[H-Orc-RP] Der Schwarzblutclan

Die Aldor
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[ 7 ]

Geist starrte wieder den Alten an, ruckartig drehte er den Kopf ein kleines Stückchen in diese, dann in jene Richtung, die kleinen Vorderarme mit den Händchen griffen gierig in die Luft. Dämmerung bewegte sich von Geist weg, am Arenarand entlang.

Tashmi sackte wieder ein Stück ab.

"Komm schon, dämliches Vieh! Bist du zu feige zum Sterben ?!" Grelkars Stimme wankte. Nervös verfolgte er Dämmerungs Bewegung und ging langsam von ihm weg. Gleichzeitig versuchte er Tashmis Höhe abzuschätzen.

Geist starrte Grelkar weiter regungslos an. Kalte Augen. Ausdrucklos.

Dämmerung macht einen vorsichtigen Schritt auf Grelkar zu, seine lange Kralle glänzt scharf.

"Tashmi, beweg dich endlich ! Lenk das !@#$%^vieh ab!"

"Was? Bist du verrückt?! Der will mich fressen!"

"Fang an, dich hin und her zu schwingen oder ich fress dich!"


Tashmis verzweifelte Versuche blieben zunächst unbemerkt. Erst als Dämmerung sich vorsichtig, Schritt für Schritt näherte, richtete sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer aus sie. Anfeuernde Rufe wurden laut.

"Na los, du zahnlose Eidechse, hier bin ich, hier oben". Sie keuchte vor Anstrengung.

Der Schädel des grauen Raptors schwang im Gleichtakt mit ihr hin und her. Noch ein Schritt.Er duckte sich und sprang. Nur knapp verfehlte er die Goblina , die panisch zu kreischen begann.

"Weiter Tashmi ! Schneller ! "

Geist schoss auf ihn zu, nur knapp konnte er dem springenden Raptor ausweichen. Seine Axt riss eine blutige Linie in seinen Hinterlauf, brachte ihn schon aus dem Gleichgewicht, bevor das Tier wieder den Boden berührte und schliddernd gegen das Kuppelgitter prallte. Sein Schwung riss ihn von den Beinen.

Grelkar stürmte los, die Axt über den Kopf erhoben.

Mit kräftigen Tritten versuchte Geist sich Abstand vom Gitter und genug Raum zu verschaffen, um sich auf die Seite zu drehen und wieder auf die Beine zu kommen. Die krallenbewehrten Händchen schlugen wild in die Luft.

Dämmerung fauchte laut. Dann galt seine Aufmerksamkeit wieder Tashmi. Zum Sprung geduckt folgte er ihrer Bewegung. Das knirschende Geräusch von Geists brechendem Schädel schien ihn nicht weiter abzulenken.

Tashmis Anstrengungen wurden immer verzweifelter. Immer schneller kam sie in bequeme Reichweite des Raptors.

[ ... ]
[ 8 ]

"Grelkaaaaaaaaaaaaaaaaaar!"

Grelkar zerrte mit aller Kraft an der Axt. Die Anstrengung, sie aus dem Raptorenschädel zu befreien, ließ ihm nicht einmal genügend Luft zu fluchen. Schweiß, Staub und Blut verwandeln sein Gesicht in eine grotesk verzerrte Maske.

Ein dumpfer Aufprall ließ ihn zu Tashmi blicken. Wild kreiselte sie in der Luft. Dämmerung schüttelte kurz benommen den Kopf, wich etwas zurück , dann öffnete er das Maul. Zähne, glitzernden Dolchen gleich, glänzten feucht im Fackelschein. Aufmerksam folgten seine Augen nun wieder Tashmis Bewegung, die immer schneller Richtung Boden sank.

Grelkar drehte sich, nun deutlich langsamer geworden, schwitzend und keuchend in Richtung Dämmerung und Tashmi um. Die Axt in der Rechten, breitete beide Arme weit aus, wie eine Einladung. "Komm , du mieser... eh... Dings.... Missgeburt! Ich mach dich platt".

Dämmerungs Kopf zuckte zu Grelkar herum, er legte etwas den Kopf schief, betrachtete den alten Orc aus starren Augen. Einer Schlange gleich, taxierte er den Orc. Langsam wendete er sich dem Alten zu. Schnaubend nahm er Witterung auf.

Grelkar grinste breit, nur um sofort wieder ernst zu werden. Er schwankte wieder leicht hin und her, schwang die Arme. Langsam näherte er sich Dämmerung und Tashmi.

Dämmerung duckte sich. Tashmi schien vergessen. Lohnendere Beute winkte.

Grelkar kam näher. Die Menge schaute gebannt zu. Angespannte Stille. Tashmi war im Sand der Arena angekommen. Am Ende einer Furche blieb sie am Boden liegen, ein hilfloses, sich am Boden windendes Bündel. Dämmerung reagierte sofort, mit einem einzigen Schritt war er über ihr. Er setzte seinen Hinterfuß auf das schreiende Bündel, tief drang die sichelförmige Klaue zwischen die Seile ein.

Tashmi sah die kleinen Zuckungen in den Muskeln der Flanken und das verkrustete Blut an den Klauen der Vorderläufe. Sie sah die feinen Furchen der gesprenkelten Bauchhaut und die Hautfalten am Hals unter dem Unterkiefer.Dämmerung riss das Maul zu einem triumphierenden Schrei auf, der abrupt abbrach.

Er blickte auf Tashmi, versuchte einen Schritt nach hinten zu weichen, aber die Klaue saß zwischen den Seilen fest. Er versuchte das zappelnde und kreischende Bündel abzuschütteln, stolperte fast.

Grelkars Gesicht wandelte sich zu einem gehässigen Grinsen. Der Raptor war abgelenkt. Die letzten Kraftreserven mobilisierend sprang er auf ihn zu. Die erhobene Axt sauste mit aller verbliebener Kraft auf Dämmerung nieder.

Dämmerungs Kopf wurde sauber abgetrennt, aber das Goblinbündel hing noch immer an der Klaue fest. Die winzigen Hände und die muskulösen Beine, rissen, schlugen und scharrte weiter über den blutigen Sand, auch wenn das Tier schon tot war.

Tashmi kreischte unentwegt weiter, als Grelkar auf die Knie sank. Die Axt entglitt seiner Hand.

Einen Moment lang war die Stille, bis auf Tashmis Geschrei fast greifbar, dann brandete Jubel von den Tribünen auf.

Goblins und Schergen öffneten das verriegelte Tor. Armbrüste wurden auf Tashmi und Grelkar gerichtet. Einer der Goblins zerrte die Axt aus Grelkars Reichweite.
Grelkar schrie zornig auf.

"Bringt den Alten zurück in seine Zelle. Wenn er Ärger macht, erschießt das Goblinweib."

Ein Oger stapfte auf Grelkar zu, packte ihn am Arm und schleifte ihn hinter sich her aus der Arena.

"Verdammtes, stinkendes Mistvieh. Lass mich los , ich bring euch alle um !"

Die Orc betrachtete die goblinische Schnürmade, dann lachte sie schallend. "Wenn der Alte in seiner Zelle ist, dann bringt das da auch runter".

[Ende]
Barak der Gebrochene

[ 1 ]

Nar'grok ließ sich an der niederen Mauer langsam in die Hocke sinken, die Kette an seinen Händen, klirrte leise. Gerade war die Sonne untergegangen. Es war immer noch drückend heiß und ein unsteter Wind wirbelte immer wieder kleine Staubwolken auf. Er schloss die Augen, lauschte in sich hinein. Letzte Nacht hatte er nicht mehr geträumt. Der Ruf war verstummt, war einem Gefühl beobachtet zu werden, gewichen.

Nar'grok fuhr mit den Fingern durch seinen verfilzten Bart. Die Arena und die Tribünen konnte er von seinem Platz aus gut sehen. Wie an den letzten Abenden auch, war sie mit Fackeln hell erleuchtet. Nar'grok beobachtete eine Zeit lang das Treiben. Speisen und Getränke wurden gereicht, und manch andere Dienstleistung in Anspruch genommen, wie schrilles Kichern und Lachen vermuten ließ. Mehrere Goblins machten sich direkt bei der Kuppel an einem großen Verschlag zu schaffen. Schließlich verlor er das Interesse an dem Treiben, er lehnte den Kopf an die Mauer und starrte hoch zu den Sternen.

"Der da".

Einer der Goblins, die um den Oger herumwuselten, näherte sich vorsichtig dem Orc. Die Hand mit dem Schlüssel zitterte merklich. Viel zu weit entfernt blieb er stehen und sah unsicher zu der dunklen Silhouette hoch.

"Der da? Sicher Chef? Der sieht aber noch gefährlich aus. Du weißt doch, was die Andere mit meinem Cousin gemacht hat. Nicht einmal seine Wechsel hat sie verschont. Alles Asche. Sein Gold, seine Wechsel, sogar seine Schuhe. Nichts von Wert. Nur seine Asche und die hat der Wind auch noch verweht".

"Der da".
Die Gleichgültigkeit, mit der der Oger bereit war, ihn direkt in die Pranken des Orc zu schicken, brachte den Goblin vollends außer Fassung.

"Aber Chef...".

"Ich tu dir nichts ".
Nar'grok hielt ihm die Hände hin. Du bist es nicht wert, dich zu töten, fügte er in Gedanken an. Der Goblin machte einen panischen Satz rückwärts, sah wieder Hilfe suchend zu dem Oger.

"Der da". Die zwei Worte ließen den Goblin noch mehr zusammensinken. Mit hängenden Schultern ergab er sich in sein tödliches Schicksal und näherte sich dem Orc, der ihm nach wie vor die Handgelenke entgegen hielt.

Nar'grok rieb sich die wundgescheuerten Handgelenke, als die Ketten endlich klirrend in den Staub fielen und dort unbeachtet liegen blieben.Der Goblin hatte sich mit einem durchaus beachtenswerten Sprung außer Reichweite gebracht.

"Komm mit".

Der Oger ging langsam auf die Kuppel zu. Angespannt sah sich Nar'grok um, einmal blieb er kurz stehen, weil er glaubte, am Rande des Fackelscheines Gashka zu sehen. Nur einen kurzen Moment, dann war sie wieder in den Schatten verschwunden. Zu schnell, als dass er sich wirklich sicher war. Manche der Zuschauer auf den Tribünen waren aufgesprungen, um einen besseren Blick auf ihn zu erhaschen. Nicht wenige wankten im Rausch. Er verzog verächtlich das Gesicht und bedauerte, dass sein Mund vom Durst zu ausgedörrt war , um ihnen ins Gesicht zu spucken.

[ ... ]
[ 2 ]

Die Arena war leer. Nar'grok runzelte die Stirn. Im feinen Sand waren noch die feinen Rillen der Rechen zu sehen, mit denen man versucht hatte, den Boden einigermaßen ansehnlich zu säubern. An den Rändern lagen immer noch Knochen und Splitter, manche noch mit Fleischfetzen. Vor der Haupttribüne waren drei Speere in den Sand gesteckt. Er sah hoch zu den blutverschmierten Haken, die an eisernen Ketten von der Kuppel baumelten. Er zuckte zusammen, als das Tor hinter ihm zufiel.

Langsam beruhigte sich das Publikum, machte einer angespannten Stille Platz, als er sich einen der Speere nahm. Prüfend wog er ihn in den Pranken und ging zur Mitte zurück. Die Goblins auf der Kuppel starrten zu dem Oger am Tor.
Der Oger hob den Arm, reckte ihn weit hoch. Er sah zum Publikum und feuerte es mit der anderen Hand an.

Nar'grok umfasste seinen Speer mit festem Griff. Er schloss die Augen und versuchte einen kurzen Moment, das Getöse an der Arena zu vergessen. Langsam ließ sich ein einzelnes Wort heraushören, immer deutlicher, immer lauter, immer fordernder.

"Barak!Barak! Barak!"

Das Stampfen ließ die Tribünen wanken.

Der Oger ließ den Arm fallen. Schlagartig öffnete sich die Käfigtür. Ein Bär stürmte in die Arena. Teilweise trug er noch Teile einer ehemals beeindruckenden Rüstung. Sein linkes Auge war vernarbt, wie viele Stellen an seinem mächtigen Körper. Blutige Striemen zeichneten sein Fell. Brüllend sah er sich um. Sein Schädel pendelte hin und her, suchend, witternd. Langsam begann er die Arena zu durchstreifen, immer wieder verharrte er einen Moment und versuchte die ihm so verhasste Witterung aufzunehmen.

Nar'grok stand unbeweglich. Den Speer mit der kurzen, schmalen Spitze fest umklammert, beobachtete er den Bären. Immer mehr zeichnete Wut und Zorn sein Gesicht.

"Ein ausgedienter Bär? Ist das alles? Mehr habt ihr nicht ? "

[ ... ]
[ 3 ]

Der Bär hatte Nar'grok ausgemacht, der mächtigen Schädel schwenkte herum, das heile Auge starrte ihn an. Langsam zog er die Lefzen hoch und zeigte dabei beeindruckende Zähne. Nargrok schnaubte. Warum hatten die Ahnen ihn nur als Erstes den leichten Wurfspeer greifen lassen. Er atmete tief durch und schleuderte den Speer in Richtung des Bären. Er gab sich nicht einmal Mühe zu zielen oder gar den Treffer abzuwarten. Er wirbelte herum und lief zum nächsten Spieß.

Barkak brüllte auf, als der Speer eines der Plattenteile traf. Wütend richtete er sich auf seinen Hinterbeinen zur vollen Größe auf. Über Brust und Bauch baumelten lose weitere Platten. Niemand hatte sich die Mühe gemacht, oder den Mut aufgebracht, sie richtig zu befestigen.

Nar'grok brüllte den Bären herausfordernd an. Barak verharrte einen Moment, starrte den Orc nur an, dann zog er die Lefzen hoch und erwiderte die Anmaßung mit einem ohrenbetäubenden Gebrüll. Nur leicht erhob er sich auf seine Hinterbeine, dann stürmte er auf den Orc zu.

Nar'grok bekam den Spieß gerade noch zu fassen, nur knapp gelang es ihm dem Angriff des Bären auszuweichen. Ächzend kam er auf der blinden Seite des Tiers auf die Beine. Da, wo er gerade noch gestanden hatte, fetzten die Pranken durch die Luft. Barak krachte in einen der leeren Waffenständer. Splitterndes Holz prasselte um ihn herum nieder und brachte ihn noch mehr in Rage. Barak wirbelte mit erstaunlicher Geschwindigkeit herum. Wieder fetzte die Pranke des Bären durch die Luft.

Der Orc war vorsichtig auf Distanz geblieben und trotzdem hatte er die Wendigkeit und die Geschwindigkeit des Tieres unterschätzt. Noch während er versuchte, eines der Hinterbeine mit dem Speer zu durchbohren, traf ihn ein weiterer Prankenhieb. Sein Stich ging ins Leere. Das Einzige, was er erreicht hatte, waren tiefe, parallel verlaufende Wunden über die Brust. Er taumelt zurück, fast hätte er den Spieß fallen lassen.

Barak brüllte triumphierend und richtet sich auf, das Maul weit aufgerissen.

Nar'grok nutzte diesen kurzen Augenblick und tastete vorsichtig nach den blutenden Wunden. Er hob die Schultern, packte den Speer und erwiderte mit einem schmerzerfüllten Schrei das Gebrüll des Bären.

Barak ließ sich wieder sich wieder auf die Vorderbeine fallen und stürmte erneut auf Nar'grok zu, um ihn mit einem Hieb seiner mächtigen Pranken zu fällen. Ein weiteres Mal wollte der Orc sich nicht verwunden lassen. Er umschloss mit beiden Pranken seinen Speer, stützte sich ab und versuchte den Hieb des Bären mit seiner Waffe zumindest abzulenken.

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[ 4 ]

Barak wich zurück, einen Moment schien er zu verharren, dann richtete er sich wieder drohend auf, überragte den Orc um die Hälfte. Nar'grok nutzte die Gelegenheit, sprang auf den Bären zu und stach mit dem Speer nach dem Hinterbein. Tief drang die Spitze ein.

Barak ließ sich mit einem schmerzerfüllten Schrei auf die Pranken fallen, versuchte nach dem Speer zu schnappen, der sich in sein Hinterbein gebohrt hatte. Der Schaft splitterte zwischen seinen Zähnen. Die Spitze steckte nach wie vor in seinem Fleisch, tobend schlug und biss er nach dem schmerzhaften Plagegeist.

Der Orc taumelte zurück. Blut quoll aus dem Riss an seinem Oberarm. Ein grollendes Knurren kam aus seiner Kehle. Der Bär schien im Moment nicht genau zu wissen, was das schlimmere Übel war, die Speerspitze in seinem Hinterbein oder der Orc vor ihm, abwechselnd schnappte er einmal nach diesem, dann nach jenem.

Schritt für Schritt wich Nar'grok zurück. Unendlich langsam. Er zwang sich zur Ruhe. Erst als er fast im Zentrum der Kuppel stand, wagte er es, sich nach einer weiteren Waffe umzusehen.

Barak gelang es endlich, den kurzen Restschaft mit den Zähnen zu packen, mit einem wütenden Knurren zerrte er daran, bis es ihm schließlich gelang die Spitze aus dem Fleisch zu reißen. Blut rann in sein Fell, perlte über die langen Haare und sammelte sich auf seiner Pranke, bevor es seinen Weg in den trockenen Sand fand. Sein Auge stierte den Missetäter an, humpelnd bewegte er sich auf den Orc zu.

Nar'grok rannte auf den letzten Speer zu. Schweiß brannte in den Wunden auf seiner Brust, sein Arm fühlte sich taub und kraftlos an. Barak folgte ihm. Jeder Schritt hinterließ einen blutigen Abdruck im Sand.

Nar'grok schnaubte erleichtert auf, als wieder eine Waffe fest in seinen Pranken hielt. Er drehte sich um und fixierte erneut den Bären.Sein Blut rann ihm am Arm entlang auf den Schaft. Das Holz wurde mit jedem Tropfen glitschiger. Seine Muskeln spannten sich augenblicklich, als der Bär zu einem Sprint ansetzte. Der erste Prankenhieb zerschmetterte den Schaft. Fast verächtlich hatte das Tier ihn beiseite gewischt. Er war so nah, dass ihm der aasige Geruch aus seinem Maul fast den Atem nahm. Alles, was ihm blieb war die abgebrochene Spitze in seiner Hand. Breit und scharf. Wieder richtete sich der Bär auf und brüllte voller Wut und Schmerz.

Nar'grok wich einen weiteren Schritt zurück und spürte im Rücken die Bande der Arena. Leise fluchend umfasste er die Speerspitze fester. Barak war zu nah, um noch auf die eine oder andere Seite ausweichen zu können. Er schrie keuchend auf, als sich die langen Krallen in seinen Rücken bohrten, er spürte wie seine Haut sich erst spannte und dann riss. Seine Oberarme wurden an seinen Körper gepresst. Schon bald würde auch die letzte Luft aus seinen Lungen gepresst sein.

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[ 5 ]

Der Goblin beugte sich vor, um das Publikum besser zu sehen. Er leckte sich über die Lippen. Leise keckernde Laute kamen aus seiner Kehle. Auf den Tribünen war gespannte Stille. Sie warteten. Warteten, dass dem Orc die Luft ausging. Erst würden seine Füße immer schneller zucken, dann immer langsamer und dann...

Schweißperlen glänzten auf Nar'groks Stirn. Die Adern an seinen Schläfen pochten. Seine Muskeln waren bis zum Äußersten angespannt, um dem Druck zu widerstehen. Die Zähne gefletscht, sammelte er die letzten Kraftreserven und stieß die Speerspitze zwischen die Rippen des Bären. Vorbei an den Knochen glitt sie immer tiefer. Fast augenblicklich lockerte sich die tödliche Umklammerung. Luft strömte in die brennenden Lungen des Orcs, nur um im nächsten Moment wieder herausgepresst zu werden.

Barak ließ sich brüllend auf die Vorderpranken fallen, begrub den Orc unter sich, als sein Hinterbein den Dienst versagte. Nar'grok spürte, wie seine Rippen unter dem Gewicht des Bären nachgaben und brachen. Sein Blick trübte sich. Scharfe Krallen bohrten sich in seinen Oberschenkel, als Barak versuchte, auf die Beine zu kommen. Ein weiterer Schlag traf ihn, dann war er frei. Jeder Atemzug erschien ihm wie ein Messerstich. Quälend langsam schob er sich rückwärts, von dem tobenden Bären weg. Schließlich drehte er sich auf den Bauch, stemmte sich auf die Knie und die Hände, bevor es endlich schaffte, aufzustehen. Jede Bewegung jagte neue Schmerzwellen durch seinen Körper.

Hinter ihm tobte der Bär weiter. Im Bemühen die Wunde zu erreichen zerrte er an den Platten, die ihn hatten schützen sollen und ihn nun daran hinderten, den schmerzhaften Stachel aus seinem Fleisch zu reißen. Einer der Gurte riss, immer noch mit der Bauchplatte verbunden, schleifte Flankenschutz über den Sand. Mit einem tief grollenden Knurren versuchte er den zersplitterten Rest des Schaftes zu fassen. Mit blutunterlaufenem Auge stierte er Nar'grok an. Langsam ging er auf den Orc zu. Teile seiner Rüstung schleiften über den Sand. Sein verletztes Hinterbein knickte bei jedem Schritt ein und aus seiner Seite drang bei jedem mühsamen Atemzug schaumiges Blut.

Nar'grok hustete gequält. Speichel und Blut rannen über die zerschundenen Lippen und klebten im Bart.Taumelnd ging er zwei weitere Schritte. Schwankend hielt er sich am Gitter der Kuppel fest, bevor er sich umdrehte und langsam auf den Boden sackte. Mit nichts als Sand und Knochen um sich herum wartete er auf das Unausweichliche.

Geifer und Blut vermischten sich zu einem blasigen Rinnsal, immer wieder blieb der Bär stehen, rang mit einem röchelnden Gurgeln nach Luft. Seine Flanken hoben und senkten bei jedem Atemzug zitternd. Immer mehr blutiger Schaum quoll aus seiner Seite.

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[ 6 ]

Der Gestank des Bären schlug dem Orc entgegen. Nar'grok verzog den Mund. Seine Lippen platzten wieder auf und warmes Blut lief ihm über das Kinn in den Bart. Er grub seine Hände in den warmen Sand. Mit einem letzten Aufflammen sinnlosen Trotzes, warf er dem Bären den Sand entgegen. Seine Linke umklammerte einen Knochen.

Barak wich zurück. Er rieb den Kopf am Vorderbein, versuchte den Sand, der sein gesundes Auge blendete, loszuwerden. Halb blind hob er witternd den Kopf. Barak brüllte auf, als der Knochen in sein Auge drang. Blutige Schaumflocken lösten sich. Ruckartig richtete er sich auf den Hinterbeinen auf und kippt zur Seite. Dumpf schlug er im Sand auf und schrie wieder voller Schmerz, als sich die eiserne Speerspitze noch tiefer in seine Lunge bohrte. Ein Schrei, der zu einem mühsam röchelnden Gurgeln wurde. Krampfhaft hob und senkte sich seine blutbedeckte Flanke.

Nar'Grok zog sich langsam auf die Beine. Schweiß und Blut brannten in seinen Augen und verklebten sein Gesicht zu einer grotesken Maske. Vorsichtig tastete er über seine Rippen, starrte auf den einstmals so Furcht einflößenden Bären. Immer wieder zogen seine Pranken tiefe blutige Furchen durch den Sand. Nur langsam wurden Baraks Bewegungen schwächer. Kein Knurren mehr, kein donnerndes Gebrüll, nur das qualvolle Gurgeln, das irgendwann endete.

Nar'grok hustete und spuckte abermals Blut, das in seinem Bart kleben blieb. Er ballte eine seiner Pranken zu einer Faust, wohl um zu zeigen, dass noch immer Leben und Stärke in ihm steckte, dann sank er auf die Knie.

Nach einiger Zeit öffnete sich das Arenator. Goblins mit Armbrüsten betraten vorsichtig die Arena, einer, entweder besonders mutig oder dumm, stieß den Bären mit einem Spieß in die Seite.

"Der ist hinüber".

Dann ging er zu Nar'grok, das gleiche Spiel noch mal. Als Blut über die Spitze rann, wich er entsetzt zurück.

"Der lebt noch! Soll das so bleiben oder auch in die Futtergrube?"


Ein Oger betrat bedächtig die Arena, er blieb neben Nar'grok stehen und blickte zur Tribüne des Goblins. Er wartete geduldig. Schließlich nickte er und verließ die Arena wieder, vorbei an Goblins, die eine Trage mit sich schleiften.
Oggi der Schreckliche

Nar'grok war sich nicht mehr ganz so sicher, ob es wirklich eine Belohnung war, mit Tashmi und Grelkar eine etwas komfortablere Zelle zu teilen oder doch nur eine neue, noch perfidere Folter, um ihn zu brechen. Tashmi lag auf einer Bank, die Hände auf dem Bauch gefaltet, schien sie nur noch zu schlafen. Zu schlafen und vor allem zu träumen. Viel zu laut, wie er fand. Ständig schnalzte sie mit der Zunge oder schmatzte. Immer wieder murmelte sie etwas von einem Zitronenkäsekuchen, was immer das auch sein mochte. Grelkar saß neben ihr und tat das, was er eigentlich immer tat. Er starrte teilnahmelos auf den Boden und sabberte in seinen Bart und auf seine Hose.

Schritte auf dem Gang ließen ihn aufhorchen. Sie endeten abrupt vor der Zellentür. Die Riegel wurden mit einem knirschenden Geräusch zurückgeschoben, und als die Tür aufschwang, wurde der Raum von qualmenden Fackeln erhellt.

"Ihr da ! Aufstehen. Heute dürft ihr als Belohnung einem Kampf zusehen. Bewegt euch, bevor es sich Seine Großzügigkeit anders überlegt".

Nar'grok zupfte an seinen Verbänden. Schweigend blickte er zur Tür, selbst Tashmi geruhte ein Auge zu öffnen. "Als Belohnung will ich hier weg". Nur Grelkar rührte sich nicht. Wie versteinert stierte er weiter zu Boden.

"Hey, los, wir dürfen raus." Tashmis spitzer Ellenbogen bohrte sich in die Rippen des alten Orc.

"Was...". Grelkar blinzelte und rieb sich die Seite.

"Na, raus aus dem Loch. Freigang. Frische Luft. Himmel.Sand. Wind.......". Ein weiterer begeisterter Ellenbogenstoß traf ihn.

"Wozu ? Ist doch eh alles sinnlos..." Und wieder traf ihn Tashmis Ellenbogen. Die Goblina hatte entschieden zu spitze Knochen, befand Grelkar. Schwerfällig stand er auf. Die Ketten an seinen Händen klirrten und schienen ihm zentnerschwer.

Die Orc in der Tür trat zur Seite. Nar'grok starrte sie finster an. Einen Moment dachte er darüber nach, ob er sie nicht mit der Kette schlagen sollte, die seine Hände band, aber dann schlurfte Grelkar auf sie zu, ständig von Tashmi geschubst und machte seinen Wunsch zunichte. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, bis sie endlich, gefolgt von der Orc und den Wachen, ins Freie traten.

Es war windstill. Kein Lüftchen regte sich. Die Sonne war gerade hinter den Sanddünen verschwunden. Auf den Tribünen hatte sich die übliche, zwielichtige Gesellschaft eingefunden. Es wurde gesoffen und gehurt. Ein wüstes, alkoholschwangeres Treiben. Weiter entfernt hörte er Tiere schreien, manchmal war auch die Stimme eines Goblins zu erkennen.

Die Seidenwimpel am Balkon Seiner Großzügigkeit, die Erinnerung an den spöttischen Ton der Orc, ließ ihn kurz amüsiert auflachen, hingen schlaff herunter. Der Goblin lag schon fast halb auf dem Sessel und polierte gelangweilt seinen Ring.

"Dort, an der Arena könnt ihr stehen. Die Ketten bleiben dran und die Wachen werden euch im Auge behalten".

[ ... ]
[ 2 ]

Der Orc war im Halbdunkel kaum auszumachen. Unbeweglich an die Wand gelehnt, schien er zu schlafen. Immer wieder sah der Goblin nervös hinüber. Seit Stunden saß er dort, sagte nichts, bewegte sich nicht, er konnte ihn nicht einmal atmen hören. Nicht, dass er wirklich befürchtete, der Orc könnte die Ketten aus der Wand reißen, aber sicher war sicher. Bald würde seine Ablösung kommen oder, mit etwas mehr Glück, würde jemand kommen, um den Gefangenen in die Arena zu bringen, was natürlich noch besser war. Als der Riegel zurückgeschoben wurde, ließ er fast seine Pike fallen. Sein Herz klopfte ihm bis in den Hals als er nur da stand und den Schatten in der Tür anstarrte.

"Die Schlüssel oder willst du seine Ketten selbst aufschließen?" Graika riss ihm den Bund aus der Hand und drehte dem Wachgoblin knurrend den Rücken zu. Zwei Schritte, dann blieb sie vor dem Orc stehen und musterte ihn schweigend.

"Steh auf Orc".

Langsam hob Ner'zosh den Kopf.

"Steh auf, oder soll ich dich in die Arena schleifen lassen?"

Seine Ketten schabten über den Boden. Steif richtete er sich auf. Fast um einen Kopf überragte er die Orc.

"Deine Hände".

Der Goblin hinter ihr quiekte ängstlich auf. "Glaubt Ihr, es ist wirklich eine gute Idee, ihm die Fesseln abzunehmen?"

"Douk, du kannst ihm ja die Mauer hinterher tragen, dann kann er sie anbehalten. Willst du ?"
Graika schnaubte verächtlich und lachte leise, als die Ketten klirrend zu Boden fielen und der Goblin seine Waffe auf dem schnellen Weg zum Ausgang schlichtweg fallen ließ. "Schade, dass sie besser laufen als kämpfen können".

Ner'zosh starrte sie an. Er hob seine Hände und bog sie zu Krallen. "Ich könnte dich jetzt töten".

"Spar dir das für die Arena. Geh voraus".


Einen Moment stand er noch still, dann schritt er langsam auf die Zellentür zu. Angewidert blähte er die Nasenflügel. An diesen Gestank würde er sich nie gewöhnen und er wollte es auch nicht. Stufe für Stufe, die ihn nach oben führte, füllte seine Lungen mit frischer Luft. Auf der obersten Stufe blieb er stehen. Nach der langen Zeit in der Dunkelheit der Slavenkerker trieb ihm selbst das Licht der zahllosen Fackeln Tränen in die Augen.

"Weiter". Der Stoß, ließ ihn vorwärts torkeln.
[ 3 ]

Varjak hob die Hand zur Stirn, um seine Augen etwas gegen das flackernde Licht der Fackel abzuschirmen. Er blickte zu den beiden Orc und der Goblinfrau nahe der Arena, er knirschte vor Unmut mit den Zähnen. Viel erkennen konnte er in dem sich wild wogenden Mustern aus Licht und Schatten nicht. Er flucht leise, als Fackelqualm in seine Augen drang und sie zu tränen begannen.

Ner'zosh starrte den Eingang zur Arena an. Er hob den Blick und inspizierte das Kuppelkonstrukt. Kurz fiel sein Blick auf einen alten Orc, der mit leerem Blick in die Arena stierte.

"Da drinnen liegen deine Waffen. Gewinn den Kampf und du hast eine Chance".

Der Orc stapfte in die Arena, direkt auf die Waffen zu, die für ihn niedergelegt waren. Er betrachtete die mehr schlecht als recht hergestellten Waffen und schnaubte verächtlich. Als ein Stück Obst direkt vor seinen Füßen landete, hob er den Blick und starrte in die Richtung, aus der es gekommen sein musste. Wieder verengte er die Augen, bleckte die Hauer und grunzte drohend.

Der eine oder andere Zuschauer beugte sich vor, um den Orc besser erkennen zu können, andere klopften sich vor Lachen auf die Schenkel oder die ihrer Begleiterinnen, was umgehend mit schrillen Gekicher belohnt wurde, und noch mehr, nahmen die Gelegenheit wahr, um noch mehr in Richtung Kuppel zu werfen.

Ner'zosh hob den mit Klingen bewehrten Hammer auf. Eine grobe Waffe, so grob, wie der mit eisernen Stacheln besetze Schild. Er stapfte durch die Arena, versuchte ein Gefühl für die unhandliche Waffe und den Schild zu bekommen. Immer warf er einen verächtlichen Blick zum Publikum. Schließlich spuckte er in Richtung des Goblins auf den Boden.

Auf dem Balkon der Haupttribüne erhob sich der Goblin, wohlgenährt und feist. Mit einem Lächeln, das wohl freundlich sein sollte, hob er beide Arme um Ruhe zu gebieten.

"Geehrte Gäste! Heute wird zu eurem Vergnügen dieser stattliche Orc sein Blut vergießen. Ich habe keine Kosten gescheut, um ihn über die halbe Welt hinweg, für euch zu engagieren".

"Und nicht nur das. Ich habe auch keine Kosten gescheut, ihm einen ebenbürtigen Gegner zu ... ähm mieten".


Der Orc stapfte weiter auf und ab. Auf seiner linken Brust prangte ein tief eingebrannter Wolfsschädel. Er wirkte widerspenstig, nicht gebrochen. Im Gegensatz zu anderen Orc, schien ihm diese Gefangenschaft neu zu sein.

Der Goblin plustert sich etwas auf.

"Und hier kommt er. Der Veteran aus hundert Schlachten. Die Nemesis jeden Orcs, ein wahrer Held der Allianz, der Große, der ruhmbekleckerte...."

Varjak ließ seinen Blick über das Publikum schweifen, kurz blieb er an dem Goblin hängen und wanderte dann zu dem Orc in die Arena.

Wieder grollte Ner'zosh tief. Er drückte den Schild an seine Brust und schlug immer wieder mit dem Hammer herausfordernd dagegen.

Der Goblin sah zu der angespannten Menge und legte eine theatralische Kunstpause ein.

[ ... ]
*nagelt den Clanthread nach oben*
Bis ich wieder schreiben kann, dann folgt hier die Fortsetzung.

Nimm an der Unterhaltung teil!

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