Li Lis Reisetagebuch

Eintrag 1 von 11

Das Leben ist ein Abenteuer.

Das hat mir mal Onkel Chen in einem Brief geschrieben. Ein weiser Ratschlag. Mein Papa Chon Po vertritt allerdings eine andere Meinung. Er sagt, dass ich zu viel von der Welt da draußen träume und die Schönheit und Wunder der Wandernden Insel nicht erkenne. Aber da liegt er vollkommen falsch – ich liebe meine Heimat.

Und darum geht es in diesem Tagebuch. Wenn ich je eine so große Entdeckerin wie mein Onkel Chen werden will, muss ich wie er über meine Abenteuer schreiben. Und warum sollte ich damit nicht zu Hause beginnen? Vielleicht wird mein Buch ja irgendwann einmal in der Großen Bibliothek neben Onkel Chens Berichten stehen. Oder vielleicht werden eines Tages Leute aus Sturmwind, Orgrimmar oder anderen entfernten Ländern meine Aufzeichnungen lesen, um etwas über mein Volk, unsere Kultur und das, was diesen Ort hier so großartig macht, zu erfahren!

Aber immer der Reihe nach. Fangen wir mit der Einleitung an. Geboren wurde ich auf der großen Schildkröte Shen-zin Su, auch bekannt als „Die Wandernde Insel“. Heutzutage sitzen viele Pandaren nur noch herum und erzählen immer die gleichen alten Geschichten. Doch das war einmal anders. Unseren Ahnen lag das Abenteuer im Blut. Für sie bot jeder Tag auf der Insel die Möglichkeit, neue Dinge zu entdecken und neue Geschichten zu verfassen!

Während ich dies schreibe, führt Onkel Chen diese Tradition irgendwo dort draußen in der weiten Welt fort. Doch er ist nicht allein. Der Weg des Wanderers hat auch mich gerufen, hier bei mir zu Hause. Nun wird es Zeit, diesem Ruf endlich zu folgen!

Mein Name ist Li Li Sturmbräu und dies ist die Wandernde Insel.

***

1. Eintrag: Zurück zu den Grundlagen

Ich habe mich entschlossen, mein Zuhause auf Grundlage des Weges des Wanderers zu erkunden, einer Philosophie, über die Onkel Chen in seinen Berichten schon viel geschrieben hat. Dabei geht man auf jeder Reise Schritt für Schritt vor, beobachtet alles um sich herum, spricht mit jedem, dem man begegnet, und nimmt alle Einzelheiten wahr.

Nach einigen Überlegungen begann ich meine Reise durch Shen-zin Su dort, wo ich zum ersten Mal von der Geschichte der Insel erfahren hatte: an der Morgenspanne. Diese riesige Steinbrücke erstreckt sich entlang der hohen Klippen in der Nähe der Inselmitte. Auf ihrem höchsten Punkt kann man den gesamten Pei-Wu-Wald im Süden überblicken. Dort oben ist es wirklich atemberaubend!

Aber es ging mir nicht um die Aussicht. Ich begab mich in ein kleines Klassenzimmer unterhalb der Brücke. Dort erfahren die meisten Kinder etwas über Liu Lang, den ersten Pandarenentdecker, der mir schon aus einem Brief von Onkel Chen bekannt war. Das gemütliche Freilichtzimmer war voller eifriger Kinder, denen Lehrensucher die Geschichte von Liu Lang erzählten. Ich nahm Platz, schloss die Augen und versuchte mir vorzustellen, dass ich die Geschichte zum ersten Mal hörte.

Die Erzählung über Liu Lang gab mir das Gefühl, dass alles möglich wäre! Davon inspiriert ging ich über die Steinbrücke zum Tempel der Fünf Sonnenaufgänge, einem strahlenden Turm in der Mitte der Insel. In das Gebäude zu gehen ist, als beträte man eine andere Welt. Regen tropfte von der Decke, eine sanfte Brise wehte durch meine Kleidung, und obwohl es draußen kühl war, kam die Temperatur im Innern einem Sommertag gleich.

Die Lehrensucher behaupten, dass der Tempel gemeinsam mit Shen-zin Su gewachsen sei, als wäre das Gebäude selbst ein Teil der Großen Schildkröte. Dies ist ein heiliger Ort, und zwar aus gutem Grund. Der Tempel beheimatet die vier alten Geister des Landes: Shu (Wasser), Wugou (Erde), Huo (Feuer) und Dafeng (Luft). Solang es ihnen gut geht, bleibt das Wetter gemäßigt und die Jahreszeiten nehmen ihren gewohnten Gang.

Der Tempel ist voller weiser Sprichwörter und seltener Gegenstände. Am meisten interessierte mich jedoch Liu Langs Statue im ersten Stock. Während ich ihn betrachtete, dachte ich über all die großen Dinge nach, die er vollbracht hatte. Für seine Taten brauchte man wirklich Mut! Selbst zu Hause war er bestimmt stets von Abenteuern umgeben.

Als ich wieder ging, traf ich Meister Shang Xi. Er ist eine ziemlich wichtige Person – ein edler und tapferer Pandaren, der Jung und Alt gleichermaßen als Berater dient. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon Ärger mit Shang hatte. Aber trotzdem war er immer nachsichtig gewesen – außer an dem Tag, als ich ihm seinen Tee mit Stinktierwasser aus den Singenden Teichen gekocht hatte. Auf jeden Fall war er guter Dinge und so stellte ich ihm einige Fragen, die mir schon länger unter den Krallen gebrannt hatten: Was würde Liu Lang tun, wenn er noch am Leben wäre? Wo würde er Abenteuer auf der Insel finden?

„Warum fragst du ihn nicht einfach?“, antwortete Meister Xi und zeigt auf die Statue. Daran hatte ich nicht gedacht! Aber einen Versuch war es wert. Nicht, dass ich wirklich eine Antwort erwartet hätte. Doch ich bekam sie!

Der Geist Shu hatte wahrscheinlich zugehört. Der kleine Kerl hüpfte auf Liu Langs Schulter und warf etwas Wasser auf den Boden. Nach einem kurzen Augenblick bewegte sich die Pfütze. Sie kroch wie ein Lebewesen zum Eingang des Tempels und sprang draußen die lange Treppe des Anbrechenden Morgens hinunter.

Ich folgte ihr, so schnell ich konnte, bis ich das nördlich vom Tempel gelegene weite Tal erreichte. Ich fragte das Wasser nicht, wohin es ging, denn das hätte die Überraschung zunichtegemacht. Genau wie Chen machte ich mich Schritt für Schritt auf die Reise!