[H][Verlassenen-RP] Die Apothekervereinigung

Kult der Verdammten & Co.
Andorhal. Die ehemalige Kornkammer Lordaerons, nun lediglich noch ein baufälliger Schatten ihrer einstmaligen Größe. Seit Jahrzehnten schallt von den Mauern der Ruinen nur noch eines - die Klänge des Kampfes, vermischt mit den Schreien des Todes. An diesem Ort, dem immerwährendem Schlachtengrund zwischen Mensch und Verlassenen, dem einstigen Quell jener Seuche, welche die östlichen Königreiche dereinst so tückisch anheim suchte, sammelten sich jüngst Viere an der Zahl. Zu tot, um ein menschliches Dasein zu führen, zu lebendig, um hirnlos unter Ghoulen des Nordens zu wandeln. Jeder einzelne brachte seine Geschichte mit, jeder einzelne hatte Ambitionen, die bevorstehende Reise zu begehen.

In der Dunkelheit der Nacht schlichen sie los, und hätten sich kaum einen irrwitzigeren Zeitpunkt dafür aussuchen können, als ihr Vorhaben unter dem verdrehten Stern der Schlotternächte anzugehen. Eine Anstrengung unter diesen Vorzeichen würde nichts Gutes verheißen...doch die Zeit drängte. Für die einen mehr, als für die anderen.


In bedrohliche Schwärze sind die Wasser des Darrowmersees getränkt. An diesen verfluchten Ufern weht ein beißender Wind, der die übel-schwefligen Ausdünstungen des östlichen Teiles der Pestlande mit sich trägt. Das alte Boot ächzte schwerfällig, als die Viere es zu Wasser schoben. Bis auf das nasse Platschen des Ruders, welches in die dunkle Oberfläche drang, war nichts zu hören. Unheimlich, diese Stille. Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm.

Am Horizont zeichnen sich die Überbleibsel der ehemaligen Darrowwehr ab. Wie hohle Zähne thronen sie auf den hügeligen Gefilden, strahlen nicht mehr und nicht weniger aus, als das kalte Grauen einer weitreichenden Geschichte der Unglückseligkeit.
Im Mutterleib des größten aller Häuser, dem ehemaligen Gut des Adelsgeschlechts der Barov, hat sich eine dunkle, schwielende Pest breit gemacht und sich durch die ehernen Mauern gefressen. Ein verfluchter Ort, von noch verfluchteren Kreaturen heimgesucht. Von dunklen Schächten und finsteren Korridoren, von frevlerischen und blutrünstigen Experiementen wird ängstlich, und hinter vorgehaltener Hand gemunkelt.

Ein verlassener Ort, dazu bestimmt, verlassen zu bleiben...
Tagebucheintrag der 1. Todeswache Keshawn Delmore.
26. Tag des 10. Monats. - 12:30 Uhr
Andorhal.

Ich hasse diesen Ort. Mir wäre es lieber, wir wären zurück nach Tarrens Mühle gegangen, dort hätte Merediv mich schon längst wieder zusammen geflickt und ich hätte weiter meinen Aufgaben nachgehen können. Nun liege ich hier, mein Gesicht verbrannt und mit einer klaffenden Wunde in meinem Leib. Ich habe mit meiner rechten Seite einfach kein Glück. In ein paar Stunden wird ein Heiler meine Wunden untersuchen. Avram liegt an der Fußseite des Bettes und schaut mich den ganzen Morgen schief an, bin ich wirklich so entstellt, dass man mich nicht mehr erkennt? Sheraz Blick sagte ja schon einiges, aber mein eigener Hund? Naja. Jedenfalls waren wir erfolgreich und haben dieses verdammte Amulett. Wenn ich wieder bei Kräften bin, werde ich nach den anderen sehen. Ob Sheraz seine abgehackte Hand mitgenommen hat? Oder bekommt er eine andere an genäht? Wir armen Teufel, werden alle als Flickwerke wieder zurück nach Hause gehen, um Weroth mache ich mir keine Sorgen, diese Art Verlassene, wie sie eine ist, überdauern uns alle...

Ich hoffe, die ganzen Mühen und Anstrengungen waren es Wert. Aber der Exekutor wird wissen, was er tut.
Tagebucheintrag der 1. Todeswache Keshawn Delmore.
01. Tag des 11. Monats. - 02:30 Uhr
Tarrens Mühle.

Endlich wieder zurück. Nachdem der Exekutor Maladan und Lady Merediv, mich in Herdweiler aufsuchten, ging es wieder Bergauf mit meinem gesundheitlichen Zustand. Zwar konnte eine Heilerin des Argentumkreuzzugs meine Verbrennung im Gesicht vollständig mit ihrer schmerzhaften, heiligen Zauberei entfernen, aber meine klaffende Wunde im Leib, konnten selbst die nicht zusammenflicken, Merediv schon. Sie ist eine wahre Apothekerin und zollt meinen höchsten Respekt. Als sie die Wunde gesäubert und genäht hat, blieben wir den restlichen Abend dort. Am frühen morgen, bellte Avram bereits schwanzwedelnd wie ein wahnsinniger, ob er es spürte, dass es wieder nachhause ging?

Ich war froh, Herdweiler wieder zu verlassen und wieder in Tarrens Mühle zu sein. Es war ein gutes Gefühl, wieder meine Rüstung anlegen zu können, und meinen Wachdienst anzutreten. Ich war von morgens bis Abends unterwegs, ich habe es vermisst, wieder durch das Vorgebirge zu patrouillieren. Als ich Abends wieder zurück in die Mühle kam, und die anderen aufsuchte, sah ich in den Räumlichkeiten Merediv und Caecilia, wie sie Mordhin an das Bett fesselten, er habe wohl im Labor randaliert, und den Exekutor sowie die Wache beleidigt.
Ich beschloss, dass die beiden Damen ihn dafür ruhig etwas leiden lassen sollen.

Ehe sie damit beginnen konnten, hörten wir ein Hilfeschrei draußen. Wie sich nach einiger Zeit herausstellte, handelte es sich dabei um einen ehemaligen Obergefreiten des Vierzehnten, Namens Schimmelpfennig. Meines Erachtens, genauso selbstgefällig und respektlos wie sein ehemaliger Kommandant. Aber er war verwundet, und kann von Glück reden, dass Merediv ihn empfangen hat. Ich hätte ihn vermutlich mit einem Seuchenkatapult wieder zurück in den Silberwald geschossen, aber Merediv hatte andere Pläne. Sie behandelte den ehemaligen Obergefreiten so gut sie konnte, wobei Caecilia ihr sogut es ging assistierte. Als die beiden herunter gingen um einen gut Intakten Arm für Schimmelpfennig zu besorgen, konnte ich allein ein paar Worte mit ihm wechseln. Wir sprachen über die Vernichtung Teldrassils, den Fall unserer Heimat und Saurfang. Man könnte meinen, er sei ein Soldat wie wir alle, wir werden sehen. Letztendlich wird der Exekutor entscheiden, was mit ihm passiert. Es wird sicher viel zu reden geben.

Zum annähen des Armes, kam es jedoch nicht mehr, als die beiden sich gerade ans Werk machen wollten, war von Schimmelpfennig nur noch ein schnarchen zu vernehmen. Wir werden es wohl auf morgen verschieben.
ooc: inspiriert / geklaut von Supervert "Necrophilia variations" und Songtexten der Band "Die apokalyptischen Reiter" - ist aber so passiert :)

„Dir ist klar, dass die Schatten dich holen werden?“
Die Stimme klang in ihrem Kopf, von überall gleichzeitig und doch ohne erkennbare Quelle. Sie klang gleichzeitig weich und bewusst hart, es war nicht erkennbar ob ein männlicher oder ein weiblicher Sprecher zu der Stimme gehörte.
„Dein Gelaber geht mir auf die Nerven – halt’s Maul!“ erwiderte die Verlassene. Sie trug eine völlig heruntergekommene Lederkluft, und sah sogar für eine Verlassene schlecht aus. Die linke Hand war offensichtlich verbrannt, die Haut überall rissig und teilweise bereits vollkommen verwest.
Gegensatz zu der Schäbigkeit war eine Kette um ihren Hals, an welcher ein fein gearbeitetes Amulett baumelte. In der Mitte schimmerte ein geschliffener Stein. Der Farbe nach zu urteilen vielleicht ein Amethyst, der hin und wieder Lila aufblitzte Es sah so aus, als würde der Stein von innen heraus leuchten. Offensichtlich erstaunlich gute Handwerkskunst.
„Warum denn so unhöflich, wir reden doch so nett.“ Die Stimme klang plötzlich fast sanft. „Die Schatten werden gewinnen. Und das auch eher kurzfristig als langfristig. Und dann wirst auch du wieder in der Dunkelheit enden.
Erinnerst du dich noch an die Dunkelheit? Als du in deinem Grab gelegen hast, bevor wir dich befreit haben?“
Die Verlassene knurrte durch die zusammengebissenen Zähne. „Die Schatten haben uns Verlassene nicht befreit. Sylvanas Windläufer hat den Willen des Lichkönigs gebrochen.“
„Aber wer gab Ihr die Kraft dazu? Wir waren es. Und die Dunkelheit der Schatten wird euch alle wieder heimsuchen wenn wir die Welt verschlingen.
Du wirst mit deinem Vorhaben wieder versagen.“ Die Stimme hallte fröhlich durch den Kopf der Verlassenen.
Sie hatte das dringende Bedürfnis die Kette und das Amulett schnellstens wieder loszuwerden. Die Verlassenen hatten alle einen hohen Preis bezahlt um den Talisman an sich zu bringen. Sie mussten erfolgreich sein und Rosie wiederbelegen. Die Kraft des Amulettes war sogar für nicht magisch begabte spürbar.
„Ich versage nicht.“ Erwiderte die Verlassene ihrem Amulett. Gut, dass heutzutage niemand mehr in den Pestländern herumwanderte – man hätte sie für verrückt halten können.
„Aber, aber, aber“ begann der Einwand und die Verlassene konnte sich ein Seufzen nicht verkneifen. „Du hast doch damals auch versagt! Du konntest keinen deiner Kameraden und Freunde beschützen. Alle wurden hingerichtet, auch deine Anführerin. Sie war die Letzte, weißt du. Musste mit anschauen wie alle ihre Marionetten hingerichtet wurden, nur um dann selbst das Beil zu spüren. Du bist ein schlechter Soldat und hast Alles verraten, wofür ihr stehen wolltet!“ Die Verlassene sagte nichts. Für einen Moment herrschte endlich wieder Stille in ihren Gedanken.
„Glaubst du, sie konnte noch spüren wie die Erde über sie fiel? Wir werden dafür sorgen, dass du es auf jeden Fall spüren kannst, Verräterchen.
Du wirst in der Erde liegen und dich nicht bewegen können. Schaufel für Schaufel wird die schwere, nasse Erde über dir abgekippt. Bis du in vollkommener und absoluter Finsternis gefangen bist. Der Dreck dringt in jede Pore deines Körpers, jede Hautfalte, jede verrottende Körperöffnung. Vielleicht wird durch den Druck noch der Eine oder Andere Knochen gebrochen, vielleicht drückt es dir die Luft aus der Lunge. Und in völliger Finsternis und Einsamkeit wirst du anfangen schneller zu gammeln als dir lieb ist. Möglicherweise kommt irgendwann eine kleine Made, ein Wurm, oder sogar eine Maus bei dir vorbei.
Und du wirst dankbar für die Gesellschaft sein, bis dir klar wird, dass sie gekommen sind um dich zu fressen. Du wirst die kleinen Zähne spüren, wenn sie anfangen deine Haut zu öffnen und sich an deinem Fleisch zu laben. Und auch wenn deine Wahrnehmung getrübt sein wird, hast du doch nichts Anderes zu tun, als dich in den Vorgang reinzusteigern. Das leise knirschen wenn die Zähne ein Loch in deinen Schädel nagen, das Knistern wenn deine Haut reißt, das Schmatzen der Maulwürfe in deinen Eingeweiden… Wir werden es genießen während du verzweifelst!
Die Würmer kriechen dir in die Ohren und werden dein Hirn fressen. Sie werden dir direkt in den Kopf !@#$%^en, bis der Schleim aus allen Öffnungen suppt.“ Ein leises Kichern ist zu hören, bevor die Stimme fortfährt. Die Verlassene marschiert währenddessen still weiter und versucht die Stimmen in ihrem Kopf zu ignorieren.
„Du wirst feststellen, dass die kleinen Tierchen mit deinem Hirn deine Erinnerungen fressen. Die letzte geliebte Erinnerung an deine Familie, die Schande deines Verrates an deiner geliebten Fürstin, dieser eine schöne Moment bevor die Geißel kam um dich zu richten… Alles wird Wurmfutter. Der letzte Gedanke der dir so Etwas wie Wärme gibt, wird Nahrung für fremde Kreaturen.“
Wieder machte die Stimme eine kurze Pause und obwohl die Wut der Verlassenen stieg, erwiderte sie nichts. Diese Stimmen wollte sie schließlich quälen, diese Genugtuung sollten sie nicht bekommen.
„Du fragst dich sicherlich wie es weitergehen wird, nicht wahr?“ „Absolut nicht“, die Verlassene knurrte wieder leise mit zusammengekniffenen Zähnen. Die beschriebene Vorstellung fing an, wie die kleinen Tierchen an ihr zu nagen.
„Auch der bravste, willensstärkste Verlassene wird neurotisch in dieser Situation. Ich habe es so oft gesehen. Du wirst anfangen über deine körperliche Hülle nachzudenken. Du kannst schließlich nichts Anderes tun. Die Erde hält dich fest, die Kraft von hunderten Bergen aus Blei, als würde das Gewicht der Welt auf dir lasten. Vielleicht wirst du anfangs noch in Gedanken ein Spiel spielen, oder Rätsel lösen um dich zu beschäftigen.
Und irgendwann fängst du an, Wasserleichen zu beneiden. Wenn die Wellen mit den aufgedunsenen Körpern spielen, haben sie immerhin die Freiheit der Bewegung. Du wirst nie wieder irgendetwas bewegen. Du wirst anfangen auf Erdbeben zu hoffen, vielleicht würde dir und deiner ungenügenden Art auch ein Erdrutsch genügen. Etwas, damit Bewegung in die Dunkelheit kommt. Du würdest Häuser einstürzen lassen, Millionen Leben sollen vergehen damit du die Leiche im nachbarschaftlichen Sarg berühren kannst. Dir wird vollkommen egal sein, wer es ist. Dein schlimmster Feind vielleicht? Oder der Mörder deiner Eltern und Geschwister? Der Liebhaber, der mit deiner besten Freundin durchgebrannt ist? Es spielt keine Rolle! Du wirst dankbar sein! Und du wirst ihn umarmen wie die einzige Liebe die du je empfunden hast. Du wirst Freudentränen vergießen. Es ist ja nicht so, dass der endgültige Tot dich Alles vergessen lässt, aber im Vergleich zu der endlosen Einsamkeit, der Gefangenschaft, der tatsächlichen Grabesstille… Im Vergleich zu der Enge des Grabes, der Enge des Sarges, der Enge des eigenen Körpers und des eigenen Bewusstseins ist der alte Groll irrelevant.
Glaubst du wirklich, du könntest dein eigenes Vergehen für alle Ewigkeit ertragen?“
„Es kann nicht schlimmer sein als dein Gerede.“
„Hahaha! Du wirst sehen, wie leicht es ist dich zu brechen.“ Die Sanftmut war komplett gewichen, eine Kälte hatte von der Stimme und auch der Verlassenen Besitz ergriffen.
„Du bist schwach! Wenn das Fleisch dir von den Knochen gefallen ist, in deinem stillen Grab, wenn du dir nicht einmal mehr Erdrutsche wünscht weil es deine Knochen brechen und durcheinander bringen wird; wenn Nichts und Niemand mehr dich besucht, wenn das Letzte was von dir über ist, nur deine Gedanken sind, dann wirst du erkennen wie schwach du bist! Die Leere wird dich von innen verzehren! Du wirst dir wünschen, mein Angebot angenommen zu haben!“
Die Verlassene blieb stehen, mit einem Mal sehr ruhig. „Du hast mir bisher kein Angebot gemacht“, stellte sie frei heraus fest.
„Weil du zu schwach bist! Du bist schwach! Und eine Verräterin! Du könntest nicht ertragen was die Dunkelheit dir zu bieten hat!“
„Ich bin nicht schwach! Ich bin keine Verräterin!“ Die Verlassene schrie die Worte heraus. Zu oft hatte sie es nun vorgeworfen bekommen, und viel zu oft hatte sie diese Gedanken selbst bereits gehabt. Die Verlassene sank auf die Knie und grub ihre Hände in die Erde.
„Wir werden dir deine Welt nehmen.“ Stellte die Stimme ruhig, fast sachlich fest. „Wir werden ALLE Welten nehmen und sie beenden. Du hast schon davon geträumt, wir werden die letzte Schlacht gewinnen.
Die Himmel werden sich verfärben, die Dunkelheit wird keine Wiederkehr gewähren.
Die Zukunft ist Finsternis.
Wie ein blutender Vulkan werden wir die Länder vom Leben reinigen. Es wird keinen Widerstand geben. Wir werden das Fleisch und das Land nehmen und es beenden. Das Blut wird die Meere färben und der Tod wird alles sein was existiert. Die Welt wird rot und dann schwarz.
Wir wissen beide, dass es so sein muss!
Das Fleisch der Toten wird herabregnen nachdem wir es von den Knochen getrennt haben und die letzten Lebenden in Zorn, Angst, Raserei versetzen. Wie es uns beliebt werden wir diese Welt verbrennen.
Kannst du es sehen? Die Nacht im Mantel des Unheils, das Firmament aus Feuer, sämtliche Träume werden in diesem Moment verglühen, der Himmel schreit und jedes Sein verliert den Sinn. Kein Stahl und keine Rüstung kann euch schützen!“
Die Verlassene hob die Hände aus der Erde, schaufelte ein bisschen Dreck beiseite. „Ich höre noch kein Angebot“ sagte sie schließlich.
„Du kannst mit uns gehen!
Wir nehmen dir die Welt und machen dich zu unserem berittenen Boten, wenn du so willst.
Nichts bleibt bestehen, kein Tag wird jemals die Dunkelheit erhellen. Wenn die Nacht stirbt und wir gewonnen haben, wird auf alle Ewigkeit kein Licht mehr Wirklichkeit.“
„Hm.“ Die Verlassene erwiderte nichts. Sie nahm schlicht die Kette vom Hals, legte sie in die frisch ausgehobene Kuhle und begrub sie mit zwei Händen Erde.
Die Stille war ohrenbetäubend und doch wunderschön. Langsam kam das Rascheln der Pestverschmutzten Blätter wieder zurück, das Knacken von Ästen.
Die Verlassene blieb regungslos auf den Knien auf der Erde sitzen. Die Stimme kam nicht wieder zurück. Dann vergrub sie das Gesicht in den Händen und schrie, wie nie zuvor. Es war ein Schmerz in Ihr, den sie stets verdrängt hatte. Sie hatte überlebt, als alle anderen gerichtet wurden. Niemals würde sie sich selbst vergeben können, nicht auch dabei gewesen zu sein.
Tage waren vergangen, seit sie das Kleinod beerdigt hatte. Die Stimme war zumindest in ihrem Kopf nicht wieder aufgetaucht.
Langsam ging sie zu der Stelle, an der das Medallion noch immer liegen musste. Ein Verlassener ging neben ihr. „Bist du sicher Weroth?“ fragte er. Sie musste sicher sein. „Der Priester hat es mir gegeben, Nuru, ich muss es zu Ende bringen.“
Sie blickte einen entfernten Hügel hinauf, oben konnte sie bereits ein paar wartende Verlassene der Apothekerschaft erkennen.
Sie schlug die Finger in die Erde und spürte die Kette zwischen den Krumen. Alles war noch immer dort, wo es sein sollte. Sie zog die Kette mit dem Amulett hervor und betrachtete es kurz. Wieder schien der Stein für einen Bruchteil eines Moments von innen zu leuchten.
Dann wurde es wieder laut in ihrem Kopf.
„Hast du dich entschieden? Wie soll es weitergehen, Verräterin?“
Tagebucheinträge sind etwas für Mädchen. Ganz eindeutig.

Ich meine, wer schreibt schon freiwillig seine Gedanken auf? Damit irgendjemand das besagte Werk finden und lesen kann? Hängt doch gleich einen Steckbrief mit euren größten Ängsten und Sorgen in allen Hauptstädten aus, eh?

Was Caecilia derweil macht? Sie steht sich die knöchernen Beine in den fauligen Bauch. Wache halten kann ja schon auf Dauer etwas ... langatmig werden. Wobei langatmig das falsche Wort ist. Als müsste sie noch atmen ...

Merediv ist vermutlich immer noch stinkig. Zumindest schien sie bisher nicht weiter gewillt mit ihr zu reden. In dem Raum hinter ihr herrscht also einvernehmliches Schweigen und in den weiten vor ihr, die sie im Auge behalten soll, herrscht ... Nichts.

Klar, sie ist froh, dass sich da nicht wieder irgendwelche Gestalten tümmeln, bei denen sie nicht sicher ist, ob sie Freund oder Feind sind und ob sie diesen höflich zulächeln soll oder lieber direkt ihre Klinge in den Bauch jagen. Dennoch ... etwas Unterhaltung wäre doch sicher nicht verkehrt, oder?

In ihrer Hand hält sie einen kleinen schwarzen Stein, den sie immer wieder mustert. Sie ist jetzt also unter die Seelensammler gegangen und Maladan ist durchaus ab und zu ein Türstopper ... hat er sie doch fast ausgelacht als sie ihm davon erzählt hat. Sei's drum, soll er doch glauben was er will. Diese Seele hier gehört nun ihr, aus basta.
Der Exekutor saß auf einen Hügel in den östlichen Pestländern und beobachtete durch sein Fernglas, wie drei Ghule sich über eine tote Sin’dorei hermachten. Er beobachtete dieses Ereignis mit völliger Ausdruckslosigkeit. Sagosh konnte nicht mal sagen, dass es Neugier war, die sein Fernglas an dieser Situation hängen blieben lies, vielmehr fand sich in diesem Moment einfach nichts Anderes in diesem toten Landstrich. Viele Tage waren er und einige Apotheker nun in der ehemaligen Enklave des scharlachroten Kreuzzuges ansässig und im Grunde hatte er nicht mal die Zeit hier zu sitzen. Aber noch brauchte er Zeit und so starrte er auch etwas gedankenverloren weiter auf die Ghule, die scheinbar einen gesunden Appetit mitbrachten.

Das Ritual, welches der Erweckung einer alten Freundin diente, sollte nun endlich zum Ende kommen. Alle zahlten einen hohen Peis dafür und nahezu niemand wurde verschont. Nur er selbst konnte bisher ohne Schaden hervorgehen, schließlich brachte der Exekutor die Idee für das Vorhaben in die Vereinigung, noch schickte er beständig andere Apotheker und Bekannte an die „Front“. War es angst? War es Respekt? War es die Tatsache, dass seine Apotheker noch viel zu lernen hatten und er nicht? Sagosh war sich sicher, dass diese Antwort nicht stimmen konnte. Schließlich war er es selbst, der noch viel zu lernen hatte in dieser Rolle. Selbst seine 1. Todeswache stellte die Gedanken und Ideen von ihm so langsam in Frage und der Exekutor erwischte sich dabei ihm vielleicht Recht zu geben. Der Handel mit dem Schatten ging schief, auch weil er unerfahrene Apotheker dem Prediger zur Seite stellte. Selbst ehemalige Freunde der Verblichenen nahmen enorme Schäden durch das Ritual in Kauf. Sie war es nicht mehr wert, aber es gab nun auch keinen Weg mehr zurück. Der Prediger war dem Ende seines Unlebens so nah, wie noch nie zu vor und so war Sagosh froh, dass sie einen Dunkelritter des Klerus zur Unterstützung in die Enklave holen konnten. So warteten sie lediglich noch auf die ehemaligen Anhänger der Verblichenen. Ja, das war eine gute Antwort auf die Frage seiner Apotheker, wo er so lange gewesen sei. Ausschau halten. Die Ghule hatten mittlerweile einen Arm und ein Bein der Sin’dorei von ihrem leblosen Körper gelöst. Er konnte förmlich ihr schmatzen durch das Fernglas hören.

„Was machen wir nach dem Ritual, Exekutor?“ Diese Frage hallte Sagosh immer wieder durch seine eigenen Gedanken. Ein Bündnis mit den Elfen scheiterte, noch bevor es begonnen hatte. Auf seine Nachfrage an Lady Mondschwert, wie ihre Sicht auf das vorübergehende Verschwinden von Giselfried Veilchenfeld war, bekam er bis heute keine Antwort und das Gespräch mit dem Magister brachte ebenfalls nichts. Obwohl wirklich nichts? Sagosh grinste, als er sich erinnerte, wie seine 1. Todeswache treu im Hintergrund wartete, als er sich durch das diplomatische Geplänkel mit dem Elfen quälte. Wie oft hatte er damals hinter seinem Kommandanten gestanden und sich überlegt, warum der Hochexekutor den vermeintlichen Verbündeten so in den !@#$% kroch.
Die Rollen haben sich verändert und mittlerweile kann er das genervte Seufzen seines damaligen Vorgesetzten nur zu gut verstehen, wenn er anschließend weitere Vorhaben erklärte.
Beim Gedanken an die Garde runzelte der Krieger die Stirn. Vor wenigen Tagen traf er auf Kommandant Relysos Stundenruf im Silberwald. Statt den üblichen Vorwürfen oder Fragen teilte ihm dieser mit, dass das Oberkommando die Vorfälle der Vergangenheit gänzlich zu den Akten legte. Beide einigten sich somit auf einen respektvollen Umgang miteinander. War dies der erhoffte Neuanfang? Sagosh konnte seine Skepsis nicht ablegen, aber das konnte er noch nie gut. Aber er dachte auch an die vielen Verlassenen in beiden Lagern. Merediv von Süderstade und Annmirl Nemeyer pflegten häufig einen guten Kontakt. Allein an diesem Beispiel wurde für den Exekutor die Wichtigkeit dieses Friedens deutlich und wer konnte schon sagen, ob sich die Apothekervereinigung und die Königsblaue Garde nicht auch bald gegenseitig unterstützen. Für Lordaeron! Für die Verlassenen!

Die Ghule ließen allmählich von der Elfe ab und erinnerten den Exekutor daran, dass er auch wieder an die Arbeit gehen sollte und so steckte er das Fernglas weg, zog die Kapuze über Kopf und machte sich langsam auf in Richtung Enklave…

Nimm an der Unterhaltung teil!

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