[Blutelfen-RP] Morgentau

Kult der Verdammten & Co.
Du wirst so niemals dein volles Potential entfalten können!" schrie Taron seine jüngste Tochter an und setzte sie vor die Tür seines Arbeitszimmers. Er hätte sich denken können das sie es noch nicht bewerkstelligen würde, hatte sie doch erst vor kurzer Zeit, ihre Prüfung zur Magistrix erfolgreich absolviert. Aber er wollte nicht wahrhaben das seine kleine Tochter, mit derart viel Potential in der arkanen Kunst die Anwendung von Feuerzaubern verabscheute und auch nicht gut darin war diese Macht zu kontrollieren.
Wiederstrebend bewegte er sich auf den brennenden Haufen Holz zu, den er einmal Schreibtisch nannte, stellte sich davor, streckte seine Hand mit allen Fingern gespreizt darüber und erstickte das Feuer in Sekunden.
Er hatte eine Möglichkeit gefunden den Sauerstoff aus der Materie die in unmittelbarer Nähe lag zu entziehen, und so den Brand zu löschen. Dies hatte er schon den Öfteren getan, nur Lilyra, die er grade aus dem Raum geworfen hatte, zeigte weder den richtigen Ehrgeiz noch den Willen die Lektionen zu lernen, die er ihr bereitstellte. Wer sollte es ihr verübeln? Brannte sie doch als junge Elfe den Küchentrakt des Anwesens in Morgenluft bis auf die Grundmauern nieder.
Der Magister stand seufzend vor dem Aschehaufen seines Tisches.
"Diese Familie treibt mich noch eines Tages in den Wahnsinn!"
Er bewegte sich langsamen Schrittes zum Fenster seines Büros und sah auf das Morgentau Anwesen in Dalaran herab. Das Sonnenlicht tauchte den wohlgeführten Garten in ein orangenes Meer von Bäumen und Blättern. Die Tage wurden langsam kürzer und der Winter war nah.
"Sie hat das größte Potential von all meinen Bälgern und ist doch so störrisch!" fluchte er.
"Wie ihre verdammte Hexe von Mutter!"
Glas zersplitterte an der Wand von der Figur die eben noch auf dem Fenstersims gestanden hatte und nun im hohen Bogen an die Wand geflogen war.
"Du solltest nicht zu stark mit ihr ins Gericht gehen Taron!"
Eine Stimme, leise aber warm fast flüsternd drang in seine Ohren, ein leichtes Echo schwang durch den Raum. Er zog scharf die Luft ein, da er die Stimme die ihn erschreckt hatte kannte. Versuchend sich nichts anmerken zu lassen drehte er sich in die Richtung aus der die Geräusche kamen.
"Ich hasse es wenn du das tust!" er zögerte einen Moment und betrachtete die Schemenhafte Gestalt die in seinem Lieblingssessel saß.
"Du hast hier nichts verloren und wie kommst du überhaupt hier rein?" wissend das dies eine überflüssige Frage war, dennoch stellte es sie.
Der Sessel stand im hinteren Teil des Arbeitszimmers, in der Nähe eines nicht entzündeten Kamins und unerreicht von der untergehenden Sonne. Taron kniff die Augen zusammen um seine Iris an die Dunkelheit im hinteren Teil zu fixieren. Ein leichtes, süßliches und bekanntes Kichern war nun hörbar welches aus allen Richtungen in verschiedenen Lautstärken zu kommen schien. Es lief dem Großmagister eiskalt den Rücken hinunter, hatte er das beklemmende Gefühl ihrer Anwesenheit nun schon seit Jahren verdrängt.
Er versuchte sich zusammenzureißen, sich anmerken zu lassen das er angespannt war, würde nur auf Befriedigung ihrerseits stoßen und das... sollte er tunlichst vermeiden. Taron schwenkte den Kopf zu einem Regal auf der linken Seite des Raumes, in dem mehrere Flaschen standen, seufzte einen Moment und bewegte sich dann darauf zu. Mit einer schwingenden Handbewegung entzündete er noch die Kerzen in der Nähe des Sessels auf der anderen Seite des Arbeitszimmers in der die dürre Gestalt saß, ehe er bei einer der vielen Weinflaschen angekommen war.
Nun stand er mit dem Rücken zu ihr und überlegte was sein nächster Schritt sein sollte. Er stelle sich eine magische Barriere in seinem Kopf vor, ehe er seine nächsten Worte wählte. Gedanken der Vergangenheit schossen ungewollt in seinen Kopf, - Liebe, Geborgenheit, Angst, Ungewissheit, Trauer - Gedanken die er versuchte abzustellen aber es nicht konnte.
"Wein?" fragte er während schon das Ploppen eines Korkens zu hören war.
"Gern!" erwiderte die süßliche Stimme die nun direkt hinter seinem Rücken zu erklingen schien. Er weitete die Augen und sein Herz setzte gefühlt einen Schlag aus, konzentrierte sich jedoch nichts von dem Wein zu verschütten.
"Du hast meine Frage noch nicht beantwortet, was willst du hier!?" er drehte sich um, blickte einen Moment zum Fenster und sah das die Sonne grade hinter dem letzten Gebäude verschwunden war. Der Raum tränkte sich in ein wohliges Orange vom Kerzenschein und die Schatten der Möbel tanzten an den Wänden hin und her. Die dürre Gestalt stand zu seiner Überraschung nun am Kaminsims, drehte ihm den Rücken zu und betrachtete die Bilder von der Familie, die darauf aufgestellt waren.
Einen Weile stand sie dort und schwelgte wohl in Gedanken, ehe sie sich umdrehte und dem Magister einen zerstörenden Blick zuwarf. Er betrachtete eine knochige Figur die sich augenscheinlich durch das seidige und glänzend-schwarze Gewand abzeichnete und nun auf ihn zu schlenderte, ohne das irgendwelche Geräusche zu hören waren. Seine Augen weiteten sich als sie weiter ins Licht trat und ihre porzellanfarben helle Haut zum Vorschein kam. Ihre weißen langen Haare schwangen wie in Zeitlupe bei jeder Bewegung mit, und lediglich eine goldfarbene Spange verhinderte das diese ihr ins Gesicht vielen.
Sie stand nun vor ihm und sein Herz begann nun ungewollt noch schneller zu hämmern als zuvor, sodass es hörbar sein musste. Seine Lunge schnürte sich zusammen und die Luft blieb ihm einen Moment weg als blassgrüne Augen ihn eingehend musterten. Ein rosiger Duft trat in seine Nase den er vermisst hatte jedoch zugleich auch verabscheute. Zu seiner Überraschung lächelten die pechschwarz bemalten Lippen ihn an und kalte dünne Finger einer linken Hand strichen über seine Wange.
Ein schwaches... "also?" kam noch über seine Lippen, wobei die letzte Silbe kaum hörbar gewesen war. Ein Finger legte sich auf seinen Mund und ein wunderschönes aber auch bedrückendes Lächeln kam zum Vorschein.
Ein leises, kaum wahrnehmbares und ruhiges Lachen war in seinem Kopf zu hören, war aber nicht zu sehen in dem kalten Gesicht welches ihn anblickte.
Ihre Lippen öffneten sich:
"Mein Liebster! Ich kehre nur zu meiner Familie zurück und nehme MIR was MIR gehört!..."
Wutentbrannt stampfte Lilyra durch die langen Gänge des Dalaran Anwesens der Morgentau's. Die kurzen blonden Haare der jungen Magistrix schwankten durch die Vibrationen ihres Körpers bei jedem Auftritt ihrer Stiefel hin und her. Das Gesicht durchzogen von Wut und Ärger über ihren völlig cholerischen Vater der die grade aus seinem Arbeitszimmer geworfen hatte.
Ihre Schritte wurden langsamer und sie kam in einem Nebengang der Bibliothek an einem Fenstersims, dessen Ausblick in den Hof des Anwesens führte zum stehen. Sie donnerte die linke Faust ihrer Hand an die Wand neben dem blumenverzierten Fenster und schaute sich draußen das Treiben ihrer Cousins an, die sich in der Beschwörung von Feuerbällen versuchten.
"Feuer!" murmelte sie leise, abwertend und mit zusammengepresstem Kiefer. - Du wirst so niemals dein volles Potential entfalten können...! - Die Worte ihres Vaters brodelten in ihren Gedanken. Er würde noch früh genug ihr Potenzial zu schätzen wissen dachte sie sich und ein kurzer Blitz zuckte von ihrer Faust in die Mauer, welche direkt leicht zu bröckeln anfing und ein kleiner Riss sich Richtung Fenster zog. Der Riss traf auf eines der einzeln eingelassenen Fenster auf der linken Seite, zersplitterte, aber fiel nicht heraus.
Hasserfüllt betrachtete Lilyra ihr Werk mit schief angewinkeltem Kopf. Einen Moment lang beobachtete sie das zersprungene Glas, welches das untergehende Sonnenlicht brach und in einem schönen Muster ein Bild auf ihr Gewand warf.
Gedanken vergangener Tage schossen in ihren Kopf.

In der Luft über dem Küchentisch schwebte ein Lichtfunke. Er dehnte sich langsam zu einer Kugel aus, die etwa so groß wie der Kopf eines Kindes war und gemächlich zur Decke emporstieg.
"Das war's!", erklärte Taron seiner jungen Tochter.
"Du hast eine Lichtkugel geschaffen."
Lilyra lächelte. "Jetzt fühle ich mich wirklich wie eine echt Magierin!"
Die Miene ihres Vaters verriet den Stolz und ihr wurde warm ums Herz.
"Bei der Geschwindigkeit, mit der du lernst, wirst du den anderen Novizen weit voraus sein, wenn du mit dem Unterricht an der Akademie beginnst!", sagte er. "Zumindest was die Magie betrifft. Aber mit der Mathematik liegst du weit zurück, und nein, Gold für Schmuck auszugeben wird dich in diesem Bereich nicht stärken!" erklärte er streng und seine Miene verfinsterte sich. Lilyra blickte auf ihre Bücher herab und seufzte. Die Lichtkugel in der Luft über ihnen zuckte einen Augenblick und färbte sich in ein schwaches Orange.
"Also Tochter, wann widmest du dich wieder deiner eigentlichen Herausforderung vor deinem Studium?" Taron drohte ihr leicht mit dem Finger.
"Sofort Vater!" murmelte sie leise und etwas Zorn trat in ihre Gesichtszüge.
"Sofort Mylord!" brach es aus ihm heraus. Lilyra nickte nur und die Lichtkugel zuckte erneut.
- ich lerne, lerne und lerne... und trotzdem kann ich ihn nicht zufriedenstellen - Lilyra hatte ihrem Vater mitgeteilt das sie mit ein paar Freundinnen den Basar unsicher machen wollten, das sollte sich nun hiermit erübrigt haben. Auch Enttäuschung stieg in ihr auf und die Lichtkugel - die mittlerweile rot geworden war - schlug plötzlich Flammen und entzündete die Küchendecke über ihnen.
"Was zum...!" schnaubte der Lord und riss seine Tochter vom Stuhl, dies entfachte die Kugel vollends und der gesamte Küchentrakt stand in lodernden Flammen. Der Magister zog eine Barriere um sie beide herum und eilte aus der Küche in den noch nicht brennenden Korridor.
Taron blickte seine zu Boden starrende Tochter an, wandte sich ab und blickte in den Küchentrakt, der grade von den Dienstboten und Wachen gelöscht wurde.
"Enttäuschend!"

Als Lilyra aus ihrem Tagtraum erwachte, fand sie sich einige Schritte von dem zerbrochenen Fenster entfernt und blickte einen Moment zurück in die die Richtung aus der sie gekommen war.
"Ich werde ihn niemals zufriedenstellen können!" Sie drehte sich um und machte sich auf den Weg zur Bibliothek.

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