Der Schlüssel zur Erde

90, Tauren, Schamanin
13870
So, die Ära des Lichkönigs ist zu Ende, meine Story ist es jedoch noch nicht...wenngleich ich mir derzeit die Finger wund tippe um das vor dem Erscheinen des Addons noch zu ändern.
Da ich nicht will, dass Tays Abenteuer im alten Forum verschwindet lass ich es gänzlich ins neue Forum umziehen...hoffe meine Leser finden mich :p

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90, Tauren, Schamanin
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Prolog


„Ich hätte es nie für möglich gehalten…“

„Was?“

„…dass dieser Tag überhaupt noch schlimmer werden könnte…“

„Ach, was…du solltest es auch ma von da guten Seite sehn!“

Tayury blinzelte langsam um dann die Augen zu schließen und tief durchzuatmen. Schließlich öffnete sie selbige wieder um in das lächelnde, blassblaue Gesicht vor ihr zu sehen dessen spitze Nase sich eng gegen ihre Schnauze drückte und sie damit zum Näseln nötige.
„Von der guten Seite…“, wiederholte die Taurin sehr langsam und deutlich, ein orangefarbenes Auge dabei leicht zusammengekniffen.

„So is es, Mann!“

Einer ihrer Mundwinkel begann leicht zu zucken um so etwas wie ein Lächeln anzudeuten.
„Die gute Seite also…“

„Wenn ich‘s doch sag!“

„Dann…sag es doch einmal.“

Rotfarbene Augen verdrehten sich auf sichtlich nachdenkliche Weise, gefolgt von einem leisen Zungenschnalzen.
„Nuuuuun…“

„Ja?“

„Also wir…“

„Nur weiter…“

„Nun ja…also…du…du hast imma noch mich!“

Ein kurzer Moment tiefen, schweren Schweigens folgte auf diese Worte um schließlich von einem mindestens ebenso tiefen und schweren Seufzen gebrochen zu werden.

„Und das…das ist die gute Seite?“

„Ja, Mann!“

„Fantastisch…dann ist das wohl der Beginn einer wunderbaren Zeit…“

Tayury drehte den Kopf soweit es ihr möglich war um auf die kochende, blubbernde Brühe unter ihnen herab zu blicken deren wallende Dämpfe ihnen schwer und heiß entgegen schlugen.

„…wenngleich diese Zeit nicht von langer Dauer sein wird, fürchte ich…“

„Quatsch…! Jede Geschichte hat letztendlich `n gutes Ende!“

„Diese Geschichte hatte nicht einmal einen guten Anfang!“, erwiderte Tayury scharf, missmutig schnaubend angesichts des rauen Hanfseils um ihren Körper wie auch des immer noch nervig-fröhlichen, hellhäutigen Gesichts dicht vor dem Ihrigen.

Einen Anfang…ja…jede Geschichte hatte einen Anfang…auch diese hier…und wie gesagt…es war kein guter Anfang gewesen….
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Schon von weitem war er zu hören gewesen an diesem Morgen…noch weit vor dem ersten Hahnenschrei…der berittene Bote aus Orgrimmar der zusammen mit Tagesanbruch und unter dem lauten Getöse eines mächtigen Kriegshorns, an jenem Morgen Thunderbluff erreicht hatte um Thralls Wort in der taurischen Hauptstadt zu verkünden.
Thrall…alleine der Klang dieses einen Namen hatte ausgereicht um dafür zu sorgen, dass ganz Thunderbluff zur frühesten Stunde bereits auf den Beinen gewesen war um den Boten mit allen Würden zu empfangen.
Rüstungen waren poliert, Schwerter geschliffen und Bogen neu bespannt worden, alles sollte perfekt sein, alles darauf hinweisen, dass das taurische Volk jederzeit zum Äußersten bereit war um ihren Platz in der Horde gerecht zu werden.

Nachrichten aus Orgrimmar…in diesen Tagen, in denen Azeroth vor einem erneuten blutigen Krieg gegen das untote Grauen stand, war jede einzelne von ihnen mit höchster Priorität anzusehen…doch wieso mussten sie stets so früh am Morgen kommen?

Zu gerne hätte Tayury an diesem Morgen die ausgebrochene Hektik ausgenutzt um sich rasch und heimlich davon zu stehlen und dem ganzen folgenden Trubel damit zu entkommen…ein Schläfchen im grünen Gras, gut versteckt in den saftigen Weiten von Mulgore hätte ihr tausendmal mehr zugesagt als all das folgende dieses Tages…doch soviel Glück war ihr leider nicht zuteil geworden.
Denn schon nach dem ersten Hornsignal aus der Ferne war er in ihr Zelt gestürmt gekommen um sie aus den Federn zu werfen und dazu zu drängen ihre prächtige Schlachtrüstung anzulegen…der alte Ochse Jam`jaran der sich seit Jahren ihr Mentor nannte gleichwohl seine gesamte Weisheit meist darin bestand seinen Unmut über ihr Verhalten dem Stamm gegenüber kundzutun…
Eine Angelegenheit von höchster Wichtigkeit nannte er es …der grauhaarige, stets nach Pfeifentabak stinkende Veteran dessen breite Nasenflügel an diesem Morgen vor Aufregung derartig gebebt hatten, dass es Tayury nicht gewundert hätte wenn er jeden Moment aus ihrem Zelt geflogen wäre wie ein besonders #%**er, grauer Falter.

„Auf, auf, die Zeit drängt, der Rat versammelt sich bereits!“, hatte er sie gehetzt während er schnaubend durch ihr Zelt gestapft war um ihre Rüstung und ihre Waffen für sie zusammen zu suchen unterdessen die Taurin selbst ihn noch verschlafen-mürrisch aus einem Auge angeblinzelt hatte.
Von allen grausamen Dingen die einem als erstes nach dem Aufwachen widerfahren konnten, stand Jam’jaran ohne Zweifel an erster Stelle…ein alter, ergrauter Schamane, das einst silbergraue Fell ausgebleicht und zottig, die Hörner zersplittert, die Ohren zerschlissen, ein ehemals nussbraunes Auge nun milchig weiß was seinen stets tadelnden Blick noch unerträglicher machte.
Eine alte Kriegsverletzung nötigte ihn zu einem schlurfenden Hinken und jeder dritte Atemzug aus seiner vernarbten Brust war begleitet von einem rasselnd-schleimigen Husten das dafür sorgte, dass sein Herannahen meist schon von weitem zu hören war.
Jenes alte, krächzende taurische Wrack nannte sich, wie schon gesagt, nun schon seit Jahren hinweg ihr Mentor, ein Titel den er sich irgendwann einmal selbst gegeben hat und dessen sie ihn schon dutzende Male enthoben hätte wenn es ihr möglich gewesen wäre.

Eine Duftspur aus Tabak, muffiger Kleidung und diversen Kräutertinkturen hinter sich herziehend war er durch ihr Zelt gefegt wie ein übelriechender Sturmwind dabei unentwegt über die Wichtigkeit dieses ach so hohen Besuches schwatzend, natürlich stets unterbrochen von Schimpftriaden der Faulheit und Respektlosigkeit seines Schützlings gegenüber.
Tayurys Versuche sich Jam’jarans eindringlichem Geschwafel mit einem Rückzug unter die flauschige Felldecke ihres Nachtlagers zu entziehen, waren letztendlich endgültig gescheitert als der alte Ochse ihr kurzerhand einen Großteil der schweren Rüstungsteile ins Bett, sprich auf sie selbst geworfen hatte.
„Dein Stamm ruft nach dir also folge dem Ruf gefälligst auch, bei der großen Erdenmutter!“, schnaubte er ärgerlich zum Abschluss ehe er auch schon wieder aus dem Zelt gerauscht oder vielmehr geschlurft war um jemand anderen mit seiner Gegenwart zu beglücken.
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Einige missmutige Verwünschungen gegen den alten Ochsen ausstoßend hatte Tayury daraufhin ihre Rüstung wie auch sich selbst aus dem Bett befördert denn einen zweiten morgendlichen Besuch dieser Art galt es unter allen Umständen zu vermeiden.
Den prächtigen Rüstungsteilen auf dem Boden nicht mehr als einen beiläufigen Blick schenkend, verließ sie wenig später ihr Zelt, allem Gezeter und Geschimpfe Jam'jarans zum Trotz lediglich in ihre schlichteste Lederkleidung gehüllt. Die wallende Mähne zerrupft, das pechschwarze Fell von der Nacht noch verlegt und zerzaust, war die Taurin schnurstracks, wenn auch gemächlich, Richtung Häuptlingszelt gestapft, hartnäckig verfolgt von Jam’jaran dessen auf sie herab regnende Schimpf- und Jammertriaden abrupt verstummt waren, sowie sie das alte, schwere Bärenfell zum Eingang des Zeltes beiseite geschlagen hatte.
Einem Faustschlag gleich war ihr sogleich der wohlbekannte Dunst von harzigem Räucherwerk, Kräutertabak wie auch dutzenden, diversen anderen Gerüchen entgegen geschlagen.
Eine Art rauchige Mauer die es erst zu durchschreiten galt und wenngleich ihr dieser schwere, aufdringliche Duft schon etliche Male in die Nase gestiegen war, nahm sie sich doch immer noch einen kurzen Augenblick Zeit um noch einmal tief durchzuatmen bevor sie in die muffig-warme Düsternis vor sich eintrat.

Das Häuptlingszelt war das größte und prachtvollste Zelt in ganz Thunderbluff. Lediglich der Turm der Windreiter in der Mitte der Stadt überragte es an Größe wenn auch nicht an ehrfürchtiger Pracht.
Aber dutzende geschickte wie auch von neuer Hoffnung gestärkte Hände hatten sich an dem Auf- und Ausbau dieses riesigen Wigwams beteiligt, seine Außenwände mit den widerstandsfähigsten, Best gegerbten Häuten verstärkt, sein Inneres mit den schönsten und edelsten Pelzen Kalimdors ausgekleidet.
Als Sinnbild des Neuanfangs und wiedergewonnener Stärke gab sein Anblick all denen Mut und Kraft die in den dunklen Stunden dieser kalten Zeit selbige zu verlieren drohten. Dies machte es zu einem ehrwürdigen Ort und dem Zuhause von Cairne, dem großen Bloodhoof selbst.
Doch nicht nur den ehrwürdigen Lebenden sondern auch den Gefallenen war es ein Heim.
Einem Vermächtnis gleich zierten die Waffen und Rüstungen all jener gefallen, großen Helden deren Blutzoll der große Krieg bis jetzt gefordert hatte, die Innenwände jenes großen Zeltes.
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Gleichwohl ihre Körper längst dem reinigendem Feuer übergeben worden waren, so hatten doch ihre Geister an diesem Ort Einzug gefunden um ihre Nachkommen und all diejenigen für die sie gestorben waren auch weiterhin mit ihrer Anwesenheit und ihrem Trost zu erfüllen.
Angeblich konnte man den Hauch ihrer einstigen Präsenz immer noch fühlen, ja sie sogar leise flüstern hören wenn man nur konzentriert genug lauschte.
Auf alle Fragen sollten sie Antworten haben…diese alten, immer noch über ihren Stamm wachenden Veteranen die längst in den Rang mächtiger Schutzgeister aufgestiegen waren um in Zeiten der Not zu ihren Schützlingen zu sprechen.

Zu Tayury hatten sie noch nie gesprochen.
Niemals.
Weder früher noch heute.

Sie hatte sie noch nie flüstern gehört, noch nie ihr leises Raunen vernommen, egal wie sehr sie sich in der Vergangenheit auch angestrengt, wie lange sie auch ausgeharrt hatte um in die Stille um sich herum hinein zu lauschen wie es die alten Schamanen oft stunden- oder gar tagelang zu tun vermochten.
Keiner ihrer Lehrer konnte sich dieses Phänomen erklären und mit der Zeit hatte Tayury es aufgegeben nach den vermeintlichen Stimmen im Wind zu lauschen und stattdessen sogar begonnen sich gegen selbige und alles ihnen folgende zu verschließen.
Gut möglich, dass jene Tatsache einer der Gründe für ihre eigensinnige Prägung gewesen war…oder vielleicht war es letztendlich auch nur eine Bestätigung für ihre, bereits von klein auf, tief verankerte Überzeugung gewesen, dass die Gegenwart einzig und alleine den jetzt Lebenden und nicht den Vergangenen gehörte.

In ihr regte sich kein ehrfürchtiger Schauer wenn sie das riesige Zelt betrat, sie blickte sich nicht nervös nach den Aberdutzenden von Trophäen und Tierschädeln um die sie stumm aus ihren leeren Augenhöhlen zu beobachten schienen und sie sank auch nicht auf ein Knie um den alten, polierten Rüstungen gefallener Kriegsherrn Respekt zu zollen.
Diesbezüglich war sie einfach…nun…aus der Norm.
War es schon immer gewesen und würde es wohl auch immer sein, eine Tatsache die sie längst akzeptiert hatte und zu der sie auch stand…wenngleich das nicht unbedingt für ihr Umfeld galt.

Das Getuschel hinter ihrem Rücken wie auch die tadelnden bis verärgerten Blicke die ihr Tag für Tag widerfuhren, waren ihr mit der Zeit so geläufig geworden, dass sie inzwischen an ihr abprallten wie Wassertropfen an der Haut eines Murloc.

Respektlos nannte man sie.
Unfähig Achtung zu zollen und voll überheblicher Arroganz, ein respektloses Balg, wie der alte Jam’jaran sie als Kind und manchmal sogar heute noch nannte.
Doch auch das war ihr schon lange gleich.
Tayury war durchaus in der Lage Respekt zu zollen und diesen auch zu zeigen…doch er war in ihren Augen ein zu kostbares Gut, als dass man es sinnlos verschwenden dürfte.
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Eine alte Schlachtrüstung, dutzende Male poliert und geölt und in imposanter Pose aufgestellt, verdiente in ihren Augen nunmal keinen Respekt.
Eine Rüstung war ein Haufen Metall, eine Schutz, ein Panzer, eine Hülle um Schwertstiche und Kolbenhiebe abzufangen, mehr nicht.
Hatten jene Rüstungen die dort aufgereiht in ihren Ecken standen jemals von sich aus einen Schlachtzug angeführt? Hatten sie Hunderte von Soldaten in den Kampf geführt, mit ihnen Seite an Seite gekämpft bis zum bitteren Ende?
War diese Rüstung dort jemals aufs blutdurchtränkte Schlachtfeld zurück gelaufen um einen verwundeten Kameraden in Sicherheit zu bringen oder ihm wenigstens einen würdevollen Tod zu gewähren?
Diese Rüstungen….sie waren dabei gewesen…im Krieg…in den Schlachten…doch die Krieger in ihrem Inneren, die wahren Kämpfer und Generäle, Kriegsherren und Heerführer, diese waren es denen der Respekt gebührte, die Achtung und Demut verdienten.
Eine Rüstung war ein Werkzeug…ein Mittel zum Zweck…sie verdiente Achtung nur so fern, dass sie ein gutes Werkzeug gewesen war doch nie würde Tayury vor einer Rüstung ohne Kern auf die Knie fallen.

Diese Einstellung zur Welt, zu ihrer Welt, war ihr wichtig, war ihr kostbar und um sie zu verteidigen war es ihr auch recht ihr Ansehen im Dorf dafür zu riskieren.
Der Eispanzer den sie sich über die Jahre hinweg zugelegt hatte war @!%#er und widerstandsfähiger als die Haut der alten Kodos in den grünen Weiten Mulgores und als Tayury sich zwischen den bereits in Reih und Glied aufgestellten Taurenveteranen Bloodhoofs einreihte, hatte sie für deren missbilligende Blicke nicht mehr als ein müdes Schulterzucken parat.

Wie die Orgelpfeifen aufgereiht standen sie nun hier…in voller Rüstung und bewaffnet, fast als würden sie nur noch auf das Zeichen zum Abmarsch warten um in die nächste Schlacht zu marschieren.
Tayury verschwand beinahe zwischen ihren gepanzerten Körpern gleichwohl sie als Taurin mit jedem männlichen Vertreter ihrer Art durchaus mithalten konnte….was für eine unnötige Verschwendung von Kraft und Zeit, trotz der Wichtigkeit des Besuches.
Einen Boten zu empfangen, vor allem wenn er aus Orgrimmar kam, galt stets als ehrenvolle Aufgabe doch Tayury wusste, dass ein Bote, der hunderte von Meilen unwegsames und gefährliches Geländer hinter sich gebracht, über Tage und Wochen hinweg nur ärmlich gespeist und ohne Zweifel mehr als einmal sein Leben hatte verteidigen müssen, am Ende seiner Reise keinen wirklichen Sinn für Prunk und Eleganz hatte.
Das breite, finstere Gesicht das wenig später im Eingang des Zeltes auftauchte um sich erst einmal kurz darin umzusehen, bestätigte ihre Vorahnung und entlockte ihr sogar so etwas wie ein kleines Lächeln.

Eine breite Nase rümpfte sich auf missmutige Art und Weise als der Blick der finsteren Fratze auf die versammelten Bloodhoofs fiel.
Ein leises Grunzen war zu hören, dann zog sich der hässliche Kopf wieder zurück. Einen Wimpernschlag später wurde das schwere Bärenfell ruppig zur Seite geschlagen und der Bote aus Ogrimmar betrat das Zelt.
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Ein Ork war es, breitschultrig und stämmig mit kurzen Beinen und Armen so %@#* wie Baumstämmen.
Die dunkle, olivengrün farbige Haut wettergegerbt, der größtenteils kahle Schädel von Narben übersät, der Gang schwer und stapfend.
Die Müdigkeit war ihm deutlich aus dem Gesicht abzulesen und Tayury war sich sicher, dass der Ork im Moment lieber eine heiße, reichliche Mahlzeit und einen Krug kühlen Biers bevorzugt hätte als hier nun vorzutreten.

Ein leises Klacken war zu hören als die in Reih und Glied aufgestellten Elitekämpfer Bloohoofs steif Haltung annahmen sowie der orkische Bote an ihnen vorbei stapfte, dabei eine Geruchsspur aus saurem Schweiß, Worgfell und Steppensand hinter sich herziehend.
Als er Tayury erreichte hielt er kurz inne um die Taurin aus geröteten Augen zu mustern was zu unbehaglichen Blicken der Ältesten untereinander führte. Tayury selbst begegnete dem scharfen Blick ihr gegenüber gelassen.
Lediglich zu einem knappen Nicken ließ sie sich hinreißen.

Ein Augenblick unheilvoller Stille folgte auf diese Geste, lediglich unterbrochen vom leisen, nervösen Peitschen von gut einem Dutzend Schweife… bis sich der breite Mund des Orks zu einem belustigten, zähnefletschenden Grinsen verzog.
Der schwarzen Taurin auf anerkennende Weise zunickend wandte der Bote sich wieder den Ältesten zu die erneut unsichere Blicke untereinander wechselten ehe Cairne Bloodhoof rasch vortrat um die Situation wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.

Dem nun folgenden Gesprächswechsel lauschte Tayury nur mit einem halben Ohr, die Gedanken dabei weit schweifen lassend.
Botenmeldungen in diesen Tagen unterschieden sich kaum wirklich voneinander, meistens waren es nur aktuelle Lagerberichte die unter den Häuptlingen und Stammesführern ausgetauscht wurden um stets einen Überblick über die derzeitige Lage zu haben.
Folglich größtenteils langweilige wie auch langatmige Gespräche, begleitet von allerlei Höflichkeitsfloskeln die sie schon längst nicht mehr hören konnte und wollte.
Gedanklich bereits wieder unter die schwere, warme Felldecke ihres Bettes kriechend schreckte sie jedoch abrupt auf als sich ein Wort aus dem langweiligen Dialog unweit von ihr so deutlich hervor hob wie ein Oger auf einem Gnomenklassentreffen:

Northrend.

Augenblicklich wandte Tayury sich voll und ganz dem vor ihr stattfindenden Gespräch zu. Hatte sie gerade eben wirklich richtig gehört…?
Northrend?
So etwas wie Neugierde als auch ein Hauch von Unbehagen begann in ihr zu erwachen. Der eisige Kontinent war bis jetzt stets nur am Rande erwähnt worden, nie hatte einer der höheren Kriegsherren es gewagt den Namen jenes schicksalhaften Landes im Bezug auf den Krieg selbst in den Mund zu nehmen.
Die Tatsache, dass sich das Gespräch nun jedoch tatsächlich um Northrend zu drehen schien, löste in Tayury gemischte Gefühle aus.
Auf der einen Seite war da die jedem innewohnende, natürliche Neugier auf das vielbesungene Unbekannte, auf der anderen Seite, die wohlgemerkt bei Tayury um ein vielfaches stärker ausgeprägt war, die pessimistische, dunkle Vorahnung auf bevorstehenden, massiven Ärger.
Die Erwähnung von Northrend konnte nichts Gutes bedeuten, war jener Kontinent doch mehr oder minder faulige Kern allen Übels das Azeroth schon seit so langer Zeit nun heimsuchte.
Sich soweit als möglich vorneigend versuchte Tayury noch weitere informative Gesprächsfetzen aufzuschnappen was letztendlich jedoch nur darin endete, dass sie um ein Haar den Stammeskrieger neben sich zu Fall brachte als sie es mit dem Hals recken ein wenig übertrieb und ihr Gleichgewicht sie verließ.
Einige verärgerte taurische Verwünschungen sowie verärgertes Rempeln, gefolgt von einem spitzen Ellbogen in empfindlicheren, tieferen Gefilden nahmen ihren Lauf um letztendlich von einem donnernden Machtwort Cairnes unterbrochen zu werden.
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„Die Flamme des Krieges scheint bereits heiß in euch zu lodern, scheint mir! Ich hoffe, dass sie im Ernstfall, wenn es darum geht das was euch lieb und teuer ist zu beschützen, auch noch so gleißend brennen wird!“, grollte der große Bloodhoof sarkastisch angesichts der gepanzerten Taurenberserker die sich allesamt unter seinem strengen Blick zu kleinen, verschämten Kälbchen wandelten.
Tayury gelang es einigermaßen sich zwischen den massigen Panzerschränken versteckt zu halten doch sie wusste, dass Cairne auch sie anstarrte und im Gegensatz zu Jam‘jaran hatte sie vor dem alten Stammeshäuptling hohe Achtung.

Missmutig die Nüstern blähend wandte Cairne sich daraufhin wieder dem orkischen Boten zu der sich gerade noch rechtzeitig das breite Grinsen aus dem vernarbten Gesicht wischte.
„Ruht euch etwas aus um wieder zur Kräften zu kommen…danach kehrt zu Thrall zurück und sagt ihm, dass die Tauren Mulgores auch dieses Mal mit Stolz an seiner Seite stehen werden.“, schnaubte der alte Tauren ernst. „Wir werden in fünf Tagen in Ogrimmar zu ihm stoßen…dort wird sich dann alles Weitere klären.“
Der Ork nickte steif dabei Haltung annehmend.
„Ja, Herr.“, antworte er knapp mit einer Stimme so rau und knirschend wie Kies unter Stiefeln.
Cairne nickte langsam sich dann seine versammelten Anhänger wendend.
„Moonhoof.“
Ein silbergrauer Taure in der massigen Rüstung eines Schlachtrufers trat vor.
„Ja, Herr?“
„Ich breche morgen noch vor Sonnenaufgang nach Durotar auf. Stellt eine Gruppe von fähigen Kriegern zusammen die mich dorthin begleiten werden und sorgt dafür, dass sie noch vor dem ersten Hahnenschrei abmarschbereit sind!“
„Jawohl, Herr.“
„Gut…“, Cairne ließ seinen Blick einen Moment lang über die ihn erwartungsvoll ansehenden Tauren schweifen.
„Geht nun, meine Kinder…geht und ruht euch aus…wie es scheint stehen uns erneut dunkle Zeiten bevor.“

Ein schmetterendes FÜR DIE HORDE erklang als Antwort ehe sich darauf nach und nach ein Krieger nach dem anderen anschickte das Häuptlingszelt zu verlassen.
Erleichtert darüber die ganze Angelegenheit hinter sich gebracht zu haben wollte Tayury der Gruppe gerade folgen als Cairne sich ihr plötzlich noch einmal zuwandte.
„Tayury?“
Die schwarze Taurin verharrte, kurz ausatmend um sich dann langsam zu dem Stammeshäuptling umzudrehen.
„Ja, Herr?“, fragte sie vorsichtig.
„Steh bequem, mein Kind…ich werde dir schon nicht den Kopf abreißen.“, murrte Cairne seufzend, das riesige Totem, das ihm schon in vielen Kämpfen treu als Waffe gedient hatte, in eine Ecke stellend um sich dann das offenbar schmerzende Handgelenk zu reiben.
„Früher hat es sich leichter angefühlt.“, meinte der alte Tauren mit einem schwachen Lächeln.
Der Ork, der sich im hinteren Teil des Zeltes niedergelassen hatte erwiderte das Lächeln knapp.
„Nicht mehr lange und es wird sich einen anderen Besitzer suchen…“, murmelte Cairne mehr zu sich selbst als an die übrigen Personen im Raum was in Tayury leichtes Unbehagen auslöste.
Auf ein leises Husten ihrerseits hin riss Chairne sich wieder aus seinen Gedanken um die Taurin dann fast schon ungeduldig zu sich zu winken.
„Komm näher, Kind…wenn ich dich für das Chaos von vorhin schelten wollte hätte ich es schon getan als steh nicht rum als hätte man dich festgewurzelt.“

Tayury knirschte kaum merklich mit den Zähnen nicht zuletzt aufgrund des belustigten und vor allem breiten Grinsen des orkischen Boten der das vor ihm stattfindende Gespräch offenbar höchst interessiert mit verfolgte.
Ein verärgertes Schnauben unterdrückend schritt Tayury vor um Cairnes Aufforderung Folge zu leisten.
Dieser hatte sich derweil einer prachtvollen Trophäenwand zugewendet.
„Sag an, Tayury…wie geht es mit dem Schamanismus voran?“, fragte er während er damit begann in einem kunstvoll geschnitzten Gestell aus Knochen und Horn zu kramen.
„Die Geister schenken mir stets nur ihr Wohlwollen.“, antwortete Tayury prompt gleichwohl diese Worte einen bitteren Nachgeschmack auf ihrer Zunge hinterließen.
Cairne warf ihr einen Blick über die Schulter zu, dabei ein fast schon schelmisches Funkeln in den Augen.
„Gut das zu hören.“, erwiderte er dabei sanft sich dann wieder seiner Suche, wonach auch immer, widmend.
Tayury verzog missmutig das Gesicht, dabei leicht nervös mit einem Huf auf und ab wippend als eine unangenehme, erwartungsvolle Stille im Raum einzog.
Aus der Ecke konnte sie zudem immer noch den Blick des Orks spüren der sie mit dem gleichen Schalk in den Augen anstarrte wie Cairne gleichwohl sein derzeitiges Hauptinteresse einem großen, gut gefüllten Weinkrug in seinen Händen galt.
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„Sie schweigen.“, platzte es letztendlich aus ihr heraus als sich zwei kleine Minuten auf zwei endlose Stunden ausgedehnt zu schienen hatten. „Wie eh und je.“, fügte sie ausdruckslos hinzu.
Cairne nickte langsam ohne sich dabei zur ihr umzudrehen.
„Ich verstehe.“, murmelte er abwesend. „Ah…hier ist es ja…“

Der alte Taure drehte sich wieder zu Tayury um, ein kleines schmuckloses Kästchen aus rotbraunem Holz in den breiten Händen.
Auf ihren unschlüssigen Blick hin beruhigend lächelnd deutete er ihr mit einem Nicken an näher zu kommen.
Sie zögerte kurz der Aufforderung erneut zu folgen…sie hatte mit einer harten Predigt gerechnet oder wenigstens ein paar gut gemeinten wie auch oft gehörten Belehrungen doch nichts davon schien hier einzutreten…was konnte der alte Veteran also von ihr wollen?
Auf einen wartenden Blick von Cairne hin setzte sie sich rasch in Bewegung um etwa eine Armlänge von ihm entfernt stehen zu bleiben.
Ihre Nasenflügel zuckten kurz als sich in den stetig präsenten, süß schweren Duft harzigen Rauchwerks nun der warme Geruch des alten Tauren vor ihr mischte.
Ein vertrauter, angenehmer Geruch den menschliche Nasen vermutlich als muffig oder gar müffelnd bezeichnen würden, sie jedoch sanft schmeichelnd umhüllte und sie unbewusst entspannt ausatmen ließ…. einer von jenen anschmiegsamen Gerüchen die unbewusste Geborgenheit aus früheren, gut behüteten Tagen im Inneren aufkommen ließen, begleitet von einer wohligen, träumerischen Ruhe.

Sich einen Augenblick lang jenem Gefühl hingebend, fiel ihr Blick erneut auf die kleine Schatulle in Cairnes Händen. Dies veranlasste jenen dazu selbige behutsam zu öffnen und ihr etwas zu entnehmen das für Tayury auf den ersten Blick wie ein längliches Stück borkiger Rinde aussah.
Ein Hauch von Enttäuschung stahl sich für einen kurzen Moment auf ihr dunkles Gesicht, hatte sie im Bezug auf den großen Bloodhoof selbst doch etwas…nun ja…Prachtvolleres erwartet.

„Die Zeiten sind düster, mein Kind…“, murmelte der alte Häuptling derweil, abwesenden Blickes das geformte Stück Rinde betrachtend, das, wie Tayury nun auch bemerkte, den Anhänger eines schlichten Bandes aus weinrotem Leder bildete. “Was benötigen wir in diesen Zeiten mehr als einen kleinen Lichtfunken in der Dunkelheit…“
Sie wartete einen Augenblick lang geduldig als der Häuptling sich in seinen Gedanken zu verlieren schien um sich dann leise zu räuspern.
„Herr?“
Cairne blickte blinzelnd auf, ihr dabei einen fast verwirrten Blick zuwerfend als würde er sie erst jetzt wirklich bemerken…nervöse Unruhe begann allmählich in Tayury aufzusteigen.
Selbige verflog jedoch größtenteils als der alte Bloodhoof leise glucksend zu lachen begann.
„Verzeih, mein Kind…“, schmunzelte er, ihr dabei sanft zuzwinkernd. „…das Alter macht viele von uns absonderlich…doch das soll dich jetzt noch nicht behelligen.“
Die Kette vollends aus der Schatulle ziehend hob er sie auf Augenhöhe an so dass Tayury den Anhänger nun genau betrachten konnte.

Es war tatsächlich ein Stück Rinde.
Ansatzweise dreieckig jedoch ansonsten roh und unbearbeitet, offenbar einfach nur grob heraus gebrochen von welchem Stamm an welchem Ort auch immer.
Eine feine, honiggelbe Maserung zog sich durch das nussbraune Holzstück doch das war auch schon das einzig Besondere daran…
Tayury hob den Blick um in Cairnes Gesicht nach einem Hinweis für den nächsten Schritt ihrerseits zu suchen.
Alles was sie dort jedoch vorfand war ein belustigtes, freundliches Lächeln ihr gegenüber.

„Ein kleines Geschenk.“, sprach er wie zur Erklärung, dabei eine ihrer Hände ergreifend um den schmucklosen Anhänger in selbige zu legen.
„Zu welchem Anlass…?“, fragte sie verwirrt, dabei unschlüssig auf das erstaunlich schwere Rindenstück auf ihrer Handfläche blickend. „Und…was ist es eigentlich?“
„Ein Glücksbringer…wenn du es so nennen möchtest.“, antwortete Cairne ihr, sich dabei bereits wieder abwendend um die Schatulle wieder in dem knöchernen Gestell zu verstauen. „Und Glück ist ein rares Gut…nicht wahr?“
„Die Menschen haben ein Sprichwort für Glück…“, murmelte Tayury, den Anhänger dabei nachdenklich betrachtend. „Ich kann es jedoch nicht leiden…“
„So?“, fragte Cairne sichtlich amüsiert. „Verrätst du es mir?“
Den Blick hebend rümpfte Tayury missmutig die Nase.
„Das Glück ist ein Rindvieh und sucht seinesgleichen.“, antwortete sie dann trocken.
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Ein Moment peinlicher Stille folgte auf diese Wort um dann von einem tiefen Lachen Cairnes gebrochen zu werden.
„Ein höchst interessantes Sprichwort!“
„Ein verletzendes.“, murrte die Taurin lediglich finster, erneut mit dem Anhänger spielend um den großen Bloodhoof dann auffordernd bis lauernd anzusehen.
„Ein Glücksbringer…“
„Wenn du es denn so nennen magst.“
„Warum?“
Cairne betrachte die Taurin vor sich kurz schweigend die seinen Blick standhaft bis trotzig erwiderte.
„Braucht Glück einen Grund?“, fragte er schließlich mit einem schwachen Lächeln, sich dabei von ihr abwendend um sich mit einigen auf einem großen Tisch liegenden Landkarten zu befassen die der orkische Bote in der Zwischenzeit dort ausgebreitet hatte. „Und im übrigen…“, fuhr er dabei ruhig fort, „…kann jeder Glück gebrauchen…vor allem in diesen Zeiten…und auch auf langen Reisen.“

Ein Blitz schien durch Tayury zu fahren.
„Lange Reisen?“, wiederholte sie stockend. „M-moment, soll das etwa heißen-„
„Du wirst uns auf der Reise nach Orgrimmar begleiten.“, vollendete Cairne ihren Satz nickend ohne sich dabei zu ihr herumzudrehen.
„Aber…ich meine…wieso?“, entrüstete sich die schwarze Taurin aufgebracht.
„Weil ich es so entschieden habe.“
„Wieso gerade für mich??“
„Auf keiner längeren Reise durch umkämpftes Gelände sollten Schamanen fehlen.“
„Wieso dann ausgerechnet ich?? In Thunderbluff gibt es genug hundertmal bessere Schamanen als mich!“
„Du redest Unsinn, Kind und das weißt du...“
„Ich weiß, dass die Geister schweigen solange ich denken kann!“, erwiderte Tayury mit geradezu vernichtender Schärfe. „Ich weiß, dass sie mir noch nie geantwortet haben solange wie ich mich den Lehren hingebe und ich damit eigentlich gar nicht das Recht habe mich Schamane zu nennen!“

Cairne hielt auf diese expressiven Worte hin inne eher er sein mächtiges Haupt langsam zu ihr drehte.
Die schwarze Taurin schien ihn mit dem Blick ihrer kupferroten Augen schier durchbohren zu wollen während ihre zu Fäusten geballten Hände unübersehbar vor Anspannung zitterten.
Aus einer davon ragte das weinrote Lederband des Anhängers hervor um den sich ihre Finger so stark gekrallt hatten, dass es an ein Wunder grenzte, dass sie ihn nicht mit purer Kraft zersplittern ließ.

„Tayury Cloudflower…“, sprach der alte Veteran sichtlich erstaunt. „Ist dir die Bedeutung deiner eigenen Worte eigentlich bewusst?“
Von der Frage ein wenig vor den Kopf gestoßen knirschte Tayury leise mit den Zähnen, dabei den Blick abwendend.
Ein tiefes Seufzen von sich gebend schüttelte Cairne das mächtige Haupt um dann schweren Schrittes zu Tayury zu stapfen.
Nur knapp widerstand diese dem Impuls vor dem größeren Tauren zurück zu weichen.
Schweigend starrte sie stattdessen auf den Boden zu ihren Füßen.
In ihr brodelte eine schmerzvolle Mischung aus heißem Zorn und Jahre alter, drückender Enttäuschung wobei letztere, egal wie oft und tief sie sie auch in sich vergrub, irgendwie doch immer wieder einen Weg in ihr Bewusstsein fand.
Die Tatsache, dass der Stammeshäuptling sie nun in diesem Moment der Schwäche erlebte setzte ihrem Stolz hart zu und am liebsten hätte sie nun einfach auf dem Absatz kehrt gemacht um dann schnurstracks aus dem Zelt zu marschieren.
Sie blinzelte verwundert als sich schwere Hände auf ihre Schultern legten.
Erneut wurde sie von Cairnes altehrwürdige Präsenz umhüllt als der alte Tauren den Kopf vorneigte um sie aus müden, gütigen Augen aus anzusehen.
Gegen ihren Willen fühlte sie wie der Zorn in ihr fast augenblicklich zu verebben begann als sie seinen Blick gezwungenermaßen erwiderte.
Denn in diesen Augen die schon so viel von dieser Welt und all ihren Sonnen- und Schattenseiten gesehen hatten, lag eine so tiefe, innere Ruhe, eine so perfekte, ruhige Ausgeglichenheit, dass es ihr einfach unmöglich war an ihrem inneren Aufruhr festzuhalten. Einem Teil von ihr war jene Ruhe schier unbegreiflich, hatte der Taure vor ihr doch schon mehr Freunde und Gefährten fallen gesehen als es für einen Normalsterblichen gut sein konnte…und doch war dort in diesen Augen kein Zorn, keine Trauer oder Verzweiflung vorzufinden als er sie ansah…nur diese tiefe, besinnliche Ruhe, untermalt von gütiger Barmherzigkeit.
Als Cairne schließlich wieder das Wort ergriff hatte sich der Zorn in ihrem Antlitz größtenteils verflüchtigt und nur missmutige Trotzigkeit zurückgelassen.
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„Ein Schamane wird nicht alleine an seiner Zwiesprache mit den Geistern gemessen.“, sprach der große Bloodhoof mit tiefer, ruhiger Stimme. „Auch nicht daran wie prompt die Elemente seinem Ruf Folge leisten. Es steckt viel mehr dahinter, mein Kind.“
„Ich wüsste nicht was…“, erwiderte Tayury ausdruckslos.
„Schamane zu sein heißt nicht nur sein Leben bestimmten Lehren zu widmen.“, fuhr Cairne geduldig fort. „Auch nicht permanent dem Ruf der Geister zu folgen oder die Elemente anzurufen.“
„Doch ist es doch genau das, was ihn zum Schamanen macht!“, erwiderte sie gleichsam unbeirrt.
„Den Weg der Schamanen zu gehen, heißt nicht zu lernen Schamane zu werden…es heißt Schamane zu sein, Tayury.“
Cairne Bloodhoof schüttelte das mächtige Haupt mit einem beinahe kummervollen Schnauben.
„Die Geister, die Elemente, die Lehren und Schriftrollen mit denen dein Lehrmeister Jam’jaran dich Tag für Tag konfrontiert hat im Laufe deiner Ausbildung…das alles ist nur ein Teil des Ganzen. Der Feinschliff für den Rohdiamanten, an sich schon von höchstem Wert, noch ehe sich jemand seiner annimmt.“
„Ein Rohdiamant…also bin ich ein glitzernder Kiesel.“, brummte sie missmutig.
„Du weißt wovon ich rede, Mädchen.“, erwiderte Cairne ruhig.
„Und das ist auch der Grund weshalb ich all diesen Worten keinen Glauben schenken kann!“
„Du verschließt dich selbst vor der Wahrheit aufgrund deines Zorns.“
Tayury lachte hart auf.
„Die Geister leiten mich nicht, die Elemente folgen meinem Ruf nicht, folglich sind Sie es die sich verschließen, nicht ich! Wie kann ich mich Schamane nennen wenn ich diesbezüglich völlig blind und orientierungslos bin?“
„Was ist mit deinen Totems?“, stellte Cairne eine Gegenfrage.

Verwirrt blinzelnd senkte Tayury den Blick um auf die geschnitzten Holzpflöcke an ihrem Gürtel zu sehen.
„Nutzloses Holz.“, murmelte sie düster.
„Und doch trägst du sie stets bei dir.“, fügte der Häuptling nickend hinzu. „Egal wohin, selbst auf dem Schlachtfeld, du trägst sie immer mit dir wurde mir gesagt…genauso wie man es von einem Schamanen erwarten würde.“
„Schein.“, meinte Tayury mit einem schwachen Schulterzucken. „Nichts als Schein…“
„In deinen Augen nur Schein…“, lächelte er, die Taurin dabei aus seinem Griff freigebend. „In meinen hingegen der Beweis, dass das Schamanensein fest in dir verankert ist. Es liegt dir im Blut, in der Seele…niemand kann daran oder wird daran je etwas ändern, junge Cloudflower.“
Er seufzte erneut leise, dabei eine ihrer immer noch verkrampften Hände ergreifend um selbige behutsam zu öffnen.
Tayury blinzelte überrascht als brennender Schmerz sie ereilte und ihr Blick auf den Anhänger in ihrer Handfläche fiel dessen scharfkantige Ränder ihr selbige zerschnitten hatten.
„In dir brennt eine heiße Flamme, mein Kind.“, sprach der alte Tauren mit sichtlichem Bedauern in der Stimme. „Ich hoffe, dass sie dich eines Tages nicht verzehren wird….“

Sie erwiderte auf diese Worte hin nichts, hüllte sich stattdessen in brütendes Schweigen während Cairne den Anhänger von ihrem Blut säuberte um ihn ihr dann um den Hals zu legen.
„Denk darüber nach, Tayury…“
Sie nickte lediglich steif ohne ihn dabei direkt anzusehen.
Der alte Bloodhoof sah sie noch eine Weile lang aus müden, tiefgründigen Augen an um dann gleichsam das mächtige Haupt zu neigen.
„Geh nun und bereite dich für morgen gut vor…wir werden in aller Frühe aufbrechen.“
„Ja, Herr.“
Kurz Haltung annehmend verneigte Tayury sich noch ansatzweise um dann raschen Schrittes, um nicht zu sagen eiligst, aus dem Zelt zu stapfen.
Cairne sah ihr nachdenklichen Blickes hinterher ehe ein leises Lachen im Hintergrund ihn aus seinen Gedanken riss.
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90, Tauren, Schamanin
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„Hat viel Feuer, das Mädel.“, grinste Orgrimmars Bote, Gordan Glowfist breit. „Ist sie das?“
Cairne nickte langsam während er sich wieder den ausgebreiteten Landkarten zuwendete.
„Ja…“
„Ein ziemlicher Heißsporn, nicht wahr?“
Gordan lachte vergnügt auf während Cairne die Notizen und strategischen Skizzen der anderen Heerführer auf den Karten studierte um sie mit den Seinigen zu vergleichen.
„Es liegt ihr im Blut…“, murmelte er dabei abwesend. „Sie kann nichts dafür…“
„Bei uns in Orgrimmar nennt man so ein Weibsstück Difus Skam wha Fus’obeah fi Caang.“, grinste Gordan schelmisch.
Cairne zuckte mit einem Ohr, dem Ork dabei einen kurzen fragenden Blick zuwerfend.
„Mein Orkisch ist wohl etwas eingerostet…“
„Ist auch nicht Orkisch sondern Trollisch.“
„Und was bedeutet es?“
Gordan verdrehte kurz die Augen auf nachdenkliche Weise, sich dabei am kahlen Schädel kratzend was ein Geräusch ergab als würde man Eis von einer Rüstung schaben.
„Ist ein wenig schwer es genau zu übersetzen…aber am ehesten kommt wohl hin: Irrer Gaul mit Pfefferschotte im A-„
„Ich verstehe.“
Kurz schaudernd fuhr der Häuptling mit einem tiefen Räuspern damit fort die Notizen auf den **!@en, ledernen Karten vor sich zu vervollständigen.
Der Ork beobachtete ihn noch einen Augenblick lang amüsiert ehe das Grinsen auf seinem Gesicht ernster Nachdenklichkeit wich.
„War es klug es ihr jetzt schon zu geben?“ Ihr wisst, dass Thrall-„
„Ja, mir ist klar, dass er vorhatte es selbst in die Wege zu leiten…“
„Warum also, Herr?“

Cairne Bloodhoof hielt in seiner Arbeit inne um konzentrierten Blickes den dunklen Kodotalgstift in seiner Hand zu betrachten.
„Nennen wir es…eine Vorahnung.“, antwortete er schließlich langsam.
„Eine Vorahnung? Inwie-„
„Gordan, mein Freund, ihr seid sicher müde von der langen Reise.“, unterbrach der alte Tauren den Ork ohne dabei den Kopf zu drehen. „Ihr solltet euch nun auch ein wenig Schlaf gönnen bevor ihr nach Orgrimmar zurückkehrt…man wird sich derweil um euer Reittier und frischen Proviant kümmern.“
Die Nase rümpfend musterte Glowfist den taurischen Stammeshäuptling kurz ausdruckslos um dann langsam zu nicken.
„Ja, Herr. Vielen Dank.“, brummte er, kurz und zackig Haltung annehmend um dann wortlos aus dem Zelt zu stapfen.

Cairne wartete bis die schweren Schritte des Orks vollends verhallt waren um dann tief ausatmend die Augen zu schließen.
Nun, wo die Ruhe erneut Einzug in das große Zelt gehalten hatte, wirkten die auf ihn einflüsternden Stimmen längst verstorbener und doch stetig präsenter Vorfahren, umso stärker auf ihn.
Tief in sich hinein horchend versuchte Cairne seinen Ahnen, so gut es ging, Rede und Antwort auf ihre drängenden Fragen zu stehen.
Ihr stetiges Wispern und Murmeln begleitete ihn Tag für Tag seit vielen Jahren und die meiste Zeit waren ihre Stimmen kaum lauter als das leise Flüstern eines Baches in seinem Geist.
In manchen Zeiten jedoch, so wie in diesen nun, wenn die Erde blutete und die Elemente mit lautem Wehklagen ihren Schmerz zum Ausdruck brachten, konnte das leise Flüstern zu einem gewaltigen Strom anschwellen dem sich selbst ein erfahrener Geist wie der des alten Bloodhoof nur mit Mühe entgegen stellen konnte.

Ob es richtig gewesen war?
Er wusste es nicht.
Eine Vorahnung…mehr konnte er dazu nicht sagen…nur ein Gefühl, tief in der Brust, einem schwachem Stich gleich…vielleicht hätte er es ignorieren sollen…doch vielleicht hatte er genau deswegen richtig gehandelt.
Cairne atmete erneut aus, die Geister dabei mental bittend ihn nun seine Arbeit zu Ende verrichten zu lassen.
Thrall würde es verstehen…trotz seines verhältnismäßig jungen Alters war der vielgezeichnete Ork bereits jetzt weiser und vernünftiger als so manch anderer Veteran…und wer weiß, ob er selbst nicht genauso gehandelt hätte in diesem Augenblick.
Das Gesicht leicht verziehend, drehte der alte Tauren den Kopf um leicht unsicheren Blickes auf das nunmehr leere, schmucklose Kästchen an seinem gewohnten Platz im knöchernen Gestell zu spähen.
Ob es wirklich richtig gewesen war…
Ein ärgerliches Schnauben von sich gebend widmete er sich wieder den vor ihm ausgebreiteten Landkarten zu.

Vertrauen…das war der Grundstein seiner Handlung gewesen…Vertrauen in den jungen, ungestümen Geist der schwarzen Taurin Tayury Cloudflower…jene Taurin die früher oder später begreifen würde welch machtvolles Geschenk sie erhalten hatte…und welch gleichfalls machtvolle Aufgabe damit in ihre Hände gelegt worden war…
Er nickte langsam ob dieser Gedanken, ein schwaches Lächeln auf den Lippen während der schwarze Stift seinen Tanz auf dem gegerbten Leder fortführte.
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Sie hatte das dämliche Ding in den nächsten Komposthaufen geworfen.
Vermutlich eine etwas überdramatisierte Handlung einem toten Gegenstand gegenüber doch in der Hitze des Zorns wie auch der Scham eine willkommene Gelegenheit um wenigstens ein Quäntchen quälenden Dampfes abzulassen.
Wutschnaubend war Tayury zu ihrem Zelt zurück gestapft, eine Spur verwunderter Blicke hinter sich her ziehend, brodelte in ihr doch dermaßen heißer Zorn, dass es an ein Wunder grenzte, dass ihr kein Dampf aus Ohren und Nüstern stieb.
Besagte Wut richtete sich jedoch nur zu einem Bruchteil gegen den alten Stammeshäuptling selbst von dem einige wenige Worte ausgereicht hatten um die alten, ach so tief vergrabenen Wunden abrupt wieder aufreißen zu lassen.

Sie war zornig auf die nüchterne Tatsache, dass jener Weg dem sie sich verschrieben hatte, sich ihr nach all der Zeit immer noch in keinster Weise offenbaren wollte. Sie war zornig auf ihre Lehrer und deren ewige, einlullende, leere Versprechungen, dass sie den richtigen Pfad eines Tages doch noch finden würde wenn sie nur geduldig genug wäre…
Sie war zornig auf sich selbst.
Auf die Tatsache, dass sie erneut eingebrochen war in den kleinen, tiefen Teich aus Enttäuschung den sie mit soviel Zeit und Willenskraft mit einer @@*%en Eisschicht aus Akzeptanz wie auch Ignoranz verschlossen hatte um ihn damit aus der Welt zu schaffen.
Das Gesicht verziehend senkte sie den Blick um auf die schmucklosen Totems an ihrem Gürtel zu sehen deren leises Geklapper beinahe anklagend zu ihr empor drang.
Schein…nicht mehr…der Schein gehörte gewahrt, darum ging es nur noch…sie hatte es akzeptiert, hatte sich damit abgefunden, es war ihr egal geworden…das zu mindestens hatte sie geglaubt…bis gerade eben…und das war der eigentliche Grund für ihre Wut.

Bereits mit dem Gedanken spielend die verdammten Holzpflöcke gleichermaßen zu entsorgen wie das dämliche Rindenstück hielt sie seufzend inne als röchelndes Husten in ihrer Nähe erklang und einen Augenblick später auch schon Jam’jarans Geruch inklusive des alten Tauren selbst um sie herum schwirrte wie eine besonders @@*%e, stinkende Fliege.

„Moonhoof hat mir bereits von eurem morgigen Aufbruch erzählt!“, hatte er aufgeregt losgeplappert ungeachtet Tayurys säuerlicher Miene. „Mitglied von Cairnes Eskorte nach Orgrimmar, welche Ehre, Mädchen, oh welch große Ehre!“
„Geh mir nicht auf die Nerven, JamJam…“, war ihre einzige Antwort gewesen die natürlich nichts an der Redeflut ihres Mentors geändert hatte.
Unaufhörlich redete er auf sie ein auf ihrem Weg zurück zu ihrem Zelt, schwärmte davon was für eine Ehre es wäre an Cairnes Seite nach Orgrimmar zu reisen um dort Thrall persönlich anzutreffen.
Ein bewegendes Erlebnis für jeden Schamanen nannte er es und versetzte Tayury damit unbewusst einen dumpfen Stich.
Gleichzeitig hatte er sie jedoch auch gedrängt sich sofort daran zu machen alles Nötige für den morgigen Aufbruch zusammenpacken was nicht minder nervtötend für sie gewesen war.
„Lass sie nicht warten, Mädchen!“, röchelte er hustend aber doch rechthaberisch. „Niemals lass die großen Führer warten wenn sie nach dir rufen, es gibt keine größere Schande als zu spät zu kommen, egal wo und egal zu was auf dieser Welt!“
„Und es gibt keinen schlimmeren Mundgeruch als den deinen auf der Welt…“, murmelte sie leise, wohl wissend, dass Jam’jaran für nichts Ohren hatte wenn er erst einmal auf Hochtouren lief so wie jetzt.
Das Geschwätz des alten Ochsens so gut es geht aus ihrem Geist ausblendend hatte sie sich beeilt ihr Zelt aufzusuchen in der Hoffnung Jam’jaran damit loszuwerden.
Gerade jedoch als sie nach dem schweren Fell des Eingangs griff um selbiges beiseite zu ziehen, drang ein Geräusch an ihr Ohr das mit der Situation nicht wirklich zu übereinstimmen schien.
Blinzelnd drehte sie den Kopf um auf Jam’jaran zu sehen dessen Redefluss mit einem Mal einen leisen Schluchzen gewichen war.
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Runde Tränen rannen aus den kleinen Augen des struppigen Veteranen um feuchte Bahnen im staubigen Fell seines gezeichneten Gesichts zu ziehen auf dem trotzdem ein mehr als glücklicher Ausdruck stand.
„JamJam…?“, fragte sie verunsichert, hatte sie der plötzliche Gefühlsausbruch ihres Mentors doch völlig unerwartet erwischt. „Was…was ist denn?“
Jam’jaran lächelte schwach, sich dabei die Tränen abwischend.
„Ach, nichts…nein, gar nichts mein Mädchen….“, murmelte er dabei kopfschüttelnd. „Nur der Stolz und die Freude…ich meine…ach…du und Orgrimmar…zu Thrall persönlich, dem großen Schamanen selbst…“
Der alte Tauren schniefte feucht, ein Geräusch fast gleichsam grausam wie sein Husten.
„Nach all der Zeit…nun doch endlich…ich hatte ja schon fast aufgegeben…“
Tayury verzog leicht unglücklich das Gesicht als das leise, freudige Schluchzen erneut begann.
Sie war verwirrt…sie kannte den alten Spinner nun schon so lange doch derartig hatte sie ihn noch nie gesehen…

Gerade wollte sie das rührselige Getue simpel auf sein Alter schieben als Jam’jaran sie auf einmal unvorhergesehen in die Arme schloss.
Der muffige Geruch seines zotteligen Fells hüllte sie spontan in eine warme stickige Wolke und wenngleich ihre Nase reflexartig das Atmen einstellen wollte, widerstand sie doch dem Drang ihn von sich zu stoßen.
Erneut murmelnd wie stolz er doch auf sie wahr und welch große Ehre sie in der mächtigen Hordestadt erwarten würde drückte der größere Taure sie kurz aber fest an sich um sie dann, mit einem immer noch glücklichen Lächeln auf den Lippen, auch schon wieder freizugeben.
Entgegen ihre Gewohnheit im Umgang mit Jam’jaran zwang Tayury sich dieses Mal das Lächeln ihr gegenüber zu erwidern gleichwohl die ganze Situation in ihren Augen mehr als lächerlich wirkte…es lag wohl an dem Blick des alten Kerls…an dem feuchten Glanz in seinem gesunden Auge…und an diesem dummen aber ach so freudenstrahlenden Lächeln auf diesem fürchterlichen, vernarbten Antlitz.
Erneut blubbernd schniefend nickte er ihr noch einmal zu um sich dann schlurfenden Schrittes zu entfernen.
Tayury sah ihm noch eine Weile unschlüssig nach während der Geruch des alten Kerls um sie herum nach und nach auch langsam das Weite suchte.
Sie wusste nicht wirklich wie sie das gerade Erlebte auffassen sollte…ob Grund zur Sorge galt oder ob das hohe Alter nur einfach letztendlich den Geist ihres Mentors vollends ereilt hatte….

Kopfschüttelnd betrat sie ihr Zelt um es einen Augenblick später mit missmutiger Miene auch schon wieder zu verlassen.
Sie musste nochmal zurück zu dem Komposthaufen…
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Weit entfernt von Mulgores grünen Weiten, jenseits der Grenzen Kalimdors, an einem Ort an dem der Frost sich ein Denkmal gesetzt hatte, eilte ein Wesen, das einst unter dem Namen Kel’Thuzad auf dieser Welt gewandelt war, durch die gewaltigen Korridore eines Palastes aus schwarzem Eis.
Eisige Blicke aus düsteren Gesichtern folgten dem von Kälte umhüllten Wesen mit ausdrucksloser, erstarrter Miene während selbiges sich beeilte die unheiligen Gefilde seines Herrn und Meisters, tief im eisigen Kern der Festung, aufzusuchen.

Die Ungeduld des dunklen Herrn trieb sich unerbittlich in den Geist des Lichs, aberdutzenden, spitzen Nadelzähnen gleich als dieser vor seinem Gebieter vortrat und sich demütig verneigte.

Mein Herr…

IHR WISST, DASS NUR EIN SATZ EURE GEGENWÄRTIGKEIT RECHTFERTIGT, KEL’THUZAD.

Der Lich hob das gekrönte Haupt um den unergründlichen Blick seines Herrn zu erwidern.

Wir haben sie gefunden, mein Gebieter.

Die eisige Luft schien vollends zu gefrieren als der Lichkönig hinter seiner Maske lächelte.
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Müden Blickes betrachtete Tayury ihr Spiegelbild in einer polierten Hornschale voll frischen, kalten Wassers.
Die Nacht war verhältnismäßig kurz gewesen…eigentlich wie jede Nacht vor einem großen Ereignis…und erneut stellte sich die Frage wieso große Ereignisse stets in aller Herrgottsfrühe von Statten gehen mussten.
Missmutig die Nase rümpfend versuchte sie den Schlaf aus ihrem zerzausten Antlitz zu waschen während hinter ihr bereits der alte Zottel wütete um ihr Marschgepäck zu überprüfen wie auch zu ergänzen.
Ein leises, hölzernes Klappern ließ sie den Blick auf den Rindenanhänger legen der nunmehr, nach einem ausgiebigen Bad in schäumender Kodofettseife, wieder um ihren Hals baumelte. Sie konnte dem dämlichen Ding immer noch nichts abgewinnen doch hatte sie wenigstens die nervige, kleine Stimme ihres Gewissens wieder zum Schweigen gebracht…

„Unordnung!“, schnaubte es hinter ihr entrüstet. „Unordnung ist des Kämpfers schlimmster Feind!“
„Ich dachte der Feind wäre des Kämpfers größter Feind…?“ erwiderte Tayury trocken, sich dabei das Gesicht abtrocknet.
„Unordnung ist ein Bremsklotz!“, krächzte Jam’jaran aufgebracht, dabei wild in Tayurys Ranzen kramend. „In der Schlacht kann jede Sekunde zählen, einfältiges Gör!“
„ Unordnung bedeutet Tod, wieder eine Lektion gelernt…“, murmelte sie abwesend, ihrem Spiegelbild dabei die Zunge herausstreckend.
„Anstatt zu spotten solltest du dich lieber beeilen!“, jammerte der alte Tauren kopfschüttelnd. „Es gibt keine größere Schande als zu spät-„
„-als zu spät zu kommen, ich weiß, ich weiß…!“, schnaube sie genervt, Jam’jaran mit einer fahrigen Handbewegung von ihrem Ranzen verscheuchend. „Bei der Erdenmutter, JamJam, in spätestens einer Stunde bist du mich für wer weiß wie lange los, kannst du es bis dahin nicht einfach den Totems gleichtun und schweigen??“
„Erst wenn du abmarschbereit an Cairnes Seite reitest, aufmüpfiges Kalb!“, donnerte der alte Zottel hustend zurück, Tayury dabei bereits Richtung Zeltausgang schubsend. „Und jetzt mach dass du zu den Ställen kommst! Du weißt, dass niemand außer dir es wagt diesem störrischen Biest zu nahe zu kommen geschweige dem es zu satteln!“

Den nächsten bissigen Kommentar hart herunter schluckend gab Tayury dem Drängen des alten Burschen nach um wie geheißen ihr Zelt zu verlassen und sich auf den Weg zu den Stallungen Thunderbluffs zu machen.
„Ruhm und Ehre…“, knurrte sie dabei missmutig. „Blut und Donner…für die Horde…alles für den Kriegshäuptling...!“

Schon von weitem waren die Stallungen auszumachen…vielmehr zu riechen weshalb sie auch am Rande der taurischen Klippensiedlung ihren Platz gefunden hatten.
Der warme Geruch von Tierleibern, frischem Heu wie auch dem unverwechselbaren Aroma frischen Tierdungs empfing einen schon lange bevor man auch nur die S chwanzspitze eines Tieres zur Gesicht bekam weshalb es selbst bei stockfinsterer Nacht unmöglich war den Weg dorthin nicht zielstrebig zu finden.
Die weiträumigen, überdachten Pferche wirkten ästhetisch gesehen neben den beinahe schon kunstvoll wirkenden, gewaltigen Tipis fehl am Platz doch beherbergten sie nichtsdestotrotz einen der wohl wertvollsten Schätze des Stammes.

Riesige, nashornartige Schädel wandten sich ihr mit tiefem, dröhnendem Grollen zu als sie die Stallungen erreichte, stets darauf bedacht nicht in eine weiche, scheußliche Überraschung am Boden zu treten.
Die gewaltigen Kodobestien mit ihrem ruhigen Wesen und ihrer unnachahmbaren Stärke, teilten das Leben der Tauren seit ewigen Zeiten weshalb Tayury auch nicht zurückschreckte als die alte Kuma, die älteste und auch größte Zuchtkodokuh der Herde, ihren riesigen Kopf über die Absperrung wuchtete um die Taurin mit Nüstern, größer als deren Faust, zu beschnuppern.
Den sanften Blick des intelligenten Riesens kurz erwidernd, hob Tayury eine Hand um die Matriarchin zart an der Nase zu kraulen ehe sie ihren Weg rasch fortsetzte.
Tonki, dem Stalljungen, knapp zunickend steuerte sie zielgenau ein kleines Gehege, abseits der geräumigen Abteile der Kodos, an.
Ein schweres, eisernes Schloss war am soliden Eichengatter angebracht worden dessen Anblick Tayury jedes Mal von Neuem für einen kurzen Augenblick lächeln ließ.
Ein gleichsam schwerer, leicht angerosteter Schlüssel steckte bereits im Schloss als hätte er nur auf sie gewartet.
Gelassen drehte Tayury selbigen um sich damit Zutritt zu dem abgegrenzten Gehege zu verschaffen.
Bearbeitet von Tayury am 24.11.2010 19:45 MEZ
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Goldgelbe Augen öffneten sich einen Spalt um sie kurz mit einer Mischung aus Langeweile und Arroganz zu betrachten und sich dann, von einem langgezogenen Gähnen untermalt, auch schon wieder zu schließen.
„Zeit für etwas Bewegung du faule Töle!“, erwiderte Tayury ruhig dabei nach dem Zaumzeug greifend das auf der anderen Seite des Gatters hing.
Ein missmutiges Knurren war die einzige Antwort als ein gewaltiger, zotteliger Kopf sich von riesigen Tatzen emporhob um die Taurin erneut gelangweilt anzusehen.
„Schenks dir, Ashka.“, brummte diese nur als Reaktion auf ein weiteres, zähnebleckendes Gähnen, ihre freie Hand in zottiges, braunes Fell krallend um dann kräftig daran zu ziehen.
Ein verärgertes Grollen ließ ihre Hand vibrieren als Ashka, das störrische Mistvieh wie Jam’jaran ihn gerne nannte, sich auf die breiten Pfoten stemmte.

Besagtes Mistvieh war ein riesiger, brauner Worg mit einem angeblich höchst edlen Stammbaum aus der Worgzucht Orgrimmar der seinen Weg nach Thunderbluff einst als Geschenk an Cairne Bloodhoof gefunden hatte.
Es hatte nicht lange gedauert um zu merken, dass Ergebenheit nicht zu den Eigenschaften des eigenwilligen Worgs zählte der mit Vorliebe in Waden wie auch Schweife biss um seinen Unmut zur Schau zur stellen.
Da es dem Stammeshäuptling nicht zuzumuten gewesen war sich mit dem aggressiven Charakter des riesigen Wolfes auseinander zu setzen, hatte man Ashka, nach reichlicher Überlegung, kurzerhand in ein eigens für ihn gebautes Gehege verfrachtet um guten Willen Orgrimmar gegenüber zu zeigen Thunderbluffs Bewohner jedoch wirksam vor ihm zu schützen.
Vermutlich hätte er den Großteil seines Lebens auf diese Weise verbracht wäre er nicht, auf Basis eines gemeinen Scherzes unter den Schamanenlehrlingen, eines Tages großzügiger Weise Tayury zur Seite gestellt worden.

Die wenigstens Tauren ritten Worgs aus Orgrimmar, es galt als Privileg und zeugte von höchstem Respekt einen der riesigen Reitwölfe seinen Begleiter nennen zu dürfen.
Tayury war dies bewusst gewesen weshalb sie auch nicht von purer Freundlichkeit ausgegangen war als man sie in den stabilen Verschlag geführt und scheinbar aus reinem Versehen das Gatter hinter ihr geschlossen hatte.
Andere hätte in diesem Moment vermutlich panisch versucht über das Geländer zu springen in Anbetracht des riesigen, übelgelaunten Worgs doch Tayury hatte schon damals ihre ganz eigene Art der Überredungskunst besessen.
Besagte Überredungskunst hatte sich in einem gut gezielten, kraftvollen Fausthieb direkt zwischen die Augen des Worgs geäußert, gefolgt von einem leisen Gespräch im Flüsterton betreffend Tayurys Faust und einigen bestimmten, empfindlichen Teilen an nicht erwähnten Stellen.
An jenem Tag war der Stolz des mächtigen Worgs Ashka zwar nicht gebrochen doch dafür in die richtigen Bahnen zurück gelenkt worden und wenngleich er seiner Herrin oft scheinbar nicht mehr Respekt entgegen brachte als etwas das ihm zwischen den Zähnen feststeckte, so war die schwarze Taurin seitdem doch die einzige die er auf seinem Rücken duldete.

„Wird Zeit, dass du mal wieder hier rauskommt…“, murmelte Tayury während sie den permanent gähnenden Worg sattelte. „Du wirst fett.“
Ein leises Klacken war zu hören als riesige Fänge halbherzig nach ihrer Flanke schnappend.
„Als wäre es mein Fehler.“, erwiderte sie kühl, Ashka dabei sein Halsband anlegend um ihn dann aus seinem Pferch zu führen. „Abmarsch…bevor der alte Ochse wirklich noch einen Herzanfall bekommt…“
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„Herr...?“
Cairne Bloodhoof sah abwesend von einem Grashalm in seiner Hand auf an dem er bis jetzt gedankenverloren gekaut hatte.
Tondrian Moonhoof, sein erster Offizier, erwiderte den Blick seines Häuptlings mit einer Mischung aus Sorge und Unbehagen.
„Herr…der Trupp ist zum Aufbruch bereit.“
Der alte Tauren drehte den Kopf um seinen Blick über eine 30 Mann starke Gruppe berittener Tauren schweifen zu lassend die sich hier, am Fuße der Klippenstadt, eingefunden hatten um mit ihm die Reise nach Orgrimmar anzutreten. Nach einer Weile nickte er langsam.
„Ist sie auch da…?“
„Herr?“
Ein verärgertes Kläffen, gefolgt von deftigen Verwünschungen aus den hinteren Reihen des Trupps, ließ Cairne sanft lächeln.
„Schon gut, alter Freund…“, brummte er, seinen Kodo mit einem leisen Zungenschnalzen antreibend um das alte, aber immer noch rüstige Tier vor die versammelte Gruppe zu lenken.

Augenblicklich verstummte die gerade aufgekommene Unruhe als der Blick des großen Bloodhoofs über den Trupp hinweg glitt.

„Der Weg nach Orgrimmar ist weit.“, sprach Cairne als er sich der erwartungsvollen Aufmerksamkeit aller um ihn herum sicher war. „Doch die Geister allein vermögen zu sagen ob er nicht erst der Anfang einer viel längeren und gefährlicheren Reise sein wird.
Cairne verstummte einen Augenblick lang um in jedes einzelne Gesicht seiner Gefolgsleute zu sehen.
„Ihr wisst, was von euch erwartet wird.“, fuhr er schließlich fort. „Und ich weiß, was ihr von mir erwartet…und es sei euch versichert, meine Freunde und Weggefährten, dass ich bei der Erdenmutter stets alles daran setzen werde dieser Erwartung gerecht zu werden…so wie ihr es ebenso tun werdet und stets immer getan habt.“

Ein zustimmendes Raunen ging durch die Reihen der Versammelten, einige von ihnen nahmen im Sattel Haltung an.
Der Häuptling nickte langsam.
„Der Kriegshäuptling ruft nach uns…die Horde wird nach unserem Tribut verlangen…und Bloodhoof wird ihn erneut zu zahlen wissen, sei er noch so groß oder blutig.“

Ein schmetterendes FÜR DIE HORDE donnerte ihm als Antwort entgegen.
Cairne nickte erneut, seinen schnaubenden Kodo dabei wendend.
„Thrall erwartet uns…wir brechen auf.“

Unter dem hallenden Klang von Moonhoofs Schlachtenhorn setzte Cairnes Begleittrupp sich in langsam in Bewegung, begleitet von den Rufen der Bewohner Thunderbluffs die sich hoch über ihnen am Klippenrand ihrer Stadt eingefunden hatten um ihre Helden zu verabschieden.
Manche ließen Blumen auf die in die Ferne ziehenden Stammesmitglieder herab regnen, andere beteten zu den Geistern ihre schützende Hand über jene tapferen Brüder und Schwestern zu legen die heute Thunderbluffs schützenden Schoß verließen.
Unter all jenen war auch der alte Jam’jaran dessen von Stolz erfüllter, einäugiger Blick einzig und allein auf seinem Schützling ruhte.
Es war auch nicht schwer die Taurin inmitten des schwer dahin stapfenden Rudels gepanzerter Kodos wiederzufinden, bildete sich doch stets eine Art Blase großflächigen Freiraums um ihre Wenigkeit sowie sie sich inmitten einer größeren Menge befand.
Dieser Umstand war nicht zuletzt auf Ashkas bösartiges Wesen sowie seine Angewohnheit mit Freude in pendelnde Schweife zu beißen zurückzuführen…seine Herrin selbst war dafür bekannt stets eine Aura aus kühler Unantastbarkeit mit sich zu führen die in Verbindung mit dem hitzköpfigen Gemüt des riesigen Worgs die einmalige Ausstrahlung eines übelgelaunten Stachelschweins mit Zahnschmerzen ergab.

Gleichwohl Jam’jaran wusste, dass sie die Geste mit großer Wahrscheinlichkeit in keinster Weise erwidern würde, hob er dennoch die Hand um ihr hinterher zu winken, dabei dasselbe Lächeln auf den Lippen wie auch am Tag zuvor.

Tayury selbst war sich dessen mehr als bewusst.
Sie spürte Jam’jarans glückseligen Blick auf sich kleben wie @!#%en Honig, bildete sich sogar ein seinen durchdringenden Geruch noch über den Mief der schnaubenden Kodos um sie herum wahrzunehmen…
Sie wusste auch, dass er winkte.
Sie wusste es mit derselben Sicherheit wie der Himmel blau und die Wiesen grün waren.
Sie würde nicht zurück winken.
Nein.
Sie würde keine der herabregnenden Blumen fangen und sie würde nicht dumm lächelnd zurück winken.
Sie würde es nicht tun…es widerstrebte ihr einfach zutiefst.
Ein leises, hölzernes Klappern unterhalb ihres Halses ließ sie erst irritiert blinzeln und dann leise mit den Zähnen knirschen. Cairnes Rindenanhänger mit einer Hand fest umfassend als wolle sie ihn sich gleich herab reißen murmelte sie einige missmutige Flüche und Verwünschungen in sich hinein, dabei tief ausatmend.
Sie hasste ihn…oh, wie sie ihn doch hasste…

Hoch oben auf Thunderbluffs Klippen wuchs Jam’jarans Lächeln einen Augenblick später in die Breite als Tayury sich im Sattel herum drehte und winkte.
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Der Tage neigte sich bereits dem Ende zu, als sie das Ende von Mulgors grünen Weiten erreichten.
Schon aus der Ferne war die Grenze zum Brachland auszumachen, eine steil empor ragende Hügelkette aus verwittertem Stein und spitzem Felsen die einem unüberwindbarem Wall gleich, das karge Steppenland auf der anderen Seite, von der Heimat der Tauren abschirmte.
Nur eine schmale, kleine Passage, gerade breit genug, dass der Trupp in Zweierreihen hindurch reiten würde können, ermöglichte es Mulgore zu verlassen und in das angrenzende Brachland zu gelangen.
Zwei große, aus mächtigen Baumstämmen zurecht geschnitzte Totems markierten den Durchgang zwei riesigen, stummen Wächtern gleich und damit auch zugleich das Zeichen, dass hier das Territorium der Bloodhoofs endete.

„Wir rasten hier.“, verkündete Cairne, seinen schnaubenden Kodo dabei zügelnd.
Moonhoof, der den Häuptling zusammen mit einem anderen Schlachtrufer flankierte, runzelte leicht die Stirn.
„Herr, wenn wir die Nacht durchreiten, können wir Taurajo noch vor Sonnenaufgang erreichen und uns dort dann ausruhen.“
„Wir sind in Eile, Moonhoof. Ich habe nicht vor, in Taurajo eine Pause einzulegen.“, erwiderte Cairne kopfschüttelnd während der andere Rufer bereits sein Schlachtenhorn vom Gürtel nahm um dem Trupp hinter ihnen damit die angehende Rast zu signalisieren.
„Wir rasten hier einige Stunden und nutzen anschließend den Schutz der Nacht um dann direkt den Weg nach Crossroads einzuschlagen.“, sprach Cairne weiter, dabei von seinem Kodo absteigend.
Moonhoof verzog sichtlich das Gesicht.
„Direkt nach Crossroads…? Ihr wollt durch das Gebiet der Stacheleber?“
„Die Borstigen werden sich leichtere Beute als uns suchen, vertraut mir, alter Freund.“
„An die Eber denke ich dabei gar nicht, Herr…“
„Sondern?“
„An die Zentauren.“, antwortete Moonhoof mit sichtlichem Unbehagen während er gleichsam von seinem Kodo abstieg. „Wenn wir durch Agama’gor reisen kommen wir dabei gefährlich nahe an einer Oase des Brachlands vorbei…und die gehören dem Stamm der Kolkar.“
„Sie gehören ihnen nicht…“, brummte Cairne düster während er sein altes Reittier absattelte. „Sie haben sie nur für sich beansprucht…so wie eine Krankheit einen Körper für sich beansprucht.“
„Herr-„
„Ja, ich weiß, Moonhoof, ich weiß.“, unterbrach der Häuptling ihn kopfschüttelnd. „Doch dieses Risiko müssen wir eingehen.“
Moonhoof auf die gepanzerte Schulter klopfend nickte Cairne ruhig.
„Nun sagt der Gruppe, dass es bald weitergeht...und lasst das Gelände vorher zur Sicherheit von einem Späher überprüfen…wir haben keine Zeit für unangenehme Überraschungen.
„Ja, Herr.“

Missmutig zog Tayury ihren Streitkolben aus dem Schädel eines räudigen Wolfes der die wahnsinnige Idee gehabt hatte, in ihr sein Abendbrot zu sehen.
Die blutige Waffe am struppigen Fell des Wolfes sauber wischend verzog die schwarze Taurin verärgert das Gesicht.
Als Moonhoof vorhin zu ihnen gekommen war um zu verkünden, dass sie um Mitternacht bereits weiterziehen würden, war sie ein wenig angesäuert gewesen… die Nachricht, dass sie durch das Gebiet der abstoßenden Schweinemenschen reisen würden, hatte auch nicht dazu beigetragen ihre ohnehin schon sehr angeschlagene gute Laune aufzubessern…doch als er sie dann auch mit der Aufgabe betraut hatte, das Gelände auf etwaige Gefahren zu überprüfen, hatte sie einen Augenblick lange ernsthaft mit dem Gedanken gespielt Ashka auf ihn zu hetzen.
Letztendlich begnügte sie sich jedoch damit dem Trupp den übelgelaunten Worg zu überlassen damit diese ihn absattelten und auch fütterten.
Sie hatte das rasch errichtete Lager kaum verlassen als bereits der erste Schmerzensschrei nebst wüstem Gezeter an ihr Ohr gedrungen war und ihr ein grimmiges Lächeln entlockt hatte.

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90, Tauren, Schamanin
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Doch alle schöne Schadenfreue änderte auch nichts an der Tatsache, dass sie hier nun in der Düsternis umher stapfen musste um nach größenwahnsinnigen Wölfen, verschlagenen Pumas oder sonstigen Kreaturen mit leerem Magen Ausschau halten musste.
Den toten Wolf mit einem Huf zur Seite schiebend setzte sie ihre Erkundung hochmotiviert fort.
Weit über ihr stand der Mond hoch am klaren Nachthimmel und tauchte ihre Umgebung in ein gespenstisches, geisterhaftes Grau. Aus dem wuchernden #%@#icht, aus Büschen wie auch von Baumkronen herab konnte sie aberdutzende, wachsame Blicke auf sich ruhen fühlen doch ging von all jenen keinerlei Gefahr aus weshalb sie Tayury nicht mehr berührten als Mückenstiche.
Etwa 15 Minuten, zwei Wölfe sowie ein ungewöhnlich aggressives Eichhörnchen später, hatte sie ihre Runde verärgert aber doch pflichtbewusst hinter sich gebracht.
Sich murrend einige kleinere Ästchen aus der dichten Mähne ziehend drehte sie den Kopf um sich kurz zu orientieren.
In einiger Entfernung konnte sie gedämpften Lärm sowie den flackernden Schein eines größeren Lagerfeuers erkennen doch seltsamerweise empfand sie bei dem Anblick keinerlei Bedürfnis sich raschen Schrittes in dessen Richtung zu begeben.
Tatsächlich stachelte ein kleine, innere Stimme sie an stattdessen so schnell wie möglich in die entgegengesetzte Richtung zu laufen bis sie weder Feuer noch Lärm in irgendeiner Weise noch wahrnehmen würde können.
Tayury blinzelte verwundert angesichts dieses Gedanken der ihr eigener war und sich doch zugleich wie der eines anderen anfühlte.

Fast schon unsicher drehte sie den Kopf um auf das dichte Unterholz vor ihr zu blicken. Sie kannte jeden Winkel in Mulgore so gut wie sich selbst, bei Tag und bei Nacht, hatte Mulgore und all seine Gefahren wie auch Schönheiten praktisch im Blut und im Geist…
Unbewusst machte sie einen kleinen Schritt zurück.
Es wäre eigentlich ganz leicht…es würde ein unbeschreibliches Donnerwetter im Nachhinein dafür geben doch sie hatte von Anfang an klar gemacht, dass sie nicht auf diese Mission mitgeschleift werden wollte, hätte es Cairne in die Hörner gravieren müssen um noch deutlicher diesbezüglich zu sein als sie es ohnehin gewesen war…
Noch ein Schritt, diesmal ein wenig größer.
Es war also ihr gutes Recht sich jetzt noch rasch anders zu entscheiden… sie musste sich nur schnell genug entschei-

„Tayury!“

Die Taurin verdrehte die Augen mit einem tiefen Seufzen.
Zu langsam.

Kurz durchatmend um sich die innere Unruhe nicht anmerken zu lassen, wandte sie sich dem schnaufend auf sie zu stapfenden Tauren zu.
Sie brauchte nicht lange um zu erkennen wer es war…Blatthuf, einer der Schüler der alten Kräuterhexe Garba und in Tayurys Augen ein kleiner, manchmal etwas zu biederer Streber. Dass ausgerechnet er ihr hinterher gelaufen war wunderte sie…der junge Schamane war nicht gerade für seine Abenteuerlust bekannt.

„Moonhoof wies mich nach dir zu sehen, du seist schon zu lange weg!“, plapperte der Tauren los noch ehe er vor ihr zu Stillstand gekommen war.
Tayury rümpfte leicht die Nase, Blatthuf dabei einen fast schon abfälligen Blick zuwerfend.
Äußerlich mochte er bereits nach einem ausgewachsenen Bloodhoof aussehen doch wer etwas Zeit mit ihm verbrachte, merkte schnell, dass er noch ein unsicherer Jüngling war der mit seinem schneeweißen Fell und den großen, wasserblauen Augen nicht selten den Eindruck eines tapsigen Welpen erweckte.
Seinen Platz im Trupp hatte er größtenteils seinen exquisiten Kräuterkenntnissen zu verdanken da seine derzeit stärkste Waffe lediglich der ihm immer noch anhaftende Welpenbonus war…ohne Zweifel auch der Grund für sein momentanes Hiersein.

„Ich hab wohl die Zeit übersehen…“,erwiderte sie trocken, ein verärgertes Schnauben unterdrückend.
Moonhoof, dieser gerissene Mistkerl…er musste denselben Gedanken gehabt haben wie sie weshalb er ihr vorsorglich ein unschuldiges Anhängsel hinterher geschickt hatte.
„…dabei hätte doch gar nicht mehr viel gefehlt…“

„Was hast du gesagt?“
„Was?“
„Du hast etwas vor dich hingemurmelt.“
„Keine Ahnung was du meinst.“
„Aber-„
„Gehen wir zurück!“, unterbrach sie ihn fast schon ruppig, sich dabei bereits Richtung Lager zuwendend. „Bevor Moonhoof uns den Nächsten hinterher schickt. "
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