick wanderte zum Menschen, der seinen Kopf etwas einzog. „Hammerschmied, ist das wahr?“, bellte Imenia. „Madame.. Ich wollte doch.. niemals.. ich dachte nur.. „, stotterte dieser. Die Situation schien ihm unangenehm zu sein, verlor er doch normalerweise keine Worte, und sprach recht klar. „Du hast deine Pfoten auf meinen Hintern gelegt!“, erklang Brionnas anklagende stimme erneut. „Aber.. das war doch.. nicht die Absicht...“, seufzte Hammerschmied, und führte den Greifen etwas näher der Stelle, wo Imenia und Brionna standen.
Derweil landeten auch die anderen 3 Greifen und der Transportgreif auf dem Platz zwischen den Zelten des Aussenpostens. Dairean lachte innerlich. Er war bereits zwei Minuten vorher gelandet, und war soeben dabei, Phönix zu verköstigen und ihm den Sattel abzunehmen, als er das Ganze beobachtet hatte.
Die Unsicherheit Brionnas beim Fliegen war nicht nur ihm, sondern auch dem fürsorglichen Connell aufgefallen. Es war aber auch kaum verwunderlich gewesen, denn beim Mittagshalt war nicht nur Verian fast vom Greif gefallen, sondern auch die Priesterin hatte ihre sichtliche Mühe gehabt, von dem massigen Tier zu steigen. Connel hatte ihr, ohne zu fragen, beim Erreichen des Zieles die Hände um die Hüften gelegt, um ihr beim Absteigen vom Greifen behilflich zu sein. < Töricht >, dachte Dairean. Natürlich hatte die fromme Priesterin seine Absichten missverstanden, und so keifte sie ihn nun weiter an, liess ihn nicht zu Wort kommen. Ylaria trat neben ihn, nachdem sie ihren Greifen einem der Stallmeister übergeben hatte. Sie hatte ihre wenigen Habseligkeiten in der Hand, und teilweise über die Schulter geworfen. „Was ist denn hier los?“, fragte sie, als sie die streitenden entdeckte. „Hört selbst“, sprach Dairean. Ylaria wandte den Blick zu Brionna.
„..Wenn ich es doch sage, er hat mich berührt, unsittlich!“, ereiferte diese sich gerade. Imenia hob nun eine Hand. „Nun haltet einmal ein, Miss Tallys. Ich möchte dies hier gerne aufklären, und zwar noch eher, als dass ich Hammerschmied nach Hause schicke.“ sie hielt kurz inne. „Nun, möchtet ihr dazu etwas sagen?“.
Connell druckste etwas herum, und Dairean schien es, als würden die Wangen des Kriegers für einmal nicht von der Kälte gerötet. „Verzeihung“, sprach er etwas leiser in seinen Bart. „'ch wollt nur helfen.. Der Miss mein ich.“, brummte er dann. „Wollt nich grabschen, wirklich nich'.“ „Und warum habt ihr sie dann berührt?“, fragte Imenia skeptisch. „Weil sie vorhin schon fast runtergefallen wär.“ „Vorhin?“ „Mittags“, kam die Antwort. „Da.. das ist doch gar nicht wahr“. Nun war es an der Priesterin, verlegen zu sein. „Tut mir leid. 'ch würd niemals nie begrapsch'n“, sagte Connell, und blickte die Priesterin an. „Kann es sein, dass ihr da etwas missversteht, Miss Tallys?“, sprach Imenia. „Aber.. er hatte seine Hand auf meinem Po!“, versuchte Brionna noch einzuwenden. „'s war nich meine Absicht. Wirklich nich'. Bitte verzeiht mir.“ Brionna seufzte.
Dairean beschloss, der Farce ein Ende zu machen, und trat näher zu Imenia. „Sie schien wirklich nicht sehr sicher heute Mittag. Ich hätte ihr sicherheitshalber auch geholfen, als zu riskieren, dass sie sich ihren Hals bricht.“ Dann lächelte er gewinnend in Brionnas Richtung.

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