Ein klappriger alter Karren zockelte den Pfad zum Großen Tor hinunter, wo eine kleine Patrouille darauf wartete, ihn auf dem Weg zum fernen Zeppelinturm zu bewachen. Dort würde das Wasser, das er geladen hatte, an die Orcsiedlungen in ganz Durotar verteilt werden, dem Gebiet, das von der jüngsten Dürre am härtesten getroffen worden war. Der junge Kodo, der den Karren zog, bewegte sich mit der trägen Geschwindigkeit, die die Gewohnheit langer, wohlbekannter Reisen mit sich bringt. Er erschien kurz auf der Hügelkuppe, bevor er außer Sichtweite geriet.
Ein verärgerter Goblin sah zu, wie der Karren verschwand. Sein eigener Karren hätte sich direkt hinter dieser Karawane befinden sollen, aber er steckte noch immer am Wasserbrunnen fest, weil die Brise nachgelassen hatte und die windbetriebene Pumpe somit nutzlos geworden war. „So beeilt Euch doch! Wir müssen aufholen, wenn wir eine Patrouille finden wollen, die uns auf dieser Reise begleitet.“ Der Goblin tippte ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden, während er seinen Unmut gegen den jungen Orc richtete, der mit der Kurbel kämpfte.
„Immer mit der Ruhe, Izwix“, sagte ein Orckrieger, der in der Nähe im Gras lag. „Was sollen ein paar kleine Allianzlakaien schon ausrichten? Versuchen sie irgendwelche Dummheiten, bekommen sie eine Axt in den Schädel.“ Er riss einen Zweig von einem nahen Busch und stocherte damit in seinen Zähnen herum.
„Die Allianz ist eine Bedrohung, Grotz!“, blaffte der Goblin. „Und ich hätte lieber eine Eskorte, statt mich auf Eure begrenzten Fähigkeiten verlassen zu müssen ... oder auf seine.“ Er zeigte auf den Assassinen, der im Gebüsch kauerte.
„Um mich müsst Ihr Euch keine Gedanken machen, Izwix“, sagte Dras, der plötzlich aus seinem Versteck auftauchte. „Wenn mir einer zu nahe kommt, bekommt er einen Schweinestecher in den Rücken. Lasst diese Allianzköter nur kommen.“
Izwix seufzte. „Was habe ich nur verbrochen, dass ich mit diesen beiden ... hä?“ Die Büsche im Umkreis des Brunnens zitterten, und er neigte seinen Kopf zur Seite. „Was war das?”
Alle drehten sich in Richtung des Geräuschs; Grotz griff nach seiner Axt und stand auf. Das Geräusch verstummte. Er machte einen vorsichtigen Schritt nach vorn. Eine kräuselnde Welle bildete sich auf der einen Seite der Hecke und bewegte sich durch sie hindurch bis auf die andere Seite. Jeder Busch begann heftig zu zittern. Izwix trat vorsichtig zurück und bewegte sich zentimeterweise auf den Kodo zu, der am Wasserkarren festgebunden war. Dras spielte nervös mit seinen Messern, während das Rauschen der Blätter lauter wurde.
Dutzende von eberähnlichen Bestien, mit Speeren und diversen anderen Waffen bewehrt und in zusammengewürfelter Rüstung, brachen hervor und überrannten die Gruppe. Einer oder zwei fielen unter Grotz‘ Axt, bevor er überwältigt wurde, und Izwix versuchte, zu fliehen. Dras sprang in Deckung und traf dabei auf den Anführer der Attacke. Der Stacheleber holte mehrmals wild nach dem Orc aus und schaffte es schließlich, die Seite seines Kopfes zu treffen.
Die anderen Mitglieder der Karawane fielen einer nach dem anderen; Das Blut färbte das Gras rund um den Brunnen schnell rot. Izwix hatte es geschafft, den Kodo loszumachen, auf seinen Rücken zu springen und ihn voranzutreiben, bis ein Speer durch die Luft schnellte und ihn von seinem hohen Sitz riss. Der Kodo trampelte weiter vorwärts, während die Stacheleber den Karren plünderten und dorthin verschwanden, wo sie hergekommen waren, zurück in die Dornrankenklamm.
Eine Weile vor diesem Angriff saß Baine Bluthuf, Oberhäuptling der Taurenstämme, mit Garrosh Höllschrei und dem Erzdruiden Hamuul Runentotem in seiner Behausung. Es war kein zwangloses Aufeinandertreffen: Baine hatte freiwillig die Entscheidung getroffen, für den Tod von Cairne Bluthuf keine Rache an Garrosh zu üben, damit die Horde vereint geführt werden konnte. Baine wusste, dass die Horde eine starke Führungspersönlichkeit brauchen würde, wenn sie überleben sollte, und Garrosh konnte sein Volk inspirieren. Das Treffen lief allerdings nicht gut. Garrosh, vormals wegen seiner Rolle im Mord an Baines Vater vorsichtig, war nun wieder aufbrausend und prahlerisch geworden und war mit einem Übermaß an Forderungen in Mulgore angekommen.
Erregte Stimmen wurden in diesem engen Raum abwechselnd laut und verstummten wieder. Hamuul, sonst zurückhaltend und ruhig, begann, seine Stimme in Reaktion auf den störrischen und dreisten jungen Orc vor ihm zu heben. Garroshs Führung der Horde ließ nach Meinung des Tauren sehr zu wünschen übrig, und Hamuul konnte noch immer nicht glauben, dass Cairne Bluthuf, der größte aller Taurenhäuptlinge, diesem Grünschnabel zum Opfer gefallen war. In seiner Rolle als Baines Berater hatte Hamuul die Verhandlungen für den Transport von Wasservorräten nach Orgrimmar eröffnet. Bis jetzt waren die Verhandlungen nicht gut gelaufen.
Baine sah dem stoisch zu, seine Hand um den Streitkolben geschlossen, bevor er seine andere Hand hob, um zu unterbrechen. Einen Augenblick später beruhigten sich die beiden anderen und sahen Baine an.
„Garrosh, Ihr sagt, Ihr braucht Wasser. Aber was ist mit dem Südstrom und der daraus entstandenen Südstromaue? Bieten sie nicht alles Wasser, das Ihr braucht?”
Garrosh schnaufte spöttisch. „Normalerweise schon, aber es ist verunreinigt worden. Wir können noch immer die Felder damit bewässern, aber wir können es nicht trinken, und das belastet unsere Stadt und jeden anderen Ort in diesem Gebiet, an dem sich Orcs niederlassen könnten.“
Hamuul sah Garrosh direkt in die Augen und sagte nur: „Und was genau verunreinigt es?“
Garrosh knirschte mit den Zähnen. „Die Projekte der Goblins in Azshara scheinen ... Nebeneffekte zu haben. Die Verschmutzung, die durch ihre Grabungen entsteht, ist in den Boden gesickert und wird vom Fluss nach Süden gespült, wo wir unter den Folgen leiden.“
Baine und Hamuul blickten einander kurz an. „Warum befehlt Ihr den Goblins nicht einfach, aufzuhören? Gebt dem Land Zeit, zu heilen, und fahrt später fort? Mit etwas Planung und Voraussicht können die Goblins ihre Projekte mit Einschränkungen fortführen, solange die Erde nicht übermäßig beeinträchtigt wird.“
Garrosh klopfte mit den Fingerknöcheln auf den Tisch. „Unfug! Was sie tun, ist für den Kriegsaufwand unerlässlich, und ich werde die Sicherheit der Horde nicht untergraben. Mulgore hat noch immer genug Wasser, und dieses Wasser wird Orgrimmar und die äußeren Siedlungen versorgen.“
Hamuul sagte leise: „Ich pflichte Baine bei, und Ihr wisst auch, dass er Recht hat. Die Goblins müssen aufhören oder ihre Bauprojekte verlagern, damit das Land heilen und der Fluss sich erholen kann.“
„Und was macht Eure Meinung gültiger als irgendeine andere der tausenden, die ich jeden Tag höre?“ Garroshs Augen verengten sich leicht. „Und das war keine Bitte. Es war eine Mitteilung.”
Der Streit flammte wieder auf. Hamuul und Garrosh schrien sich weiter an, bis Baine gereizt dazwischenrief: „Genug! Dieses Gezänk hilft uns nicht weiter!“
Beide brachen mitten im Satz ab, überrascht von diesem Ausbruch, und starrten Baine an, der in etwas beherrschterem Ton fortfuhr: „Garrosh, Ihr werdet Euer Wasser bekommen. Aber ich will einen offiziellen Vertreter der Tauren als Berater für zukünftige Projekte der Goblins.“
Garrosh starrte Baine mit kalten Augen an. „Ihr habt verdammt noch mal Recht, ich werde mein Wasser bekommen. Ich habe gegenüber der Horde die Pflicht, alle sicher und gesund zu halten. Ich werde nicht einfach herumstehen und meine Führungsqualitäten und Beweggründe in Frage stellen lassen.“ Mit diesen Worten stürmte er aus dem Zelt und rief über seine Schulter: „Mein Abgesandter wird in Kürze eintreffen, um die Lieferungspläne aufzusetzen!“
Hamuul sah der sich zurückziehenden Gestalt nach und sagte „Wenn er nur auf eine andere Stimme als die eigene hören könnte ...“
